Es ist zwecklos, meinen Traum auch nur annähernd beschreiben zu wollen, es wird mir nicht gelingen, es wird ihn verändern, es wird ihn banalisieren. Und doch will ich es versuchen, er ist zu kostbar, um ihn nur für mich zu behalten. Ich bin direkt aus dem Bett wie in Trance hierhin gekommen, um zu teilen, was ich sah. Bevor ich das Gefühl für Realität wieder erlange.
Leoparde saßen da. Ein wissendes Paar. Waren sie Geschwister oder Liebende? Sie waren beides. Ihrem Fell konnte ich als Beobachterin ganz nah kommen. Roch an ihrer Macht und empfing als Antwort nur ihre Sanftmut. Sie schienen zu wissen, wer sie sind. Und sie schienen zu wissen, dass sie alles sind. Sie waren satt, denn jagen wollten sie nicht. Sie waren intelligent, denn die Natur verändern, das wollten sie nicht. Die Tiere, die sie gejagt hatten, fühlten ihr Leben nicht umsonst in ihren säursprühenden Mägen zu Ende gehen. Das kleine Reh, das sie ab und an entwischen ließen, war die von uns verstandene Wohltat, das Spenden, um der Erde für ihre Vielfalt zu danken. Und der Mutter ihr Kleines zu lassen.
Sie schauten in die Ferne. Die weibliche Suchende, der männliche Wollende. Und doch, ihre Seelen waren gezähmt. Trotz ihrer Zähne und den umrahmten Augen, waren sie nicht so, wie wir sie sonst sahen, wenn wir sie aus den Augen eines Menschen betrachteten. Sie waren sanft, gezähmt und Zähmende. Ich ging ganz nah zu ihnen, ließ mein Gesicht in ihr weiches Fell reintauchen, roch an ihnen, weinte vor Liebe. Ein Leben aus Wärme und Sonnengold war ihr Fell. Die schwarzen Flecken, das waren kleine Streichler, sie umlauerten diese spirituellen Jäger und küssten sie, liebten sie, wollten sie für sich selbst und doch der Welt ihre Schönheit nicht verwehren. Jeder sollte wissen, wie gut die Mutter Erde zu allen war. Wie gut es war, zu sein, wer man war. Zu tun, was man tat, zu wollen, was man wollte, zu finden, was man suchte. Die Suchende legte ihr Gesicht in den Hals des Wollenden. Sie roch an ihm, wie ich an ihnen. Sie beobachteten in einem Gefühl vollkommener Freiheit die feuerrote Sonne beim untergehen und verharrten in der Stellung, bis sie wieder aufging. Sie nahmen mich wahr, reagierten aber nicht. So, als sei es immer so gewesen, dass ich – eine Fremde – mich an ihnen labte wie jemand, der Nahrung und Erkenntnis suchte.
Und trotzdem meldete sich mein Verstand. Was ich vorher wusste, wusste ich wieder nicht. Plötzlich doch nicht sicher, ob sie mich sahen oder nicht, pirschte ich auf allen Vieren vorsichtig vor ihre Füße und sah zu ihnen hinauf. Ihre Brust und ihre Hälse waren wie die einer Pharaonin, die stolz regierte. Ihr nach oben geneigtes Gesicht, zeichnete sie zu natürlichen Herrschern aus, doch sie empfanden keine Arroganz und nicht den Wunsch, zu degradieren, um zu herrschen. Denn sie waren, wer sie waren, und nichts mussten sie beweisen. Und niemandem mussten sie Rechenschaft ablegen. Und doch, da schien ein Bedauern in ihnen zu sein. Ein Bedauern darüber, dass sie stärker waren und ihrer Stärke von Menschen mit Furcht begegnet wurde. Ich kniete vor ihnen nieder und ließ meinen Kopf sinken. Ich wollte ihn tief in die Erde vor ihre Füße drücken, ihnen sagen, ich wolle von ihnen gefressen werden. Ich flüsterte ein Gebet, und das Ende dieses Gebetes war “Möge ich euch schmecken …” Doch sie bemerkten mich nicht, und wenn, so wollten sie mein Opfer nicht annehmen. Und ich wiederholte mein Gebet, und das Ende dieses Gebetes war wieder “Möge ich euch schmecken. Denn ich will ein Teil von euch sein. Ein Teil von euch. Gewährt es mir. Bitte …” Weiterlesen… »
Ich hatte Träume von dir. Träume von dir, wie du im Weltall neben all den Sternen und Planeten tanzen würdest, wie du sie an Schönheit überbieten und doch neckend lieben würdest. Wärst du, ja wärst du heil, unangetastet und gepflegt worden in deiner Wildheit und Ursprünglichkeit, dann wäre mein Traum wahr geworden. Was wäre aus dir geworden? Was wäre mit dir in dieser Glückseligkeit auch aus uns geworden? Wie würdest du heute in Grün, Blau, Weiß und Unendlich-Farben strahlen, ganz ohne Amputationen deiner Lebenswelten, hättest du uns nur zu der Spezies erziehen können, die wir sein sollten, um dich lieben und schätzen zu können, um dich pflegen und ehren zu können – oder hättest du uns einfach nur ausgelöscht und diese nutzlose, destruktive Spezies in seine Schranken gewiesen und Neue erschaffen? Neue, die sich von dir ernähren, wie das Säugling an der Brust seiner Mutter, ohne diese Brust zu zerbeißen und zu zerstören, so wie wir es tun, seit wir existieren.
