30.03.2012, 19:05
[Liberté]
Liberté ist eine Initivative von jungen Menschen mit dem Versuch der Aufklärung über viele, verschiedene Themen. Das Besondere an diesem Magazin ist, dass die Autoren sogar konträre Meinungen zueinander vertreten, aber genau das auch zu einem wichtigen Faktor der Aufklärung zählen: Nämlich die Gewährleistung der Möglichkeit, dass sich bei Lesern und Leserinnen durch die Vielzahl der Meinungen eine mittlere, gut ausgewogene politische Einstellung herausbildet. Aus diesem Grund bin ich dem liebenswürdigen Angebot von Cengiz Dursun {bekannt aus seinem »Primaverablog«} nachgekommen und habe begonnen, mich als Autorin dort zu engagieren und das, obwohl auch Cengiz und ich in einigen Punkten nicht miteinander übereinstimmen; dafür tun wir das aber im aller wichtigsten Punkt: nämlich in unserer Liebe zu den Menschen. Hier geht es zu meinem aktuellsten Artikel: »Warum Islamkritik wichtig ist«. Auch diesen Artikel von Cengiz finde ich sehr empfehlenswert: »Warum ich für den Ethik-Unterricht bin«. Im Folgenden der vollständige Artikel:
❊ ❊ ❊
In der letzten Zeit häufen sich Berichte über Islamkritiker, die durch ihr Engagement eine Gegenbewegung erzeugen, die versucht, sie mundtot zu machen. Diese Art der Gegenwehr erinnert sehr an die Stigmatisierungen von Menschen, die die Regierung Israels kritisieren. Diese werden nämlich schlichtweg als Antisemiten bezeichnet. Was aus dem Wunsch entstand, gegen völkerrechtswidrige Interventionen gegen das palästinensische Volk vorzugehen und die Welt auf eine Art internationale Legitimation für die Entrechtung eines anderen Volkes aufmerksam zu machen, endete in einem Rückschlag mit einer moralischen Faust, die behauptete, Kritiker der aggressiven Israelpolitik seien antisemitische Rassisten und Holocaustleugner. Die Diffusmachung {durch Verunsicherung} von solchen Strömungen dient in diesem Fall einer lähmenden Etikettierung, die letztendlich aufgrund der Betroffenheit von Kritikern zum Mundtod führen kann, was sehr oft auch gelingt.
Dasselbe Phänomen findet sich seit ein paar Jahren beim Vorgehen gegen IslamkritikerInnen. Auf die Benennung der erheblichen Probleme von Staaten, in denen der Islam als Religion eine fundamentale Bedeutung hat, wird durch die üblichen Diffarmierungsversuche reagiert. Eines der Hauptargumente ist stets, dass die Religion zu respektieren sei und dass jede zu harte Kritik gegen sie nur auf der Grundlage faschistoider Gedanken entstehen könne. Problematisch an diesem Punkt der Diskussion wird immer sein, dass es sich bei muslimischen Mitbürgern um eine Minderheiten handelt, die zu allem Übel auch noch in einem Land wie Deutschland auf eine Vergangenheit hinweisen kann, die einen quasi Schachmatt setzt. An diesem Punkt gehen islamkritische Diskussionen, die durchaus auch fruchtbar sein können, zu Ende. Doch wie argumentiert man gegen IslamkritikerInnen, die selbst aus einem islamisch geprägten Land kommen und hier – wie die Diskussionspartner selbst – zu einer Minderheit in Deutschland gehören? Auch hier gibt es ein bis zwei Tricks, die ein Gegenüber zum schweigen bringen könnten, auch, wenn sie nicht so zuverlässig sind wie die fremdenfeindliche Keule: a) Der Vorwurf, man habe hier im Einwanderungsland seine Wurzeln vergessen und verraten und b) Man sei genau aus diesem Grund durch Manipulation der Medien auf der Seite von Zionisten, USA, westlichen Werten und beschleunige so den Werteverfall des Orients und seine reiche Kultur. Indirekt wird man als VerräterIn behandelt, der/die sich hat von sexueller Freizügigkeit, westlichen Konsumgütern und Völlerei kaufen lassen. Wer an diesem Punkt dennoch eine konstruktive Diskussion aufrechterhalten möchte, sollte ruhig bleiben und die Argumente des Gegenübers in Frage stellen, indem er die eigene Betroffenheit bezüglich des harten verbalen Übergriffes auf die Integrität der eigenen Person überwindet. Das gilt für beide: für den Deutschen und den Islamkritiker mit islamischem Hintergrund.
