Posts Tagged ‘Macht’
24.09.2011, 11:03
Entmanifestierung & Okkupation

In den letzten Tagen hat sich etwas sehr Unbefriedigendes bei mir eingestellt. Ich lerne für eine wirklich wichtige Prüfung – und ich merke, dass die Informationen nicht zu mir durchdringen. Alles wird oberflächlich bearbeitet, wenn überhaupt. Damals, wenn ich gelernt habe, habe ich vom Lernstoff geträumt, am nächsten Morgen bin ich aufgewacht und das Wissen war wunderbar geordnet und abrufbereit. Im Moment scheint alles hinter einem nebeligen Schleier unterzugehen. Ich habe keine wirklichen Zugriffsrechte, jemand oder etwas verwehrt sie mir. Diese Dinge heißen: Innere Unruhe, Scannen nach Gefahren, Schlafmangel und Zukunftsträume und -ängste. Und immer, wenn ich versuche, mir etwas gut einzuprägen oder es testhalber abzurufen, entstehen seltsame Impulse von seltsamen Bildern, die ich irgendwie in Worte umkodiere. Diesmal musste ich nichts umkodieren. Der erste Satz drängte sich mir auf, ich schrieb ihn nieder, obwohl er völlig sinnfrei war – und der skurrile Rest entstand von selbst. Lest selbst. Und wenn ihr einen inhaltlichen Sinn darin erkennt, offenbart ihn mir bitte. Mich interessiert, was ihr darin projizieren könnt.

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Wie ein flacher, zweidimensionaler Kreis legte er sich auf sie und bagatellisierte ihre Hügel und Täler. “Wer oder was bist du denn nun noch?”, fragte er sie erobernd. “Na, jetzt nichts mehr. Platt wie eine Flunder werde ich sein, wenn du mit mir fertig bist!”, stellte sie das mit unterdrückter Angst fest. “Richtig, ich habe dich entformt, entmanifestiert, dich unvollkommen gemacht”, stampfte er sie kreisend mit seiner platt runden Gestalt weiter in die Formlosigkeit rein und schaute ihr dabei in die verschwindenden Augen. “Formlos? So wie du? Werd’ ich wie du gemacht? Wie meinst du das?” Ihre Panik hätte vorhin, als sie noch ein paar Formen hatte, ausbrechen sollen. Jetzt war sie so entindividualisiert und entmachtet, dass sie nicht mehr wusste, wo ihre Emotionen und Gedanken saßen, um sie krallen und wie präzise Pfeile abschießen zu können. “Selbst, wenn ich formlos und platt wäre, wie du behauptest, so wäre die Formlosigkeit bei mir aus einer Vollendung heraus entstanden, eine, die sich aus dir und anderen nährt. Du hingegen hast verloren, obwohl du als formhaftes, hügeliges Wesen schon unvollendet warst”, antwortete er selbstzufrieden. “Du”, wiederholte sie “bist vollendet in deiner zweidimensionalen Formlosigkeit und ich entmanifestiert?” Er nickte. Sie nickte ihm nach, obwohl sie keinen Hals mehr hatte, und sprach aus ihrem verschwindenden Mund ihren letzten machbaren Einwurf, der wohl überlegt war, zehrend aus den ihr noch vorhandenen Ressourcen, die gleich mit in diese Plattheit übergehen würden. “Und wer hat dich vollendet? Es waren die anderen. Vergiss das nicht. Du bist genauso machtlos wie alle, die du okkupiert hast, denn du hast sie gebraucht, um etwas zu werden. Nicht einmal, um jemand zu werden, sondern nur um etwas zu werden …” Ihr Mund verschwand nach diesem einzigen abgeschossenen Pfeil, doch verschwand er ihm nicht schnell genug. Er hätte weghören sollen und nicht getroffen werden. Doch nun war es zu spät. Er hatte Zweifel an seiner Grandiosität entwickelt, die sich wie grünes Gift in seinem vollendeten Dasein verbreiteten. Seine so vollkommen kreisrunde Gestalt begann, sich zu zersetzen. Sie hatte ihm, bevor sie in ihm verging, einen Spiegel vorgehalten, ihm einer Lächerlichkeit und Abhängigkeit preis gegeben, die er durch Macht und Okkupation nie wieder kompensieren können wird. Sie hatte seinen Geist vor ihrem Aufgang in die Formlosigkeit vergiftet – und letztendlich über ihn gesiegt.

