Posts Tagged ‘Musik’

Manchmal sind Youtube Vorschaubilder so unansehnlich, dass man sie hier nicht auf die Menschheit loslassen kann. Also gibt’s nur einen Klickhinweis auf das Video: Click: Jazemine Sullivan – Bust Your Windows

Ich hatte Träume von dir. Träume von dir, wie du im Weltall neben all den Sternen und Planeten tanzen würdest, wie du sie an Schönheit überbieten und doch neckend lieben würdest. Wärst du, ja wärst du heil, unangetastet und gepflegt worden in deiner Wildheit und Ursprünglichkeit, dann wäre mein Traum wahr geworden. Was wäre aus dir geworden? Was wäre mit dir in dieser Glückseligkeit auch aus uns geworden? Wie würdest du heute in Grün, Blau, Weiß und Unendlich-Farben strahlen, ganz ohne Amputationen deiner Lebenswelten, hättest du uns nur zu der Spezies erziehen können, die wir sein sollten, um dich lieben und schätzen zu können, um dich pflegen und ehren zu können – oder hättest du uns einfach nur ausgelöscht und diese nutzlose, destruktive Spezies in seine Schranken gewiesen und Neue erschaffen? Neue, die sich von dir ernähren, wie das Säugling an der Brust seiner Mutter, ohne diese Brust zu zerbeißen und zu zerstören, so wie wir es tun, seit wir existieren.

Damals, als ich ein sehr junges Mädchen war, war ich vollkommen davon überzeugt, Musik sei die Lösung all unserer Probleme. Keine Religion, keine Strafen, keine Drohungen, keine Kriege, keine Gefängnisse – sondern eine einzige universelle Melodie, die wir alle im selben Augenblick hören und erkennen würden. Im selben Augenblick der Empfänglichkeit, die der einer Frau gleicht, die Leben in ihr Schoß lassen will, die Musik in uns einverleiben und dann aus-leben würden. Was die Nachricht wäre? So genau kann ich dir das nicht sagen. Aber wenn es etwas gibt, das sie ausdrücken könnte, wäre es das abstrahierende Wort Liebe. Was hieße diese Liebe? Romeo und Julia, Leyli und Majnoon, Regina und ihr erster Freund? Nein, das nicht. Es gehörte dazu, aber es wäre nicht nur diese Art von Liebe, die ich meine, die ausreichen würde, um dir und uns all das zu ersparen, was wir dir und uns antun.

Die Nachricht hätte uns beigebracht, uns erkennen lassen, dass – egal, wem wir weh tun, wen wir ausrauben, wen wir schädigen, wen wir töten, wen wir ignorieren, wen wir krankmachen, wen wir bekämpfen – es immer, immer, ausnahmslos zu uns zurückkommen wird. Dass die Natur, die Mutter Erde, Lebewesen und menschliche Gemüter immer nach Ausgleich, nach einer Gegenregulation suchen werden, um sich zu holen, was man ihnen genommen hat. Nur so, nur so entstehen Kriege, nur so entstehen Naturkatastrophen, nur so. Nur so entstehen neue Krankheiten. Und nur so wird vielleicht nicht der Täter direkt selbst zum Opfer, aber vielleicht seine Kinder und seine Kindeskinder. Nur so ist der Täter nicht immer nur Täter gewesen, sondern war einst selbst ein Opfer. Was auch immer wir in diese Welt entsenden, es kommt früher oder später zu uns zurück. Wenn nicht auf dem Niveau elitärer, hochgestochener (juristischer) Moraltheorien, wie sie in unseren Philosophien und Rechtssystemen besteht, so dann nach den Gesetzen der Selbstregulation von Mutter Natur und dem menschlichen Geist und Körper: der Homöostase. Das ist ein Naturgesetz, keine Illusion und Konzeption von menschlichen Projektionen von Gut und Böse. Es ist eine natürliche Konsequenz, gut mit einer Gleichung zu formalisieren, davon bin ich überzeugt. Davon bin ich überzeugt. Weiterlesen… »

