Sicherlich nerve ich mit dem Thema, aber ich habe etwas Interessantes gefunden. Bei den Recheren nach Studien und Analysen zu Geschlechterunterschieden finden sich manchmal Überschriften wie “Sind Frauen wirklich anders?” “Worin sich Frauen in kognitiven Fertigkeiten unterscheiden”, “Die Diskrepanz von Frau zum Mann”. Einige empirische Daten und Metaanalysen kommen durch Frauen zustande und beinhalten in ihrer Fragestellung solche Überschriften, in denen die Frau sich selbst als Diskrepanz zur Referenzquelle “Mann” sieht. Die Überschriften verändern sich interessanterweise im Laufe der Jahreszahlen. Und dennoch sagen mir diese Überschriften, die in wissenschaftlichen Abhandlungen den Kopf schmücken, dass die Frau als Abweichung angesehen wurde, als eine Anomalität neben dem Mann. Aber niemals der Mann selbst als Abweichung gesehen wurde, trotz seines höher ausgeprägten Aggressionspotenzials. Ist das nicht interessant?
Ach, wenn Herr Siegmund Freud doch heute noch leben würde, was würde ich ihn für seine Aussagen mit Fragen terrorisieren. Hier, aus einem amerikanischen Lehrbuch zum Thema Geschlechterunterschiede (Ich erwähne “amerikanisch”, weil sie lockerer schreiben, nicht so extrem sachlich und verdichtet mit Informationen). Ich habe mir aus den Darstellungen alter Perspektiven einmal die Psychoanalytische herausgeholt. Freud ist mir aus irgendeinem Grund immer noch sympathisch, aber was er manchmal von sich gegeben hat, ist der Hammer. Hammer im negativen Sinne. Hammer wie Buff:
“[…] Erinnern Sie sich daran, dass der Junge in der phallischen Phase wahrscheinlich ein starkes Verlangen nach seiner Mutter entwickelt und als Resultat davon danach trachtet, an die Stelle seines Vaters zu treten. Da der Vater jedoch viel größer und stärker ist, hat der Junge Angst vor Vergeltung – d.h., Papa wird ihn dafür kastrieren, dass er Mama begehrt. Diese Kastrationsangst wird nach Freud geschürt durch a) die Wichtigkeit seines Penis, um Vergnügen zu empfinden; b) Drohungen seiner Eltern, was Masturbation angeht; und c) die Tatsache, dass er feststellt, dass Mädchen dieses hoch geschätzte Anhängsel nicht haben und deshalb ja wohl schon wegen einer verheerenden Missetat kastriert worden sind. Um mit dieser überwältigenden Angst umzugehen, identifiziert sich der Junge mit dem Vater und übernimmt so dessen Persönlichkeitszüge, während er obendrein indirekt im Stande ist, durch die Erfahrungen seines Vaters auch seine Mutter zu besitzen. Die Lösung dieser Ödipuskrise führt dazu, dass Jungen ‘männliche’ Wesenszüge in ihre Persönlichkeit aufnehmen, einschließlich Ethik- und Moralverhalten der Eltern, was in der Entwicklung des Über-Ich (Gewissen) resultiert. Weiterlesen… »
Dreihundertundachtzig Tage sind wir hier. Du siehst die Veränderungen in und an uns. Und du denkst noch immer, wir seien gewappnet gegen die Spuren der Zeit? Vielleicht solltest du aufwachen, oder vielleicht auch nicht, ich weiß es nicht. Dir scheint es in deiner Unbekümmertheit offensichtlich besser zu gehen, ewig besser zu gehen als mir. Wie ich das hasse. Dreihundertundachtzig Tage, und ich denke mir, wir sollten getrennte Wege gehen, weil wir sie schon immer gegangen sind, nur nicht offiziell, und ich will es endlich greifbar echt haben, damit ich raus kann, atmen und wieder auf eine Zukunft hoffen kann. Es langweilt mich, hier zu sitzen, deinen Geschichten zu lauschen, dabei interessiert zu tun und aufmerksam und eine Art sanftmütige Mütterlichkeit auszustrahlen. Was interessieren mich gezüchtete Kampfhähne? Das ist öde. Und hätte ich noch einen Funken Menschlichkeit in mir, würde ich sogar empört darüber sein. Dreihundertachtundachtzig Tage, und hundertneunzig davon habe ich alles versucht, um mich dir zu verwehren. Deine halbgare Lust widert mich an, deine programmatisch ablaufenden Handlungen, um mich rumzukriegen, lassen mich denken, ich habe es mit einem Einzeller zu tun, der in kleinschrittigen Instinkthandlungen agiert, alles tut, nur nicht denkt – geschweige denn es fantasievoll tut. Was bist du nur. Ein Parasit, der sich in ein menschliches Skelett eingenistet und die Steuerung des Großhirns übernommen hat, ja, so kommst du mir vor. Ich schlafe nicht mit Parasiten. Geh’ ins Rotlicht, lass mich das meinetwegen zahlen, ich würde es tun. Ich werde dich verlassen, die Anzahl der Tage nicht mehr überschreiten. Drehundertundachtzig. Unerträglich. Weiterlesen… »
Zu Weihnachten und zum neuen Jahr möchte ich euch ein paar Worte hinterlassen, aber es sind nicht meine eigenen, denn ich finde keine. Es sind dafür jene von Little Bee, einem nigerianischen Mädchen aus dem Roman von Chris Cleave – und ich finde, sie haben mit Weihnachten zu tun, ja. Und damit, dass wir Weihnachten so feiern, wie wir es feiern, prunkvoll, warm, heimelig und schön glitzernd. Und sie haben mit dem neuen Jahr zu tun und was es für uns bedeutet. Nämlich unsere Zukunft. Wir feiern unsere Zukunft, den ersten Tag von einer Zukunft, die besser sein wird als unsere Gegenwart. Deshalb möchte ich euch sagen, was Little Bee über die Freiheit und die Zukunft zu erzählen hat. Auf geht’s. Ich tippe nun ab:
“[...] Ein Hund muss ein Hund sein und ein Wolf ein Wolf – so lautet ein Sprichwort bei mir zu Hause. Eigentlich sagen wir das gar nicht bei mir zu Hause. Warum sollten wir ein Sprichwort über Wölfe haben? Bei uns gibt es zweihundert Sprichwörter über Affen und dreihundert über Cassava. Wir sagen Kluges über die Dinge, die wir kennen. Aber mir ist aufgefallen, dass ich in eurem Land alles sagen kann, solange ich hinzufüge: So lautet ein Sprichwort bei mir zu Hause. Dann nicken die Leute und schauen ernst drein. Es ist ein guter Trick. Für Sarah ist Freiheit eine lange Zukunft, in der sie das Leben ihrer Wahl leben kann. Ein Hund muss ein Hund sein und ein Wolf ein Wolf und eine Biene eine Biene. Für ein Mädchen wie mich bedeutet Freiheit, einen Tag nach dem anderen lebend zu überstehen.