28.08.2011, 02:31
Das schwache Geschlecht

Heute habe ich sehr intensiv über Frauen nachgedacht. Anlass dazu war eine Dokumention über das weibliche Geschlechtsorgan, das ganz ausführlich besprochen wurde und die darauffolgende Frage meines Liebsten: “Wieso mögen Frauen denn ihre Vagina nicht? Habe ich jetzt nicht verstanden in der Doku!” Ich hole jetzt etwas aus. In der Doku ging es darum, dass Frauen die einzigen Wesen sind, die ohne körperliche Berührungen und rein durch Fantasie zu einem Orgasmus kommen können, ohne dass dieser Orgasmus sich in bildgebenden Verfahren von einem normalen, körperlich stimulierten Orgasmus unterschied. Es ging auch darum, dass – anders als beim männlichen Geschlecht – die Frau über viele verschiedene Lustsysteme verfügt, die viel komplexer sind als beim Mann. Frauen sind klitoral, vaginal, g-punktal und anal stimulierbar und sind dazu in der Lage, Ganzkörperorgasmen zu erleben. Sie sind nicht nur in ihrer Denkweise komplexer, sondern auch in ihrer Sexualität. Im sozialkritischen Teil ging es darum, dass Frauen ihrem Geschlecht gegenüber sehr ambivalent gegenüber stehen. Von “hässlich” bis “trouble maker” und “verletzlich” bis “befremdlich” war alles drin. Selbst heute in modernen Zeiten, sind Frauen nicht so gut mit ihrer Vagina befreundet, wie Männer es mit ihrem Penis sind. Die Scham, die Sünde, der Schmutz, der weiblichen Vaginae anhaftet (von Männern, Religion, komischen Göttern angedichtet wurde), wird immer noch gefühlt, wenn auch nicht mehr so stark wie vor ein paar Jahrzehnten noch.

Mir gingen viele Alltagssituationen durch den Kopf. Viele Lebensweisheiten von älteren Generationen. Viele Forderungen von Männern an die Frauen, die einfach kritiklos angenommen werden, ohne darüber nachzudenken, weil es einfach in uns eingewachsen ist, uns zu unterwerfen. Noch schlimmer: Wir fangen an, diese Werte an unsere Töchter weiterzugeben, bei der Unterjochung unseres Selbstwertgefühls mitzumachen. Vom einfachen “Als Mädchen macht man das nicht, bei Jungs ist das etwas anderes” bishin zu “Ich beschneide meine Enkeltöchter selbst, das ist eine Ehre, dies zu tun. Wir Frauen haben eine schmutzige Sexualität, sie muss sterben, sonst nimmt uns kein Mann!” Ich gehe einen Schritt weiter und hoffe, mir wird verziehen, wenn nicht, hab’ ich Pech gehabt: Auch das Kopftuch und die Ganzkörperbedeckung gilt nur für die Frau, ihrer Vagina und der sie umspielenden Schönheit. “Frauen”, sagt dieses Kopftuch “Frauen bedeckt euch, hüllt euch bei 35 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit ein, weil ich – Gott – es doch eher begünstige, wenn ihr euch versteckt, als euren Herren die Triebhaftigkeit unter Kontrolle bringen zu lassen. Nee, das wäre zuviel verlangt von den Testobomben, deshalb dürfen sie auch vier Ehefrauen heiraten, tjah! Also bitte verdecken.” Die Sünde im Garten Eden wurde von einem symbolisch weiblichen Tier (Schlange) und der Eva und ihren Verführungskünsten angedichtet. Sie mit ihrer Schönheit und ihrer weichen Stimme und zarten Haut hat es geschafft, den ahnungslosen Adam zu betören. Also lastet die Sünde dieser Welt auf den magischen Künsten der Frau. Deshalb soll sie gefälligst weder lesen, noch schreiben lernen, damit ihre hexengleiche Macht klein gehalten wird. Wir wurden zum Besitz, zum Eigentum, zu einem objektivierten Ding in der schlafzimmergleichen Schatztruhe der Männer. Wollte der Feind einen besonders treffen, vergewaltigte und beschmutzte man(n) den Besitz des Mannes und sagte: “Ihre Vagina gehörte mir! Jetzt ist deine Frau nichts mehr wert! Hah!” – Und sie war es tatsächlich nicht mehr. So ging die Geschichte ewig weiter. Selbst im liberalen Westen ist der Mann, der promiskuitiv lebt, ein toller Hengst, ein Alphatier, ein gutaussehender attraktiver Typ – von der Evolution bevorzugt – und die Ute, die ihren Spaß hat, ist schlicht und einfach eine Nutte. Punkt. Weiterlesen… »