Es ist von großer Wichtigkeit, dass man sich nicht mundtot machen lässt. Denn betrachtet man die Konsequenzen von Traditionalismus, zu starker Macht von Religion, die hier durch religiös-kulturellem Seperatismus geförderte Subgruppenbildung, die Entrechtung von Ehefrauen und Töchtern – ist das Schweigen zu einem Thema, das irgendwann einmal als “heilig” deklariert worden ist und sich so seit Jahrtausenden einer Immunität erfreut, eine offene Pforte für ihre Durchsetzung in der Gesellschaft. Selbst einige, sehr bedenkliche Fälle in der deutschen Justiz sind bekannt, bei denen eine Begünstigung des islamischen Rechtes im deutschen Gericht aufgezeigt wird. {»Eine Richterin, die Schelte und die Hysterie«}
Relativierungen aller Art
Im jüngst von Herrn Kleber geführten Interview mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinejad, antwortete der Präsident auf Herrn Klebers Hinweis auf die Menschenrechtssituationen im Iran mit ungefähr folgenden Worten: “Die Verletzung der Menschenrechte ist ein globales Problem, nicht nur ein Iranisches. In England z.B. werden weibliche Demonstranten auf dem Boden weggeschleift.” {Kein wörtliches Zitat}
Herr Kleber ist leider nicht mehr näher darauf eingegangen, konnte dem rhetorisch klug wirkenden Einwandes nichts mehr entgegensetzen; denn tatsächlich ist es so, dass es überall auf der Welt immer wieder zu Übergriffen seitens der Staatsorgane kommt, die mit Humanismus und Menschenrechten nur wenig gemein haben. Nichts desto Trotz sind solche Relativierungen nichts anderes als eine Konsequenz von einer großen Portion Ignoranz gesalzen mit einer Simplifizierungsabsicht, die ihres gleichen sucht. Herr Kleber hätte z.B. antworten können: “Lieber Herr Präsident, wenigstens dürfen britische Frauen überhaupt für irgendetwas demonstrieren gehen. Ist das in Ihrem Land auch möglich? Und: Wie lange bleiben Ihre Demonstranten im Gefängnis? In England meistens nur ein paar Stunden. Und gefoltert und hingerichtet werden sie auch nicht.”
Ähnlich kann man so einem Argument in einer islamkritischen Debatte antworten. Es geht nicht darum, dass es überhaupt Verbote und staatliche Sanktionen gibt, dass es nicht auch im nicht-religiösen Kontext Gewalt gegen Schwächere gibt. Doch die Frage ist, ab wann eine Tat oder Lebensart überhaupt als sanktionswürdig erachtet wird. Und hält man sich streng an islamische Regeln oder Handlungsmöglichkeiten, sind dem Mann neben der Frau einige Vorteile gegeben, die man nicht einfach ignorieren kann. In Sure 4, Vers 34 steht: “Die Männer sind den Weibern überlegen wegen dessen, was Allah den einen vor dem anderen gegeben hat {…} Diejenigen {Weiber} aber, vor deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet – warnet sie, verbannet sie in die Schlafgemächer und schlagt sie {…}” Des Weiteren steht in Sure 2, Vers 223: “Eure Frauen sind ein Saatfeld für euch; darum bestellt euer Saatfeld wie ihr wollt.” {Die Interpretation wird den LeserInnen überlassen}.
Da Frauen {gleichwertige} Menschen sind, handelt es sich hier um menschenrechtsfeindliche Gebote. Es gibt noch viele, aus heutiger Sicht unhaltbare Gebote bezüglich der Andersgläubigen, Homosexuellen, des Ehebruches und anderen “Vergehen”. Beispielsweise ist es in islamischen Ländern üblich, dass bei Diebstahl die Hand abgehackt wird als Strafe. Was thematisch sehr oft als ein Gesetz der reinen Sharia gehandhabt wird, die angeblich – außerhalb dessen, was im Koran expliziert worden ist stehe – steht dieses Gebot schwarz auf weiß im heiligen Buch. Wen soll es nach all diesen Punkten also wundern, wenn einige sich von den Berührungsängsten mit Religionen befreien und nicht den Mund halten? Wem ist es vorzuwerfen, wenn eine aus rein menschlichenliebenden Gründen die Befürchtung entsteht, dass sich Religion ihre Macht in den Wänden der Häuser zurückerlangt? Würde man hier nicht eher jene mit Fragen konfrontieren wollen, die für solcherlei Verse nur ein süffisantes Lächeln übrig haben?
Religion ist Privatsache
Eine der interessantesten Gegenargumente in solch einer Debatte ist der Satz: “Religion ist Privatsache. Das sagt ihr Säkuralisten doch stets, nicht wahr? Also warum haltet ihr euch nicht daran und unterlasst es, uns mit eurer Kritik zu behelligen?”
