Posts Tagged ‘Peyman’
26.04.2011, 23:10
Angstkreise

Manchmal ist das so. Ich denke an den ersten Augenblick, in dem ich mein eigenes Baby in meinen Armen wiege und sein unschuldiges Gesicht an meiner Brust sehe. Es atmet ruhig und schläft. Hat seine kleinen Fäustchen fest im Griff und träumt, was auch immer es träumen kann. Dann wird mir klar, dass es mir sehr ähnlich sieht – und vermutlich auch ähnlich ist. Ich weine. Vor Glück, aber gleich danach aus Trauer und Sorge. Der Grund ist keine allgemeine Sorge um das Wohlbefinden meines Babys oder die Panik, die einen überfraut, wenn man sich der Tragweite des Mutterseins und der ganzen Verantwortung bewusst wird, sondern viel eher frage ich mich, wie dieses Kind es schaffen soll, glücklich und ohne größere Verletzungen durch die Welt zu gedeihen. Ich will nicht, dass mein Kind irdische Schmerzen erleidet. Nicht einmal den Kleinsten. Aber ich würde mich mit den kleinen Schmerzen zufriedengeben, sie noch hinnehmen für diesen kleinen Engel, diesen unschuldigen, schmatzenden, schlafenden Engel, der mein Herz erfüllt und in Angst erzittern lässt – in nur einem Atemzug. Aber was ist mit den großen Schmerzen? Was ist mit Krankheit? Was mit Verlust? Was mit Trennungsschmerz? Was passiert mit diesem Engel an dem Tag, an dem es seine Mutter oder seinen Vater verliert? Oder sogar beide? Was ist mit schlimmeren Dingen wie Krieg, Armut, Naturkatastrophen, Gewalt.

Und dann kommen sie. Die grässlichen Gedanken über Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Mord. Mein Kopf beginnt in dem Moment Amok zu laufen. Mein Körper erstarrt, und die Nacht ist kalt. Mein Engel ist noch nicht einmal auf der Welt, und ich sterbe vor Kummer nur am Gedanken daran, dass er eines Tages leidet. Dann kommt (oft) der Moment, an dem ich aufstehe und plötzlich laut vor mich hinsage: „Nein, mein Schatz. Nein, mein kleiner Engel. Dich lasse ich nicht durch meinen Bauch in diese Welt. Dich nicht. Wir warten, wir warten. Du wartest, bis ich irgendwann bei Dir bin.“ Weiterlesen… »

22.04.2011, 09:18
Beimirsein ist Beidirsein

Meine Großstadt ist in den letzten Jahren geschrumpft. Egal, wohin ich gehe, ich kenne ein paar Gesichter – und die Gebäude kommen mir bekannt vor. Man müsste meinen, sie habe dadurch an Vertrautheit gewonnen, am positiven Gefühl, Zuhause zu sein. Aber das hat sie nicht – manchmal zumindest nicht. Vor allem gestern nicht.

“Ich weiß nicht, Sherry. Ich weiß nicht, was das ist. Aber es hört sich an wie die Konstruktion einer dramatischen Soap mit einer sterbenden Diva mittendrin. Deine Geduld ist wirklich nicht nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Du schon bei einer Einkaufsschlange kurz vor’m Abdrehen bist und am Liebsten die ganze minderbemittelte Technologie beschimpfen will, die es irgendwie nicht schafft, eine menschliche Schlange zu verkürzen. Technologisch, versteht sich.” Sie lacht. Ihr lachen ist schön. Es ist ein leises lachen. Oder nein, es ist nicht leise, aber es hat die Luft definitiv um Erlaubnis gefragt, es für den sanften Schalldruck ihres Lachens benutzen zu dürfen. Sie fragt immer, egal, was sie tut, sie fragt erst einmal die Seele(n) neben sich, die physikalische  Realität um sich herum, ob sie darf. Ob das in Ordnung ist, wenn sie sich ihres Daseins bedient. Selbst, wenn sie sich kratzt, fragt sie sich, ob sie irgendwelchen Keimen Leid angetan hat. Sie fragt sich das schon lange nicht mehr bewusst, aber sie handelt so, als würde sie genau das tun. Und doch ist sie zu wenig grausam, um sie Mutter Erde zu nennen. Mutter Erde muss lieben und hassen können. Ihre eigenen Kinder tadeln, wenn sie die anderen Kinder zerstören. Den Menschen schlagen. Ich schweife ab. Ich lächle müde und antworte: “Keine Ahnung, Chikita. So ist das eben. Hätte ich nicht außerordentliche Geduld mit Menschen, würde ich doch nicht Psychologie studieren. Was denkst Du?” Sie ahmt meine Müdigkeit nach – nein, sie ahmt sie nicht nach – sie fühlt sie mit und antwortet: “Hättest Du weniger Geduld, könntest Du sie besser zur Änderung zwingen, Sherry. Aber ich weiß, dass Du mit Patienten anders umgehst, als mit Deinen Lieben und Deinen Freunden. Du bist ein Punchingball. Das habe ich Dir damals schon gesagt, als ich mit ansehen musste, wie Du alles mitmachst, nur um gewissen Menschen die Erlaubnis zu geben, auf Deine Kosten ihr Selbstwertgefühl aufzubauen.” Ich schweige.