14.06.2011, 16:23
Medusa

Feste Schenkel schlingen und drücken.
Ihr Busen riecht nach einer Wiese voll Blumen.
Ihre Haare kitzeln, dann peitschen sie Dich.
Ihre Arme fesseln, dann kratzen sie Dich.
Ihr Gesicht ist ein Mond aus tausend Wünschen und Furchen.
Ihre Lippen eine Frucht aus Liebesschwüren und -flüchen.

Schaust Du sie an, vergisst Du Dein Ich.
Das Einzige, das lebt, ist Deine Lust und sonst nichts.
Schaust Du weg, dann würgt sie Dich zu sich.
Schaust Du zu tief, zeigt sie ihr wahres Gesicht.

Medusa ist ihr Name,
und egal, was Du gibst:
Sie nimmt Dir noch mehr,
bis dass Du Stein nur noch bist.

03.05.2011, 00:26
Das “Death Note” und Du

Stellt Euch vor, Ihr habt ein Notizbuch. Ein Schwarzes mit der Beschriftung “Death Note“. Wenn Ihr den Namen einer Person reinschreibt und Euch ihr Gesicht dabei vorstellt, dann stirbt sie nach 40 Sekunden.

Das ist die Kurzfassung einer Story aus einer berühmten Anime Serie “Death Note”, dessen 37 Folgen ich mir innerhalb von drei Tagen und Nächten durchgeguckt – bzw. durchgelitten habe. Sie basiert auf der spirituellen Annahme der japanischen Kultur, die von Todesgöttern Shinigamis (japanisch: 死神) ausgeht, die Seelen verstorbener Menschen, die noch an das Weltliche gebunden sind, ins Reich der Toten begleiten. Doch das, was die “Death Note”-Macher daraus gemacht haben, ist der Wahnsinn.

Eines Tages fliegt ein gelangweilter Shinigami namens Ryuk durch die Menschenwelt und beschließt, sich einen Spaß daraus zu machen, indem er sein Death Note, das er eigentlich dazu benutzt, um anderer Menschen Leben zu beenden, zu “verlieren” – und zwar genau in der Nähe des siebzehnjährigen Spitzenschülers Light Yagami, der ein junger Mann mit hoher Intelligenz und Gerechtigkeitssinn zu sein scheint. Als er eines nachts in seinem Zimmer die Macht dieses Notizbuches erkennt, gerät er in leidenschaftliche Rage für das Töten die Gerechtigkeit. Anfangs noch darauf erpicht, Japan von Schwerverbrechern zu befreien, erfasst ihn mit der Zeit der Größenwahnsinn – und er will die ganze Welt reinigen und tötet manchmal auch einfach nur, weil jemand seinem großen Ziel, die Welt zu säubern, im Wege steht.