Islam ist so lange eine Privatsache, bis sie wirklich zur Privatsache wird und ihren Einfluss auf die Gesellschaft, auf die Gesetze eines Landes und auf die Menschen-, Frauen- und Minderheitenbilder abgetreten hat. Im Moment gibt es Länder, in denen Religion nicht Privatsache ist, sondern die Hauptsache. Es gibt Menschen, die auf Basis religiöser Legitimationen, Homosexuelle erniedrigen und als mindere Wesen ansehen. Es gibt Länder, in denen Menschen mit einem anderen Glauben diskriminiert werden {siehe Ägypten} oder sie zumindest als schlechten Einfluss betrachten. Es gibt zudem Menschen, die das Gesetz der Religion über die Gesetze des Staates setzen, in dem sie leben, auch oder vor allem, wenn sie miteinander kollidieren. Und darüber muss geredet werden können ohne Angst, sich als menschenfeindlicher Faschist zu fühlen – eben weil wir noch nicht dahin gekommen sind, dass Religion eine Privatsache ist und in ihrer rein esoterischen Form gelebt wird.
“Es gibt keinen Zwang im Glauben”
Dieser Satz wird als Endargument gegen alle Kritiker verwendet. Wenn nichts mehr hilft, muss dieser Satz für alles herhalten. Er wird aus dem Zusammenhang gerissen, der Satz davor und danach einfach weggelassen, um die Friedfertigkeit des Islam zu untermauern. Wie sieht es wirklich aus? Wenn es keinen Zwang im Glauben gibt, warum steht auf Apostatie dann die Todesstrafe? Wenn es keinen Zwang im Glauben gibt, warum werden die Götzendiener im Koran verfolgt und getötet? Wenn es keinen Zwang im Glauben gibt, warum kann man sich dann nicht einer islamischen Bestrafung entziehen, indem man vom Glauben abtritt, sondern wird – ob nun Muslim oder nicht – trotzdem nach islamischem Recht verurteilt? Ganz einfach, weil wenn man es tut, darauf auch die Todesstrafe steht.
In Sure 4, Vers 89 steht folgendes: “Sie wünschen, daß ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, so daß ihr alle gleich seiet. Nehmet euch daher keinen von ihnen zum Freund, ehe sie nicht auswandern auf Allahs Weg. Und wenn sie sich abkehren {vom Glauben}, dann ergreifet sie und tötet sie, wo immer ihr sie auffindet; und nehmet euch keinen von ihnen zum Freunde oder zum Helfer.”
Soviel zu “kein Zwang im Glauben”. Nun wird man sagen, das seien andere Zeiten gewesen, der Koran würde sich auch nur auf diese Zeiten beziehen. Dass in einem anderen Teil einer Diskussion aber auch immer das Argument der Zeitlosigkeit des Korans auftreten wird, womit die Reformierbarkeit dieser Schriften streng abgelehnt wird, mag dann oft übertüncht werden. Nichts desto Trotz bleibt immer noch die Frage, inwieweit die Auslebung einer Religion zwanglos sein kann, wenn die Weltreligionen Ungläubigkeit mit großem Leid im Höllenfeuer zu strafen drohen. Im normalen, außerreligiösen Sprachgebrauch würde man so etwas nämlich schlicht und einfach “Erpressung” nennen.
Religion hat nichts im Staat zu suchen
All diese Erläuterungen dienen einem bestimmten Zweck, nämlich dem, zu verdeutlichen, dass Religion tatsächlich Privatsache zu sein hat; und sie auch nur in einem Maße auszuleben ist, wie es die jeweiligen Gesetze eines Landes erlauben. {Im Falle Deutschlands hieße es, dass das die häusliche Gewalt gegen Frauen bei “Ungehorsam” nicht mit den staatlichen Gesetzen übereinstimmen und deshalb auch im Rahmen einer religiösen Möglichkeit weiterhin verboten sind, auch, wenn die Richterin im oben genannten Artikel mit ihrer religiösen Toleranz für Andersgläubige auf Kosten der Rechte der Frauen zuweit gegangen ist}.
Deshalb kann man nur hoffen, dass IslamkritikerInnen sich nicht mehr von solchen Aussagen wie, man sei ein Muslimhasser, einschüchtern lassen. Auch sollte man nicht darauf eingehen, wenn man als typisch deutscher Fremdenfeind angesehen wird. Man solle sich lieber als Menschenfreund outen und seine Islamkritik genau darauf begründen: auf seine Menschenfreundlichkeit. Der Unterschied zwischen einem Thilo Sarrazin, der zum Teil wirklich rassistische Äußerungen {über die Intelligenz von Migranten} getroffen hat und einer Person, die eine Religion als Grundlage für viele, eklatante Menschenrechtsverletzungen – ob nun privat oder staatlich – ansieht und genau dagegen ankämpft, muss ersichtlich werden; und das geht nur mit unermüdlichen Dialogen. Damit das klappt, müssen aber auch IslamkritikerInnen auf die richtige Rhetorik setzen, Pauschalisierungen vermeiden und immer bewusst von der religiösen Schrift sprechen und nicht allgemein von Muslimen. Letztendlich kann man auch muslimische Mitmenschen dazu motivieren, sich stärker von radikalen Predigern zu distanzieren, indem sie die Stimme des Mitte-Islams {einem Islam in der Mitte einer liberalen Gesellschaft} stärken. So steuern auch sie einer Verallgemeinerung gegen Muslims entgegen und fördern einen liberalen Islam. Selbst, wenn gut informierte IslamkritikerInnen behaupten könnten, dass dieser liberale Islam nur ein Kompromissprodukt sei und von der fundamentalen Schrift des Korans abweiche, sollte er uns lieber sein als der fundamentale Islam: um Welten lieber.