Wenn ich noch einen Wunsch frei hätte, dann den, dass du uns dieses Lied eine Ewigkeit lang vorsingst. Ich habe versucht, es zu übersetzen. Noch habe ich keine Worte auf Deutsch gefunden, die all das erzeugen können, was eine Zeile auf Persisch einem antun kann. Ich weiß jetzt, warum mein Herz gespalten ist. Weil ich mit zwei Sprachen aufgewachsen bin, die unterschiedlicher nicht sein können, obwohl sie beide der selben Sprachfamilie angehören. Ich werde es bald mit der Übersetzung noch einmal versuchen und hoffe, ich werde dieser Sprache gerecht. Bis dahin versteht ihr vielleicht selbst, ganz mit der Seele, ganz mit den Wellen…

16.04.2011, 08:50
Wandlungen

Es ist wieder soweit. Ich habe angefangen, dieses Lied samt Video zu gucken und bin seit gestern darauf hängengeblieben. Nach einer ausgiebigen Playlist (s.u.) mit wunderbaren Songs, von denen ich einfach forderte, dass sie meine verhärteten Stresssymtome aufweichen, mit ihren melodischen positiven Strahlenarmen durch meine Wand eindringen, bin ich bei ihm hängen geblieben. Bei Udo Jürgens und seinem Song “Chérie”. Bitte lacht mich nicht aus, denn dass ich dieses Lied so liebe, hat nichts damit zu tun, dass er für “Chérie” singt.

Mir wird bei diesem Video nur bewusst, wie sehr wir – wie sehr die Musik – sich verändert hat. Wie sehr die Schlüsselreize für die Masse sich in die damals noch unbedeutende Peripherie verschoben haben. Das perfekte Video ist heute am wichtigsten. Gute Choreografen sind ein Muss. Die besten Videofilter für makellose Gesichts- und Körperhaut ist obligatorisch, die Übermalung von menschlichen Zügen sind unverzichtbar, damit die Stars einmal entpersonalisiert und ersetzbar gemacht werden, aber dennoch anbetungswürdig und unwirklich wirken. Kein Gramm darf man zuviel haben, die Brüste einer Sängerin müssen prall und rund sein, die Muskeln eines Sängers 3-D-gleich ausdefiniert. Was in die Peripherie gerückt ist, ist die Stimme, die einzigartige Persönlichkeit, die Art und Weise, wie ein Künstler singt, weil er ganz individuell leidet und Glück empfindet. Weil er eine ganz andere, aber doch ähnliche Lebensgeschichte hat wie wir. Dafür gibt’s den guten Tontechniker, der sich seit dem neuen Trend der unpersönlichen Stars nun selbst verarschen muss, um sein Geld zu verdienen. Er hat sich damit abgefunden, dass er keine genialen Orchester-Arrangements mehr zaubern muss, selber künstlerisch und feinhörig tätig sein darf, sondern die schiefen Töne von irgendeiner austauschbaren, traurig ausgenutzten kleinen “Sängerin” oder irgendeiner nichtssagenden, brustepilierten Boyband digitalisieren und zurechtrücken muss, damit alles so sitzt, wie es der dicke Produzent fordert.

Die Musikbranche gehörte damals schon zu der harten und dreckigen Branche. Doch in Relation zu heute, haben sich Stars ohne ihre Produzenten noch gehalten, weil sie in ihren Auftritten geschwitzt haben, ihre Stimme der Realität ausgesetzt haben und auch mal versagt haben. Weil sie Lieder nicht gleich sangen, sondern jedesmal anders, so dass man fühlen konnte, wie sie sich fühlen und dass sie sich dieses Mal anders fühlen. Sie haben gekackt und gepinkelt – und alle wussten es und verehrten sie dennoch. Sie haben ihre Existenzberechtigung als Künstler daraus gezogen, dass sie tatsächlich sangen, selbst komponierten und ihre Texte schrieben. Sie waren menschlich, sie haben uns an-ge-se-hen, so wie wir sie angesehen haben. Alle zwei bis drei Jahre entdeckten wir bei ihnen die neuen Lebensfalten im Gesicht, die wir auch bei uns entdeckten und liebten sie dafür umso mehr, weil sie zusammen mit uns – wirklich mit uns – erwachsen wurden, alterten und ein echtes Leben lebten. Weiterlesen… »