Sein Vater ist Polizeiinspektor der japanischen Polizei und ermittelt gegen diesen mysteriösen Vollstrecker, der täglich bis zu 20-30 Verbrecher tötet. Er merkt nicht, dass er mit ihm unter einem Dach lebt. Die Verbrecher sterben plötzlich an Herzversagen (wenn Light die Todesursache nicht selbst wählt) und hinterlassen große Fragezeichen. Der geheime Top-Ermittler – genannt “L” – ist ein hochbegabter junger Mann im selben Alter von Light, der den ganzen Tag während seiner schweren Analyse- und Ermittlungsarbeiten Süßigkeiten, Kuchen und Haufen von Zuckerkram essen muss, um sein überaus aktives Gehirn zu versorgen. Light und L begegnen sich immer wieder und spüren von Anfang an, dass sie einander eine Gefahr sind, aber auch ebenbürtige Gegner, die nicht voneinander lassen können. Sie fangen an, den nächsten Schritt des Anderen bis ins kleinste Detail vorauszusagen, “Wenn-dann”-Schlussfolgerungen zu machen, ihrer unausschöpflichen Kombinatorik zu frönen – was ihnen und dem Zuschauer die Nerven zum Zerreißen spannt. Denn sie verstecken und verfolgen sich nicht physisch (vor)-einander – im Gegenteil, es entsteht sogar eine Art “Freundschaft” – sondern nur jeweils in ihren Gedanken, Prognosen über den anderen und den nächsten Schritten, die sie tun, um den anderen hinter’s Licht zu führen. Weiterlesen… »

Du kleine, dreckige Missgeburt. Du wirst niewieder so mit meiner Mutter reden. Na? Sitzt Du immernoch dort mit den Beamten und pisst Dir ins Höschen? Derweil habe ich mich schon mit Deinen Vorgesetzten unterhalten, die sich bei mir 10000 Mal entschuldigt haben.

Tatort Postfiliale. Vorhin geschah Folgendes.

Ich sitze am Tisch, hatte mich fett ausgebreitet – meine Gedankenkleckse flatschten schon auf die große Pappe. Ich war zufrieden. Das Telefon klingelt, ich gehe ran. Meine Mama war total aufgebracht:

“Ich gehe niewieder zur Post! Niewieder! Deine Pakete bringst Du selber weg, Sherry!” – wer Mama kennt, weiß, dass diese Art der Lautstärke bei ihr nicht Wut war, sondern ein blutendes Herz.

“Mama, was ist passiert?” – ich war schon wütend. Ich war schon wütend, bevor ich wusste, was passiert war.

“Ich war dort bei der Post” (so langsam hörte ich sie schluchzen) – “und wie Du sagtest, habe ich der Frau am Schalter die Adresse vom Päckchen gegeben, damit sie sie aufschreibt.” (Anmerkung: Ich hatte sie darum gebeten, die Adresse auf das Etikett aufschreiben zu lassen, weil ihre rechte Hand schmerzte und ich nicht wollte, dass das Päckchen sein Ziel nicht erreicht, nur weil die Schrift unlerserlich war)

“Und dann?”, atmete ich schwer. (So ist Sherry kurz vor der Explosion)
“Sie hat gesagt, ich soll deutsch lernen gehen. Ich soll deutsch lernen gehn’ oder jemanden finden, der das für mich tut und mir das aufschreibt, sie habe keine Zeit.” – (Ich knirschte mit den Zähnen) – Ich dachte, das sei alles gewesen, also legte ich schon auf, wollte mich anziehen und zur Post. “Ich fick’ die dreckige Missgeburt tot.”, hab’ ich nur gedacht.

Das Handy klingelte. Ich ging ran.

“Ja?”, rief ich rein.
“Warum legst Du auf? Ich war noch nicht fertig.” – Mama’s Stimme zitterte.
“Ist da nochwas gewesen?”, fragte ich wieder ruhig mit knirschenden Zähnen bis hin in mein Gehirn.