Der gestrige Tag war ein Hin- und Her von neuen Erkenntnissen und wichtigen Entscheidungen. Wirklich wichtigen Entscheidungen. “Sag’, Schatz, was machen wir heute? Was wünschst Du Dir? Du hattest soviele Ideen, dass ich Dich heute lieber spontan entscheiden lassen will”, sagt er. “Lass uns mal zu diesem Restaurant, das genau zwei Minuten Fußweg von uns entfernt ist. Wieso muss man immer weit weg? In-die-Stadt? Hier ist auch Stadt”, meckere ich, obwohl niemand Widerspruch leistet. “Wie schmeckt’s dort denn?” “Keine Ahnung, Schatz. Es steht hier schon seit 15 Jahren, aber ich war nie drin.” – Das zu meiner Kenntnis über meine Stadt. Mir ist aufgefallen, dass ich die meisten Locations nur von Außen betrachtet habe und nur die Besondersten von Innen. Besonders ist eine Location nicht, wenn sie besonders hoch angesehen oder bekannt ist, sondern wenn ich wichtige Erinnerungen mit ihr verknüpfe. Weiterlesen… »

19.03.2011, 01:15
Lernhilfe

Eigentlich kann er mir inhaltlich nicht mehr helfen bei meinem Studium, weil ich Statistik und Stochastik überwunden habe. Aber irgendwie tut er es doch immer wieder, das Helfen. Und zwar so:

Ich weiß, mein Sinn für Romantik ist etwas makaber. Gedämpftes, warmes Licht, die Hände eines Liebespaares, zärtliche Nähe und dann der offene Schädel. So ist das eben. Findet Ihr nicht auch, dass meine Blogeinträge irgendwie immer wortärmer werden? Dabei habe ich gerade jetzt das Gefühl, dass ich Euch sehr viel mehr preisgebe als sonst.

08.03.2011, 12:07
Delicate Romance
12.01.2011, 03:14
Die Schwere der Nacht

Müde fällt das Blatt vom wogenden Wind, weil er still steht und die Mattheit auch seine Seele mitnimmt. Still, mit fallenden Händen stützt es sich sanft auf dem Boden, um das schweigende Nass der erdigen Mutter noch ein letztes Mal vor dem kleinen Tod zu liebkosn’. Die Nacht neigt ihr Haupt herunter, so dass all die Sterne ihre Lider senken und in einen endlosen Traum der geheimen Märchen sinken. All die Bäume – sonst so kräftig, grün und stolz – vergeben ihre Kraft an die namenlose Schwere und lauschen den Liedern der Nachtigall, die singt über jenen Sonnenuntergang in Gold. In all der Ruhe der dunklen Welt, kehrt Friede in mich ein. Ich will nur eins’, nur eins’. Und das ist, dass mein Liebster mich hält und für immer mit mir in dieser samtigen Nacht verweilt. Schwer liegen seine Wimpern matt und müd’. So auch mein Gesicht, das auf seiner Brust nun ruht’.