„Weißt du, was der Unterschied zwischen uns beiden ist?“, nahm sie ihren Restmut zusammen und stellte ihrer Freundin endlich die einleitende Frage, die sie in ihren Gedanken schon so oft gestellt hatte. „Nein, sag’ es mir, bitte.“ Sie atmete auf und begann, zu sprechen: „Jeder Mensch“, holperte sie den Satzanfang heraus, ohne zu wissen, worin er münden wird. „Jeder Mensch hat eine bestimmte Art, einen Menschen, eine Situation oder das Leben zu betrachten. Aus der Art, wie ein Mensch das Leben betrachtet, erfolgt seine Berufung. Warte, sag’ nichts, ich versuche es zu erklären. Wenn ich mit dir einen Ort erreichen möchte, schaust du nach dem Weg, der am schnellsten ist. Und ich schaue nach dem Weg, der vor allem für dich am Sichersten ist. Und wenn wir uns doch nach deinem Weg richten, sind meine Augen und Hände um dich herum wie unsichtbare Flügel. Sie zerren dich zurück, halten dich fest oder geben dir einen Klaps auf den Oberarm, wenn ich – viel zu früh, viel zu oft, viel zu überstürzt – eine Gefahr für dich sehe. Das ist keine Leistung, musst du wissen. Es ist in mir drin, ich kann nichts dagegen tun. Meine Aufmerksamkeit fokussierte sich schon immer – auch als Kind – darauf, andere zu beschützen. Alles, was um mich herum war, ob Tier, Mensch oder Gegenstände – selbst wenn es Fremde waren – sollte sicher sein. Der kleine Kreis um mich sollte in Frieden gelassen werden. Das ist der Unterschied zwischen uns. Bei mir kommt das an erster Stelle, was bei dir an Zweiter kommt. Es ist der, der mich anhänglich, aber auch grausamer macht. Ich kann andere mit den Zähnen einer wild gewordenen Raubkatze zerfleischen, die die Menschen in meinem Kreis verletzen wollen, während du in irgendeiner Weise Verständnis für sie aufbringen kannst.
Wir unterscheiden uns also, ja. Du schaust nach dem schnellsten Weg, der, der dich am Besten zum Ziel bringt. Gerne nimmst du mich mit, weil ich angenehm, treu, liebenswert oder auch ein guter Schutz bin, aber meine Sicherheit ist nicht dein erster Gedanke. Und das ist der Grund, warum ich mich immer wieder zurück ziehen muss in unserer Verbindung. Auch, wenn wir beide nichts für die Art, wie wir sind, können – so erwarte ich in meinen falschen Menschenbildern jenen gegenüber, die sich Freunde nennen, noch immer, dass sie mich auf die Art lieben und für mich kämpfen, wie ich es immer für sie getan habe. Du brauchst nichts zu sagen. Ich werde gehen, und ich werde zurück kommen, wie immer. Vielleicht früher, als du mich wieder zurück holen wirst, vielleicht wirst aber du aber schneller sein.“ Sie drehte sich um und ließ ihre Freundin mit lähmenden Schritten allein. Ihr Herz pochte aus Angst, sie würde fallen und sterben, wenn sie die paar Tage ohne ihren Schutz in ihrem Zimmer im Kreis drehte. Doch nichts dergleichen geschah. Und keine der beiden kehrte je zur anderen zurück. Weiterlesen… »
Ihr habt sicherlich alle mitbekommen, was in Nord-Afrika geschehen ist, nicht wahr? Vielleicht freut Ihr Euch sogar für Tunesien und Ägypten? Vielleicht sind Euch einige Ungereimtheiten nicht aufgefallen, wenn Ihr Glück habt. Dann gratuliere ich Euch, Ihr konntet ruhig schlafen.
Mir hingegen ist das nicht gelungen. Mit großem Schrecken beobachtete ich den unglaublich parallelen Ablauf zwischen Ägypten 2011 und Iran 1979. Unsere Monarchie zerfiel nach der Revolution punktgenau am 11. Februar 1979. Punktgenau am 11. Februar 2011 gab Mubarak seinen Rücktritt bekannt.