“Ja.”, sagte sie geknickt. “Ich bin zum anderen Schalter gegangen. Da war eine andere Frau. Und ich dachte, sie sei netter.” – Ich wurde wütend.

“Mama…”, ich hielt mich zurück.
“Ja, ich weiß. Ich hätte nicht mehr fragen müssen. Aber… Und sie hat genau das Selbe gesagt. Sie hat das Selbe gesagt und dann haben sie mich ausgelacht. Sie dachten, nur weil ich einen Akzent habe, sei ich dumm oder könne kein Deutsch. Sie haben gesagt, ich soll Deutsch lernen gehen.” (Ich hab’ nur gehofft, dass Papa das jetzt nicht mitbekommt.)

“WAS haben die gesagt, Mama?” – ich wurde ungehalten.
“Ja… Ich solle deutsch lernen gehen. Sie haben mich einfach ausgelacht. Ich verstehe das nicht, Sherry. Wieso sind die so?” – jetzt fing sie an, zu weinen.

“Mama!”, sagte ich hart.
“Mama, ich ziehe mich an. Ist meine Schwester da?”
“Ja, sie ist da. Sie zieht sich auch gerade an, sie will dahin.”
“Oke, wir gehen zusammen. Sag’ ihr das. Bin in 5 Minuten unten.”

Unten wartete meine Schwester schon auf mich. Sie war wütend, aber ich hatte schon Mordgedanken.

“Hast Du das Päckchen mit, Shasha?”, fragte ich.
“Ja, natürlich.”
“Super. Das schmeiß’ ich der noch in die Fresse.”

Wir gingen zielstrebig zur Filiale. Als wir ankamen am Schaltern, klatschte ich mein Päckchen drauf, füllte das Formblatt zum Aufkleben drauf und zahlte. Dann kam meine Frage:

“Wer bitte ist Frau W.? Können Sie sie mir bitte mal zeigen?”, fragte ich.

Die Dame am Schalter zeigte auf genau jene Fresse, die ich – seit ich sie bei der Post kenne – unerträglich fand. Ich wusste, dass es sich um diese Fresse handelte. Ich wusste es schon vorher und freute mich, es dieser Fresse zu zeigen. Dieser faschistischen Fresse, der die braune Scheiße schon aus der Nase rausquillt. Kalte Augen, durchdringend, gemein. Eine Falte unter’m fliehenden Kinn, die vor ein paar Monaten noch mit Fett gefüllt war. Die sonst käsige, picklige Haut war inzwischen sonnenbankgebräunt – die Pickel waren aber immernoch da. Sie war nicht mehr dick, aber ihre Konsistenz glich der einer Puddingwampe im Fall auf den Bordstein. Jedesmal, wenn sie irgendwo gegen stieß, hatte man das Gefühl, gleich “FLATSCH” zu hören. Sie war nicht auffällig hässlich, zumal ich solchen Attribute nicht einmal wirklich Beachtung schenkte, wenn Augen strahlen – aber bei ihr war es so, dass Ihr Äußeres ihre innere Hässlichkeit und ihren Armut unterstrich.

Ich ging auf sie zu und meinte:
“Frau W?” (Meine Schwester stand neben mir)
“Ja, bitte?”

Ich lächelte. Ich dachte nur: Da ist sie.
“Frau W. Sie haben meine Mutter beleidigt.”, sagte ich in hartem Ton.
“Ich habe Ihre Mutter nicht beleidigt.”, antwortete sie noch härter und wurde auch etwas lauter.
“Woher wisse Sie, von wem ich rede, Frau W.?”, fragte ich mit zugeneigtem Kopf. Die Leute standen noch in der Schlange.

“Ich möchte Kunden bedienen, gehen Sie bitte.”
“Ich bin eine Kundin, Frau W. Und ich gebe Ihnen 2 Tage Zeit, sich bei meiner Mutter schriftlich zu entschuldigen.”