Damals, als ich ein sehr junges Mädchen war, war ich vollkommen davon überzeugt, Musik sei die Lösung all unserer Probleme. Keine Religion, keine Strafen, keine Drohungen, keine Kriege, keine Gefängnisse – sondern eine einzige universelle Melodie, die wir alle im selben Augenblick hören und erkennen würden. Im selben Augenblick der Empfänglichkeit, die der einer Frau gleicht, die Leben in ihr Schoß lassen will, die Musik in uns einverleiben und dann aus-leben würden. Was die Nachricht wäre? So genau kann ich dir das nicht sagen. Aber wenn es etwas gibt, das sie ausdrücken könnte, wäre es das abstrahierende Wort Liebe. Was hieße diese Liebe? Romeo und Julia, Leyli und Majnoon, Regina und ihr erster Freund? Nein, das nicht. Es gehörte dazu, aber es wäre nicht nur diese Art von Liebe, die ich meine, die ausreichen würde, um dir und uns all das zu ersparen, was wir dir und uns antun.
Die Nachricht hätte uns beigebracht, uns erkennen lassen, dass – egal, wem wir weh tun, wen wir ausrauben, wen wir schädigen, wen wir töten, wen wir ignorieren, wen wir krankmachen, wen wir bekämpfen – es immer, immer, ausnahmslos zu uns zurückkommen wird. Dass die Natur, die Mutter Erde, Lebewesen und menschliche Gemüter immer nach Ausgleich, nach einer Gegenregulation suchen werden, um sich zu holen, was man ihnen genommen hat. Nur so, nur so entstehen Kriege, nur so entstehen Naturkatastrophen, nur so. Nur so entstehen neue Krankheiten. Und nur so wird vielleicht nicht der Täter direkt selbst zum Opfer, aber vielleicht seine Kinder und seine Kindeskinder. Nur so ist der Täter nicht immer nur Täter gewesen, sondern war einst selbst ein Opfer. Was auch immer wir in diese Welt entsenden, es kommt früher oder später zu uns zurück. Wenn nicht auf dem Niveau elitärer, hochgestochener (juristischer) Moraltheorien, wie sie in unseren Philosophien und Rechtssystemen besteht, so dann nach den Gesetzen der Selbstregulation von Mutter Natur und dem menschlichen Geist und Körper: der Homöostase. Das ist ein Naturgesetz, keine Illusion und Konzeption von menschlichen Projektionen von Gut und Böse. Es ist eine natürliche Konsequenz, gut mit einer Gleichung zu formalisieren, davon bin ich überzeugt. Davon bin ich überzeugt. Weiterlesen… »
Letzte Nacht träumte ich einen Traum, den ich mit Euch teilen will. Ich kam an einen Ort an, den ich nicht anders als paradiesisch nennen kann. Mitten in einer Szenerie eines türkis-blauen Meer-Sees mit einem starken Wasserfall und einer Atemluft, bei der ich das Gefühl hatte, ich könne aufgrund ihrer Reinheit abheben. Umrahmt vom Grün der Büsche und der exotischen Bäume, großen, schönen Blüten, Früchte und sorglosen Tiere, fühlte ich eine Ergriffenheit, die ich kaum beschreiben kann. Ich stand machtlos gegenüber dieser Schönheit da, betrachtete dieses Kunstwerk, das sich ständig durch die Geburt neuer Flora und Fauna selber erschuf und dachte nur daran, wo denn meine Kamera sei, ich müsse all das doch irgendwie festhalten, konservieren wie ein lebloses Gebilde. Als ich sie suchte und nicht fand, tastete ich mich zu meiner Tasche und suchte nach meinem Handy. Ich holte es hastig raus und sah, ich habe keinen Empfang. Angst stieg in mir auf, mein Herz setzte kurz aus. Das Wissen, dass ich hier ganz alleine war und niemand mich mit dem Auto finden und abholen würde, weil es nicht einmal einen Straßennamen oder Ortsnamen gab, machte mich hektisch. Also suchte ich nach meinem Navigationssystem. Die GPS Koordinaten müssten doch drauf sein und es würde mich schon irgendwie zurück in die Geborgenheit bringen: Zurück in die Stadt. Doch ich fand es nicht. In meiner anderen Tasche kramte ich hastig mein Notebook raus und hoffte auf Internetempfang. Eine SOS Email könnte ich ja schicken, Peyman per Facebook benachrichtigen und ihm sagen, in was für einer lebensbedrohlichen Lage ich doch war, ihm aufgeregt erzählen, dass ich mitten in einem Paradies stehe, ohne nichts, ohne Verbindung, ohne den Weg nach Hause und was noch schlimmer war: Mit mir allein! Achwas, ich würde diese Eilmeldung gleich in meinen Status schreiben, damit alle Bescheid wüssten. Damit die Wahrscheinlichkeit steigen würde, dass sich gleich die ersten Leute auf den Weg machen würden in diese gottverlassene Gegend ohne nichts als Bäumen, Blumen, Seen und Ruhe.
Mein Herz raste. Alles, was im ersten Augenblick majestätisch schön war, war nun grässlich bedrohlich. Das Wasser im Meeres-See wurde plötzlich zum reißenden Meer. Fremdartige, tentakelgleiche Tiere würden gleich mit ihren tausend Krallen rausspinksen und mich anvisieren. Unfassbar gefährliche Tiefseekreaturen, hässliche Aale, windige Haie, die meine Angst rochen – all diese Kreaturen würden mich einfangen und fressen wollen, so wie wir Menschen es immer taten. Hinter mir spaltete sich lautlos die Erde und Treppen taten sich auf, die leider nur noch unten führten, nicht nach oben. Also raste ich sie runter, in der Hoffnung, irgendwann doch bald auf eine Autobahn zu treffen, auf Züge, Bahnen, Lärm und zu große Menschenmassen – alles soviel weniger bedrohlich als diese Idylle von Natur. Natur. Oder Natur-Gewalt. Weiterlesen… »