Ist Euch eigentlich schon einmal aufgefallen, (also das geht an die Leser, die schon etwas älter sind), dass gerade die Deutschen hier völlig aufgebracht gegen den bösen Shah protestierten, die ganze Welt Hass gegen dieses “Monstrum” an König schürte – aber als der Regierungswechsel dann tatsächlich statt gefunden hatte und die Massenhinrichtungen durch Khomeini und seine Handlanger geschahen, sogar Amnesty International die Fresse hielt? Es juckte niemanden, dass aus einem bunten Iran plötzlich ein schwarz verschleiertes Iran wurde. Plötzlich waren die größeren Regime-Monster gar nicht mehr so salient in Deutschlands Köpfen. Niemand ging hier in Deutschland auf die Straße. Sogar die Menschenrechtsorganisationen schliefen das erste Jahrzehnt. Hauptsache, der “Diktator-Shah” war weg. Wisst Ihr, woran das liegt? Eure Medien. Sie bestimmen, was im Fokus Eurer Aufmerksamkeit erscheint und was nicht. Da die khomeinistische Regierung in Ordnung war für die Interessen Eurere Regierungen, hielten die Medien still – und somit auch Ihr, weil Ihr einfach nichts (oder nur wenig) davon mitbekamt.
Was denkt Ihr, warum USA und EU so stark im Fall Ägypten Partei gegen Mubarak ergriffen und das ägyptische Volk unterstützten, einen “sauberen Übergang” plan(t)en – aber Obama sich 2009 zu den mindestens genauso großen grünen Massenprotesten im Iran sich “diplomatisch” zurück hielt? Warum die minutiöse Berichterstattung bezüglich Ägypten, aber die sporadische bezüglich Iran? Was denkt Ihr, warum die deutschen Medien einen Dre…ist-Scholl Latour einlud, damit er sagen konnte, es seien keine Millionen Demonstranten bei uns gewesen, sondern höchstens Zehntausend? Warum bestätigt Rados diese Lüge mit ihrem scheiß obligatorischen Mikro? Und wieso wird gerade in der Zeit, in der meine jungen Landsleute sich nicht anders zu helfen wussten, als all die Greueltaten der Basijis auf ihren wackeligen Handykameras aufzunehmen, während sie noch verprügelt wurden, plötzlich von der Fraglichkeit von Youtube-Videos, Twitter- und Facebookmeldungen debattiert? Weiterlesen… »
Atomkrise? “Geisel”-Drama (GEISEL Drama?), “Nicht ohne meine Tochter” und “300″? Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, ist flach, plump, ohne jegliche tiefere Moral und heißt schlicht und einfach “300″.
Snyders Kino-”Knüller” “300″ hat die persische Seele zutiefst verletzt. Wo bei jeder anderen Volksgruppe oder Nation ein Aufschrei nachvollziehbar gewesen wäre bei solch’ grotesken Darstellungen einer alten Hochkultur; und selbst andere Nationen in die Empörung mit eingestimmt hätten, stößt der Aufschrei der Iraner auf Unverständnis – selbst in den eigenen Reihen.
Natürlich liegt man richtig in der Annahme, wenn man von verletztem Stolz, einem schwachen Selbstbewusstsein und von Identitätsproblemen der Iraner spricht – doch abgesehen davon, dass es völlig normal ist in der psychosozialen Entwicklung eines Menschen, dass sein Selbstbild unter anderem sehr stark von der Reflektion seiner sozialen Umgebung geprägt wird, wird durch diese Argumentation ein anderer Punkt in den Hintergrund gerückt, der das hauptsächliche Problem und die hauptsächliche Angst der Iraner darstellt: Die momentane weltpolitische Situation Irans – vorallem auch im Hinblick seiner kulturellen und politischen Tendenzen, deren schlechte Stellung einem Iraner die dunkle Ahnung vermittelt, als Unmenschen gesehen zu werden, die man beseitigen darf, nein sogar beseitigen muss.
Jeder Exiliraner weiß um die Vorurteile, gegen die er Zeit seines Lebens zu kämpfen hat. Angefangen mit dem “brutalen” Schah, der vom guten Westen in Zusammenarbeit mit jungen, idealistischen Iranern als Diktator enttarnt und abgesetzt wurde, bishin zu Khomeini, Betty Mahmoody und ihr brutaler Ehemann, dunklen, verschleierten Frauen, Ahmadinedschads Aussagen über das Existenzrecht Israels – die seltsamerweise erst heute solche Empörung hervorrufen, obwohl sie zu Lebzeiten Khomeini’s schon das Sprachrohr verließen -, einer eigentlich völlig legitimen in Gewahrsamnahme von 15 britischen Soldaten, die man uns in den Medien aber als “Geisel-Drama” verkaufen will (weil jedes Land seine Grenzen schützen darf, aber Iraner eben nicht), während im Irak ein Gebäude gestürmt wird und einfach 10 Iraner festgenommen werden, von denen man immernoch nicht genau weiß, was sie eigentlich angestellt haben – bishin zu den bösen, missgestalteten Monster-Persern mit ihrem durch und durch gepiercten, größenwahnsinnigen, blutrünstigen König Xerxes im Film „300“.