04.10.2010, 12:18
Von viel zu noch soviel mehr

Ich frage mich oft, woran es liegt, dass ich zwar den Drang, zu schreiben, verspüre, aber der gedankliche und emotionale Fluss der Freiheit mich nicht mehr mitreißt. Hat es damit zu tun, dass ich aus dem Chaos meiner inneren Welt einfach nichts greifen kann, das nicht sofort wie Wasser oder fein-rieselnder Sand aus meinen Händen siebt? Oder liegt es daran, dass ich große Ereignisse und gigantische Momente des Glücks und der Trauer nicht mehr wage, in Worte zu fügen? Oder dann doch daran, dass ich mich, mein Leben und das meiner Umgebung in Anbetracht dessen, was überall auf der Welt passiert (ach, was ist schon die Welt! Das Universum!), einfach nicht mehr ernstnehmen kann?

Wie – so frage ich mich – findet man, wenn man einmal seinen Egozentrismus soweit wie jetzt verloren hat, je wieder zu sich und seiner kleinen Welt zurück? Wie kann ich an die traurigen Gefühle von mir denken, ohne nicht zeitgleich an irgendwelche hormonellen und chemischen Vorgänge im Gehirn zu denken, die dieses Gefühl der Depression oder Euphorie verursacht zu haben (Oder sind sie doch nur eine Folge?)? Und wie schaffe ich es, nicht auch daran zu denken, welches Psychopharmaka Besonderheiten, Ausuferungen oder Defizite unserer Gefühlswelt, die als pathologisch empfunden werden, wieder regulieren kann? Und wie kann ich verhindern, dass ich diese kleinen Pillen bewundere und verachte zugleich, indem ich in meinen zählenden Gedanken auch noch die Nebenwirkungen aufliste? Wieso verliert man sich in sinkende Wertlosigkeit und Unwichtigkeit, wenn man sich wissenschaftlich mit den Themen auseinandersetzt? Und warum dann wieder in eine euphorische Gänsehautstimmung, wenn man dieses unglaublich präzise Gleichgewicht im- und außerhalb des Körpers beobachtet? Wieso neigt man dazu, über die Möglichkeit der Existenz eines Gottes zu lachen (immer dann, wenn ich meine, darüber staunen zu müssen, wie Menschen es schaffen, solche Erkenntnisse zu erringen) und im nächsten Augenblick kopfschüttelnd und über alles hinaus würdigend keine andere Erklärung für dieses Wunderwerk finden zu können (oder auch zu wollen), als eben einen intelligenten Schöpfer? Warum bin ich so unwichtig, seit ich uns – den Menschen – studiere? Und warum bin ich über alle Maßen fasziniert von unserer Konstruktion und der fragilen Zusammenspiele, die uns zu dem machen, was wir sind? – Ich weiß es nicht.

Ich kann nicht mehr schreiben. Worüber denn? Was gestern passiert ist? Was heute passiert? Was gerade passiert? Was ich denke, was passieren wird in meinem unwichtigen Leben mit all seinen Großartigkeiten, Pannen, Trauerspielen und Glücksmomenten, die – gut geclustert zusammengefasst – sich kaum vom Leben der anderen unterscheiden würde? Aber sagen wir, ich würde all das niederschreiben: Was hat das alles überhaupt zu bedeuten? Was bewirke ich damit? Werde ich durch die Bedeutung, die ich mir dabei verleihe, größer? (Ja, werde ich in der Tat – nämlich für mich selbst – und das ist wichtig!).

Okay. Ich weiß Bescheid. Ich muss mir jetzt dienen. Ich – als Mensch wie Du auch – neige erwiesenermaßen dazu, meinem Leben einen Sinn zu verleihen und werde es jetzt tun. Nach dieser unerträglichen Einleitung von Warums- und –Weshalbs fange ich an, fange ich an, fange ich an, meine Schreibblockade zu zerbrechen, indem ich zurück zu meinem Zentrum komme – zu meinem Ego-Zentrum – und mir einbilde, Euch und die ganze Welt interessiere es, was in mir vorgeht. Fangen wir an: Weiterlesen… »

24.05.2010, 00:39
Bahar

Du bist unglaublich, Frau… Hör’ nie auf damit.