Diese sterbende Diva habe ich in der Nähe unserer Haustüre gefunden. Sie kämpfte sich durch Gestrüpp ihren eigenen Weg in die Aufmerksamkeit von Wesen, die ihre Schönheit zu schätzen wissen. Sie hat soviel Kraft dafür aufgebraucht, um diesen einen Augenblick von Ruhm zu erleben, dass sie sehr müde aussah – aber dafür umso schöner, stolzer und erleichterter, als sie merkte, dass ich mich in sie verliebte und ihre Schönheit festzuhalten suchte. Ihre Farben waren blass und sie war müde von ihrem eigenen Traum. Deshalb habe ich mir erlaubt, ihren Ruhm und Glanz wie den der alten Diven in Schwarz-Weiß abzulichten. Ich liebe dieses Foto. Es bedeutet mir etwas. Aus irgendeinem Grund war ich zutiefst berührt, als ich sie ansah. Auch, wenn es vielen gewöhnungsbedürftig erscheinen dürfte, Blumen in Schwarz-Weiß zu bewundern. Ich hoffe, ihr liebt sie genauso wie ich. Ich hoffe, Ihr seht sie so, wie ich sie sehe.

Nachträglich hinzugefügt: Ich habe sie mit in das Profjekt 50f reingenommen. Gestern, beim Durchlesen der Wortliste sprang mir “Gefühlt” entgegen. Und obwohl meine Grundidee zu diesem Wort als Fotografie eine andere war, passte diese Diva besser für mich rein. Denn als ich sie entdeckt hatte, habe ich sie tatsächlich gefühlt.