Nun kommt genau zu diesen Zeiten, in denen einerseits die Sturheit und der Konfrontationskurs der IRI und andererseits die Drohgebärden Bushs die Sorge um die “Unversehrtheit” Irans einen Iraner von morgens bis abends beschäftigt, ein “harmloser” Kino-Knüller, der den alten Persern eine hässliche Fratze verleiht, gegen die man mit bloßen Argumenten nicht mehr ankommt. Bilder prägen sich nun einmal mehr ein als der gescheiterte Versuch eines Iraners, in der seit solanger Zeit schon miserablen Situation seiner Heimat doch noch wenigstens das Bild der alten, zivilisierten Perser aufrechtzuerhalten. Es geht um den Kampf darum, irgendwann noch soviel Wert zu sein, dass es zu internationalen Protesten kommt, wenn Iran militärisch angegriffen wird. Es geht darum, gerade als eine Nation, die im Laufe ihrer Geschichte schon so oft durch Zensur, politische Propaganda und Gehirnwäsche mit der Hilfe von inländischen sowie ausländischen Medien ruhiggestellt oder aufgestachelt worden ist, die Kraft von Medien nicht zu verharmlosen. Wir haben das Recht, uns aufzuregen, wenn eine “witzige” Comic-Verfilmung über Spartaner und Iraner – zu diesen Zeiten der weltpolitischen Krisenherde in Nah-Ost – in der mit der Rhetorik eines Bushs jongliert wird und die Welt der Perser “dahinten” als die Welt der Sklavenhalter und Abergläubigen beschrieben wird, die es gilt, für Sparta und die Zukunft der Welt zu bekriegen, soviel Anklang findet.
Man kann es drehen und wenden wie man will, diesen Film als Fantasy Comic abtun, ihre verschwörungstheorien-belasteten Absichten als null und nichtig hinstellen, die Annahme, es handele sich bei diesem Film um anti-iranische Darstellungen auf eine emotionale Reaktion reduzieren – aber man kommt nicht umhin, sich zu fragen, warum eine Fantasy-Comic Story reale, volksbezeichnenden Begriffe wie “Perser” oder “Spartaner” gebraucht und sich nicht einfach irgendwelcher “Herr der Ringe” Begriffe.
Was ich damit sagen will: Nicht die Iraner sind es hier, die einen Film politisieren, sondern die Iraner sind es, die einen schon längst politisierten Film mit ihrem Protest ein Gegengewicht bieten. Und das ist das gute Recht der Iraner.
Zu guter Letzt möchte ich einen kleinen emotionalen Einblick in die iranische Seele geben, indem ich meine Antwort auf einen deutschen Mitmenschen aus einer Diskussion um den Film “300″ zitiere, der den “Aufstand der Iraner” um den Film nicht nachvollziehen konnte. Ich hoffe, ich kann auf diesem Wege sovielen Menschen wie möglich erklären, warum dieser Film weh tut und warum er mehr ist als nur eine wirklich schlecht gelungene Darstellung.
Auszug aus einer Diskussion:
“Ich bewundere Deinen kühlen Kopf und Deine Distanz, die Du für Dich erleben kannst, weil Dein Land und Deine Kultur die Geschichte ‘bergauf’ geht, während mein altes, schönes Land seit vielen Jahren bergab fällt. Ich beneide Dich darum, dass Du dazu erzogen wurdest, Deutschland nicht zu sehr zu lieben, da es einst Schande über Euch bereitet hat – diese, jene Liebe zur Heimat. Ich freue mich ernsthaft für Dich, dass Du heute mit Gelassenheit dabei zuschauen kannst, wie aus einer noch sehr jungen, grässlichen Vergangenheit, ein sicheres, gut organisiertes und verhältnismäßig betrachtet reiches und sicheres Land entstanden ist. Zugegeben eines, das genauso einen Scheiß Dreck gibt auf Menschenrechte außerhalb der eigenen Hemisphäre – aber immerhin sind hier die Gesetze im Land selbst menschenfreundlich (auch gegen Kinderschänder), wenn auch etwas härter zu Finanzamt-Betrügern – aber lassen wir das. Wie dem auch sei, ich freue mich für Dich, mein Freund.
Aber weißt Du was, mein Freund? Ein Iraner – die erste Hälfte seines Lebens von seinen eigenen Herrschern gedemütigt, die zweite Hälfte gedemütigt durch die Ignoranz der ganzen Welt gegenüber allen Schönheiten, die es einst mal vollbracht hat und auf eine dunkle Epoche und islamischen Fanatismus reduziert, seiner Freiheit stets durch gierige Pranken von “da draußen”, den zivilisierteren, hellhäutigeren, saubereren Menschen beraubt, einhergehend mit einer Droge besudelt, die sich religiöser Fanatismus und Geld(gier) nennt, leidend an einer schizophrenen Beziehung zu sich selbst, seinem Volk, seiner Sexualität, seinem Geschlecht, seiner Geschichte – kann diese erhabene Distanz nicht aufbringen. Kann sie nicht – schon gar nicht im Exil, mein Freund.