Die Wampe wurde rot, wollte aber ein unterkühltes Verhalten an den Tag legen, sah einwenig schizophren und unglaubwürdig aus. Also schaute ich sie fest an und hob eine Augenbraue. Und gegen eine hochgehobene Augenbraue von mir sieht einfach jeder, wirklich jeder, ARM aus.

“Ich habe Ihre Mutter…”
“Stop! Sie sind jetzt ruhig. ICH sage Ihnen jetzt, was Sie alles getan haben.
“Blablabla”
“Ruhe, sagte ich. Wenn ich Sie unterbreche, bleiben Sie ruhig.” (Den Spruch habe ich gestern noch bei StudiVZ gelesen und habe ihn natürlich sofort – ganz unbewusst angewandt. Meine Stimme wurde laut, die Leute guckten, die andere Missgestalt, die meine Mutter das 2. Mal weggeschickt hatte, wollte einlenken.

“Hallo! Kann ich bitte Kunden bedienen?”
“Sie sind jetzt still. SIE und Kunden bedienen – dass ich nicht lache. Sie hatten vorhin die Möglichkeit, eine Kundin entsprechend zu bedienen, aber sie haben Sie rausgeekelt mit Ihrer rassistischen Beleidigung. Ich bleibe jetzt hier, und meine Lautstärke hängt von der Bereitschaft Fau W’s ab, mit mir zu reden. Ist das klar? Danke.”

Ich schaute wieder rüber zu Frau W., die im Begriff war, zu gehen.
“Abhauen geht nicht, Frau W. Sie bleiben jetzt hier und reden mit mir.”
“Ich tu’ gar nichts.”
“Doch, tun Sie. Sonst haben Sie a) die Polizei gleich am Hals, b) eine Anzeige wegen Beleidigung nach StGb § 185 und Folgende, c) haben Sie einen dicken Artikel in unserem Online Magazin am Hals, in der ich Postfiliale, Ihren Namen und Ihr rassistisches Verhalten veröffentlichen werde. Ist das klar?

Sie winkte ab, wollte völlig unbeeindruckt wirken, aber ihr wabbelndes Kinn zitterte jetzt noch mehr und ihre Augen wurden rot unterlaufen. Fettes Monster.

“Haben Sie mich verstanden, Frau W.?”
“Ich rede kein Wort mehr mit Ihnen.”
“Wie heißt Ihr Vorgesetzter?”, fragte ich laut und hart.
“ICH bin hier die Filialleiterin.”
“Umso besser, Frau W. Dann haben Sie ja noch mehr zu verlieren, als ich dachte. Ich will irgendeinen Vorgesetzten von Ihnen. Name, Adresse, Telefonnummer. Sie sind sicherlich nicht der Big Boss der Post AG.”

Sie schmiss mir eine Karte rüber, doch da war die normale DHL Hotline zu sehen.

“Verarschen lasse ich mich nicht, Frau W.”, sagte ich. “Ihren Vorgesetzten. Jetzt. Danke. Ich werde Sie auch wegen rassistischen Äußerungen vor Gericht ziehen, dass das klar ist. Die Post hat einen Ruf zu verlieren, wenn Sie sich nicht selber entschuldigen.”

“Ich entschuldige mich nicht! Gehen Sie raus.”, sie verzog sich in eine andere Ecke.

“Sie kommen jetzt zurück und reden mit mir. Ist_das_klar? Sie bewegen sich hier an den Schalter und betreuen eine Kundin oder ich rufe jetzt umgehend die Polizei.”

Sie glaubte mir nicht. Sie meinte, ich solle verschwinden. Ich nahm mein Handy aus der Tasche und sagte: “Sie haben jetzt noch die Möglichkeit, hierhin zu kommen und zu allem zu stehen, was Sie heute veranstaltet haben.” – Ihre dämliche Kollegin sah total geschockt aus. Ihr Gesichtsausdruck hat 1000 Gedanken entblößt, die ich sofort aufgegriffen habe.