Die Zukunft ist noch eine andere Sache, die ich den Mädchen bei mir zu Hause erklären müsste. Die Zukunft ist der wichtigste Exportartikel meines Landes. Sie verschwindet so schnell über unsere Seehäfen, dass die meisten meiner Leute sie nicht kennen und gar nicht wissen, wie sie aussieht. In meinem Land besteht die Zukunft aus Goldnuggets, die in den Felsen versteckt sind, oder sie liegt in dunklen Reservoirs tief unter der Erde. Unsere Zukunft verbirgt sich vor dem Licht, aber eure Leute kommen zu uns mit dem Talent, sie ausfindig zu machen. Auf diese Weise wird unsere Zukunft Stück für Stück zu eurer Zukunft. Ich bewundere eure Zauberkunst, weil sie so subtil und vielfältig ist. In jeder Generation ist der Förderprozess anders. Es stimmt, dass wir naiv sind. In meinem Dorf waren wir beispielsweise überrascht, dass man die Zukunft in 42-Gallonen-Fässer pumpen und in eine Raffinerie abtransportieren kann. Weiterlesen… »
Ich erlebe immer wieder, wie junge Frauen zu Vollstreckerinnen männlicher Angst werden. Männlicher Regeln, männlicher Wertvorstellungen, männlicher Macht. Wie ich es hasse, wenn Frauen schadenfroh irgendwo sagen: “Ja, das da, das ist eine Schlampe. Sie hatte schon drei oder vier oder fünf Typen im Bett gehabt.” Ich meine, was haben sie davon? Es auch noch laut rauszuposaunen, damit auch jeder Mann ihren Wert sieht? Bemerkt, dass sie – die, die das hier sagt – anders ist als all die “Schlampen”? Ich hasse es, diese Frauen dabei zu erwischen, wie sie die kranke, angstvolle Saat patriarchalicher Gedanken weiter leben und verbreiten, sie mit resistent gegen soziale Evolution machen. Ich hasse es, dass sie – anstatt sich für genau jene abgegrenzten und vielleicht auch so schon selbstverachtenden Frauen einzusetzen – auch noch im selben O-Ton von einigen Männern mitsingen und mitstampfen. Ich schäme mich dafür, und wie. Und das ist überall in der Welt zu finden. Überall werden wir Frauen zu Verräterinnen unserer Natur und Schönheit, unserer Verbindung zueinander, unserer Intuition und unseres Einfühlungsvermögen.
Hier sind es die Mütter, die ihren Töchtern die Kopftücher überzwängen (nicht bei allen ist das so, aber es gibt mehr als genug davon), weil das so ist, weil das schon immer so war, und weil man(n) sagt, das sei rein, das sei ein Zeichen für Anstand. In afrikanischen Stämmen sind es die Großmütter, die ihren Töchtern die Klitoris und die inneren Schamlippen wegschneiden und ihre Vagina zunähen, die dann in der Hochzeitsnacht auf eine Art geöffnet wird, die wir uns nicht vorstellen können. Hier, in unserer “liberalen” Gesellschaft sind es die Mädchen und jungen Frauen, die aus Freude darüber, selbst nicht in ihrer völlig natürlichen Lust erwischt worden zu sein, den Fokus auf andere Frauen lenken und draufhauen, um sich an den “Bitches” selbst vor anderen Jungs und Männern aufwerten zu können. “Schaut her, meine Hardware ist astrein”, scheinen sie damit sagen zu wollen. “Oh wow”, denke ich nur. “Glückwunsch, dass du dich nach den selben Kriterien aufwertest, wie Männer es tun, wenn sie uns als Ersatz für Ehre, Sexpüppchen, whatever sehen.” Mich widert das an. Wir sollten einander schützen vor solchen Regeln, nicht auch noch gegenseitig der Scheiße ausliefern.