Schau’, mein Freund – lass’ es mich Dir bildlich erklären: Der Sturz eines Königs vom Thron lässt ihn Zeit seines Lebens wahnsinnig werden und auf seinen alten Platz starren – oder er wird gegen jeden wild und zähnefletschend kämpfen, der ihm die Erinnerung und damit jeden vorhandenen Beweis einer glorreichen Zeit seines Lebens rauben will. Mein Freund, ich beneide Dich um Deine Ruhe, um Deine weniger pathetischen und verzweifelten Gefühle; aber bitte sei so fair, mein Freund, und verlange sie nicht von ein paar gebeutelten Iranern, die jetzt nicht nur damit beschäftigt sind, das Wort Iran und das Volk Iraner zu verteidigen und in großen Ausführungen und wilder Gestik klarzumachen, dass man selbst kein Diktator ist, kein Menschenrecht-Übertreter, kein Aggressor, kein Barbar ist – sondern viel mehr die alten Werte der alten Perser in sich trägt und alles Gute und Schöne in seinen Erinnerung wach hält, um es eines Tages wieder erschaffen zu können – cool und relaxed zu bleiben, wenn wir heute jetzt sogar beim Wort ‘Perser’ erneut Energie verschwenden müssen, um mit beschränkten Worten und noch beschränkterer Zeit erklären zu können, was die Perser waren und was sie nicht waren.
Verzeih’, mein Freund. Aber erst Iran, Iraner, dann Mullahs, dann noch schnell die Perser – und irgendwann, wenn man Glück hat, kommt man zu den großen arabisch-islamischen Wissenschaftlern, die man eben durch historische Belege, die man nun mal nicht immer intus hat, wieder iranisieren muss in einem netten, kleinen Plauschgespräch, in dem man die normale Frage gestellt bekommt: ‘Woher kommst Du?’. Was ich sagen will, mein Freund: Es sind keine arabischen Zahlen, es sind Iranische. Und da das niemand weiß, mein Freund, muss ein Iraner brüllen.
Verzeih’ uns das, mein Freund. Wir beneiden Dich um Deine Coolness – aber verlange sie nicht von uns ab, denn das schaffen wir nicht. Heute schon gar nicht. Die Menschen wollen die Barbaren (mein Volk) angreifen – und wir können nichts dagegen tun, weil die Welt definiert hat, dass wir zu sein haben, was wir nicht sind: Eben Barbaren.”
Von Sherry
©Iran-Now Network
Seit langer Zeit, so weiß man, ist es so, dass Menschen die Einheit suchen in der Hoffnung, dass diese alle Widersprüche auflöst und eine Art fließende Harmonie entsteht. Fließend, weil eine Stagnation jedem Menschen tot und faul vorkommt, wohingegen etwas Fließendes mehr zu der Natur allen Geschehens passt.
Das, worüber ich schreiben möchte, sind vielleicht Säulen des “Fließens”, der Bewegung, aber gewiss nichts, was ich noch achten könnte. Ich rede von der Politik, von Religion, von den gegenseitigen Polen in der Gesellschaft.
Immer mehr erkenne ich, wie aus Menschen, die einst für Humanismus und liberale Tendenzen in der Gesellschaft standen, aggressiv-radikale Züge entwickeln und sich bei der Verbreitung faschistischem Gedankenguts absolut im Recht fühlen, weil es ein Contra zu “anderem, faschistischen Gedankengut” ist. Immer mehr entdecke ich, wie gerade Leute, die versuchen, die Funktion und Struktur einer Gesellschaft zu ergründen, die gerade in einer Gesellschaft durch so unendlich viele Faktoren geprägt wird, alle negativen Aspekte dieser auf nur eine, leitende, tragende Säule schieben wollen, weil es um so viele male einfacher ist. Diese Einfältigkeit in der “Fehleranalyse” ist es, die Gruppen spaltet, intern für sich radikalisiert und deren Mitglieder wie wilde, scharfgemachte Hühner aufeinander aufgehetzt werden und an ihrem Höhepunkt des Kampfes explodieren und nichts Weiter hinterlassen, als Blut und Eiter. Eiter, der später bei der Folgegeneration solch’ eine Empörung hervorruft, dass man aus vergewaltigten Begriffen wie “Gerechtigkeit” heraus anfängt, weiterhin ein Getümmel zum Höhepunkt seiner Explosion zu bringen, das wieder Eiter spritzt.