“Natürlich gehören Sie dazu. Auch Sie werde ich anzeigen. Aber ich dachte, ich spreche erstmal Ihr Alpha-Männchen an, von dem Sie sich immer so gerne leiten lassen, Frau So und So.”

Frau W. wurde sauer. Sich dessen bewusst, dass egal, was sie tat, sie immer dieses Männliche, Grobe ausstrahlen würde und ich das auch noch zum Ausdruck brachte, machte sie fertig. Sie kam zurück zum Schalter, um mir nochmal zu sagen, ich solle verschwinden, sonst würde sie die Polizei rufen. Meine Schwester warf auch noch einige Dinge ein, aber ich weiß ehrlichgesagt nicht mehr was, denn ich war total auf sie konzentriert. Ich lachte, nahm mein Handy und rief die Polizei an.

“Polizei.”
“Ja, hallo. Wir haben ein Problem. Hier ist eine Dame, die meine Mutter rassistisch beleidigt hat. In der Postfiliale, Adresse, blah. Wir warten hier auf Sie, damit wir die Sache geklärt kriegen.”
“Oke, wir sind gleich da.”

Ich sah sie triumphierend an.
“Ups, ich war schneller, Frau W.”, sah ich sie fest an.
“Und Sie machen hier nicht zu, bis die Polizei da war. Feierabend gibt’s heute nicht so schnell.”

Meine Schwester und ich lachten. Wir gingen raus vor die Tür, weil wir die Polizei zuerst abfangen wollten. Ich rief Mama derweil an und sagte, was geschah. Sie musste plötzlich lachen und meinte “Ich komme gleich, ich bin immerhin die Betroffene.” – Mama und Polizei kamen zeitgleich an. Wir redeten mit den Beamten, ich rasselte sie voll, interpretierte ihre Gesetze (LOL) und erstattete Anzeige. Die seelische Missgestalt wollte die Tür zumachen, die Filiale schließen, als der Beamte laut sagte “Ey, wir sind noch nicht fertig. Wir kommen gleich zu Ihnen.”

Auf dem Rückweg waren wir sehr gut gelaunt. Sie wird mindestens 2 Wochen nicht schlafen können. Sehr gut möglich, dass unsere Anzeige von der Staatsanwaltschaft abgewiesen wird, weil sie zu “belanglos” ist, aber dennoch: Wir haben ihr ihren Tag gänzlich versaut, sie wird 2 Wochen darüber nachdenken, was denn jetzt passiert, wenn das vor Gericht geht. Ich habe zur Sicherheit vorhin noch bei der Post AG angerufen und habe den Fall geschildert. Ich habe gesagt, dass ich darauf verzichten möchte, eine Sammelklage zu organisieren, weil viele ausländische Menschen in unserer Siedlung schon beleidigt worden sind von ihr. Und ich habe ihm gesagt, dass ich in einem Magazin arbeite und darüber einen bösen Artikel schreiben muss, wenn da nichts geschieht – was mir sehr Leid tun würde, weil Sie ja eigentlich nichts dafür können, aber sich bitte darum zu bemühen haben, die richtige Auswahl ihrer Mitarbeiter zu treffen, denn immerhin agiert sie ja in Namen dieser Firma. Der Vorstand gab mir jedenfalls Recht und entschuldigte sich tausend Mal. Er meinte: “Wir werden uns darum kümmern, versprochen. Einmal bekommen Sie nochmal Post und die Filialleiterin der Stelle wird von uns hören. So geht das natürlich nicht.”

Ich war zufrieden, rief Mama an, erzählte ihr das und registrierte erleichtert, dass sie ganz vergnügt war. Sie meinte: “Ich bin so froh, dass ich solche Kinder habe. Ich bin so froh, dass Ihr nicht erlaubt, dass auch nur irgendwer ein Haar des Anderen krümmt…”

Ja, so ist es. Ab heute wird sie nicht nur nicht unfreundlich sein zu “Kanacken”, sondern jedem Einzelnen die Eier lutschen. Punkt. Seelische Missgeburt.