Nach einiger Zeit der Beobachtung aus der Distanz, bemerken einige noch dreckigere Tiere, wie vorteilhaft man diese Schlacht, diese ungeheure Wut, diesen Drang, “Gerechtigkeit” – also Genugtuung und Rache – auszuüben dazu ausnutzen kann, um an seine eigenen Ziele zu erlangen. Ziele, die solcher Schlachten als Ablenkung und ideologische Legitimation und ideologischem Pathos bedurfen, um erreicht zu werden, ohne dass die Beute geteilt werden muss, weil die kleinen Schwachköpfe sich schon mit dem Hass zufriedengeben, der ihnen jeden Tag auf’s Neue wohlverpackt in (National)-Stolz, Religion oder “Kommunismus” serviert wird. Nach einiger Zeit sind die Kämpfer müde, tot, krank – aber sie erhalten Aufputschmittel von dreckigeren Tieren in jeder Form, damit die Show weitergeht. Aufputschmittel in jeglicher Form. Mal von “göttlichen” Unantastbarkeiten, mal von hohen Tieren, die durch ihre Herkunft eine menschliche Unantastbarkeit genießen. Dabei kommen dann so Sätze raus wie:
“Rüstet unter Euch Leute zum Kampf gegen die Midianiter,
die die Rache des HERRN an den Midianitern vollstrecken … Und
sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der HERR es
Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war … Und
die Israeliten nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre
Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten
sie und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte, wo sie wohnten,
und alle ihre Zeltdörfer … Und Mose wurde zornig über die
Hauptleute des Heeres … und sprach zu ihnen: “Warum habt ihr
alle Frauen leben lassen? … So tötet nun alles, was männlich ist
unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind;
aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch
[für Sex bzw. für Sklavendienste] leben.”
(Aus dem Alten Testament)
“Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die
Götzendiener, wo ihr sie findet, und packet sie und belagert
sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch
bereuen und das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen,
so lasst sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig.”
(Aus dem Koran)
“Ein antizionistischer Jude ist tendenziell ein Antisemit. Der
Antizionismus ist für Nichtjuden wie für Juden nur eine Ausrede,
ihren Antisemitismus sozusagen in einer politisch aseptischen Form
präsentieren zu können. Kein Mensch geht hin und sagt: Ich bin
Antisemit. Es gibt keinen Antizionismus, der seinen Ursprung
nicht im Antisemitismus hätte.” (Henryk M. Broder)
“2003 kritisierte Ralph Giordano die Positionen der
Friedensbewegung zum 3. Golfkrieg, der er unter anderem
„Antiamerikanismus“ vorwarf.”
All das wissen sogar viele von unseren Kämpfern – doch egal, auf welcher Seite sie gerade sind, sie sind durch ihre Eitelkeit und durch ihren nicht-vorhandenen, aber hochgehaltenen Stolz und Kampf um “Gerechtigkeit” so sehr ereifert und berauscht, dass sie weiterhin wie dumme Lämmchen genau das tun, was das dreckigere Tier will. Sie lassen seltsame Sätze von sich weg, kategorisieren Menschen, urteilen sie ab, versuchen dabei aber immerwieder die Fassade des “Gerechtigkeitssuchenden” zu wahren, obwohl ihre ganze Rhetorik, das ganze Verhalten entweder nur dem eines Profilneurotikers gleich kommt oder eines hasserfüllten Virus’, der nur von diesem Hass geleitet wird; und nichts Anderem. Das heißt, jede noch so scharf erforschte Erkenntnis aus ihm dient nur dazu, weiter Hass zu versprühen, Hass und nichts weiter als Hass. Was das dreckigere, große Tier natürlich erkennt und genau solche armen, in sich und ihrem Hass verdammten, einsamen Wesen gezielt als “Aufputschmittel” nutzen.
Die einzige Pflicht, die beide Seiten noch haben ist die, dass sie aufhören, sich von den großen Tieren benutzen zu lassen. Aber das wird nicht geschehen, weil es niemals realisierbar sein wird, alle Menschen gleichzeitig dazu zu bewegen, alles niederzulegen. Nicht einmal, wenn man aus ein und der selben Gruppe kommt. Es wird immer welche geben, die in ihrer Eitelkeit weiter dazu aufmotzen, für das “Gute” zu töten, zu amputieren, zu vergewaltigen – und es immer weiter mit ihren guten Absichten für das eigene Volk, die Religion, die “Demokratie”, den “Humanismus” zu entschuldigen. Achwas, nicht zu entschuldigen, sondern zu loben.
Nach einiger Zeit des Gefechts, dann der Ermüdung und dann der Resistenz gegen noch weitere Aufputscher, liegt einer von ihnen am Rand der Kämpfe und beobachtet dieses Geschehen, ohne noch einmal das Schwert für dreckigere Tiere dienlich zu zücken. Dieser Jemand wird von den eigenen Leuten zwar als Verräter beschimpft, doch macht es ihm kaum noch was aus. Er geht hin und versucht mit der anderen Seite zu reden, an ihr verzweifelt am gemeinsamen Menschsein anzuknüpfen, um zu entdecken, dass sie fast das Selbe will wie die eigenen “Kameraden”. An dieser Erkenntnis angekommen, fragt er sich, wie man das Feuer der dreckigeren, großen Tiere stoppen kann. Aber die Antwort bleibt schweigsam vom lärmenden Kriegs- und Todesschrei der Anderen.
Schaut in den Spiegel – und Ihr seht das Abbild Eurer Feinde in Eurem eigenen Gesicht.
Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
|
|
|