Seit langer Zeit, so weiß man, ist es so, dass Menschen die Einheit suchen in der Hoffnung, dass diese alle Widersprüche auflöst und eine Art fließende Harmonie entsteht. Fließend, weil eine Stagnation jedem Menschen tot und faul vorkommt, wohingegen etwas Fließendes mehr zu der Natur allen Geschehens passt.
Das, worüber ich schreiben möchte, sind vielleicht Säulen des “Fließens”, der Bewegung, aber gewiss nichts, was ich noch achten könnte. Ich rede von der Politik, von Religion, von den gegenseitigen Polen in der Gesellschaft.
Immer mehr erkenne ich, wie aus Menschen, die einst für Humanismus und liberale Tendenzen in der Gesellschaft standen, aggressiv-radikale Züge entwickeln und sich bei der Verbreitung faschistischem Gedankenguts absolut im Recht fühlen, weil es ein Contra zu “anderem, faschistischen Gedankengut” ist. Immer mehr entdecke ich, wie gerade Leute, die versuchen, die Funktion und Struktur einer Gesellschaft zu ergründen, die gerade in einer Gesellschaft durch so unendlich viele Faktoren geprägt wird, alle negativen Aspekte dieser auf nur eine, leitende, tragende Säule schieben wollen, weil es um so viele male einfacher ist. Diese Einfältigkeit in der “Fehleranalyse” ist es, die Gruppen spaltet, intern für sich radikalisiert und deren Mitglieder wie wilde, scharfgemachte Hühner aufeinander aufgehetzt werden und an ihrem Höhepunkt des Kampfes explodieren und nichts Weiter hinterlassen, als Blut und Eiter. Eiter, der später bei der Folgegeneration solch’ eine Empörung hervorruft, dass man aus vergewaltigten Begriffen wie “Gerechtigkeit” heraus anfängt, weiterhin ein Getümmel zum Höhepunkt seiner Explosion zu bringen, das wieder Eiter spritzt.
Nach einiger Zeit der Beobachtung aus der Distanz, bemerken einige noch dreckigere Tiere, wie vorteilhaft man diese Schlacht, diese ungeheure Wut, diesen Drang, “Gerechtigkeit” – also Genugtuung und Rache – auszuüben dazu ausnutzen kann, um an seine eigenen Ziele zu erlangen. Ziele, die solcher Schlachten als Ablenkung und ideologische Legitimation und ideologischem Pathos bedurfen, um erreicht zu werden, ohne dass die Beute geteilt werden muss, weil die kleinen Schwachköpfe sich schon mit dem Hass zufriedengeben, der ihnen jeden Tag auf’s Neue wohlverpackt in (National)-Stolz, Religion oder “Kommunismus” serviert wird. Nach einiger Zeit sind die Kämpfer müde, tot, krank – aber sie erhalten Aufputschmittel von dreckigeren Tieren in jeder Form, damit die Show weitergeht. Aufputschmittel in jeglicher Form. Mal von “göttlichen” Unantastbarkeiten, mal von hohen Tieren, die durch ihre Herkunft eine menschliche Unantastbarkeit genießen. Dabei kommen dann so Sätze raus wie:
“Rüstet unter Euch Leute zum Kampf gegen die Midianiter,
die die Rache des HERRN an den Midianitern vollstrecken … Und
sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der HERR es
Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war … Und
die Israeliten nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre
Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten
sie und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte, wo sie wohnten,
und alle ihre Zeltdörfer … Und Mose wurde zornig über die
Hauptleute des Heeres … und sprach zu ihnen: “Warum habt ihr
alle Frauen leben lassen? … So tötet nun alles, was männlich ist
unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind;
aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch
[für Sex bzw. für Sklavendienste] leben.”
(Aus dem Alten Testament)
“Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die
Götzendiener, wo ihr sie findet, und packet sie und belagert
sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch
bereuen und das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen,
so lasst sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig.”
(Aus dem Koran)
“Ein antizionistischer Jude ist tendenziell ein Antisemit. Der
Antizionismus ist für Nichtjuden wie für Juden nur eine Ausrede,
ihren Antisemitismus sozusagen in einer politisch aseptischen Form
präsentieren zu können. Kein Mensch geht hin und sagt: Ich bin
Antisemit. Es gibt keinen Antizionismus, der seinen Ursprung
nicht im Antisemitismus hätte.” (Henryk M. Broder)
“2003 kritisierte Ralph Giordano die Positionen der
Friedensbewegung zum 3. Golfkrieg, der er unter anderem
„Antiamerikanismus“ vorwarf.”
All das wissen sogar viele von unseren Kämpfern – doch egal, auf welcher Seite sie gerade sind, sie sind durch ihre Eitelkeit und durch ihren nicht-vorhandenen, aber hochgehaltenen Stolz und Kampf um “Gerechtigkeit” so sehr ereifert und berauscht, dass sie weiterhin wie dumme Lämmchen genau das tun, was das dreckigere Tier will. Sie lassen seltsame Sätze von sich weg, kategorisieren Menschen, urteilen sie ab, versuchen dabei aber immerwieder die Fassade des “Gerechtigkeitssuchenden” zu wahren, obwohl ihre ganze Rhetorik, das ganze Verhalten entweder nur dem eines Profilneurotikers gleich kommt oder eines hasserfüllten Virus’, der nur von diesem Hass geleitet wird; und nichts Anderem. Das heißt, jede noch so scharf erforschte Erkenntnis aus ihm dient nur dazu, weiter Hass zu versprühen, Hass und nichts weiter als Hass. Was das dreckigere, große Tier natürlich erkennt und genau solche armen, in sich und ihrem Hass verdammten, einsamen Wesen gezielt als “Aufputschmittel” nutzen.
Die einzige Pflicht, die beide Seiten noch haben ist die, dass sie aufhören, sich von den großen Tieren benutzen zu lassen. Aber das wird nicht geschehen, weil es niemals realisierbar sein wird, alle Menschen gleichzeitig dazu zu bewegen, alles niederzulegen. Nicht einmal, wenn man aus ein und der selben Gruppe kommt. Es wird immer welche geben, die in ihrer Eitelkeit weiter dazu aufmotzen, für das “Gute” zu töten, zu amputieren, zu vergewaltigen – und es immer weiter mit ihren guten Absichten für das eigene Volk, die Religion, die “Demokratie”, den “Humanismus” zu entschuldigen. Achwas, nicht zu entschuldigen, sondern zu loben.
Nach einiger Zeit des Gefechts, dann der Ermüdung und dann der Resistenz gegen noch weitere Aufputscher, liegt einer von ihnen am Rand der Kämpfe und beobachtet dieses Geschehen, ohne noch einmal das Schwert für dreckigere Tiere dienlich zu zücken. Dieser Jemand wird von den eigenen Leuten zwar als Verräter beschimpft, doch macht es ihm kaum noch was aus. Er geht hin und versucht mit der anderen Seite zu reden, an ihr verzweifelt am gemeinsamen Menschsein anzuknüpfen, um zu entdecken, dass sie fast das Selbe will wie die eigenen “Kameraden”. An dieser Erkenntnis angekommen, fragt er sich, wie man das Feuer der dreckigeren, großen Tiere stoppen kann. Aber die Antwort bleibt schweigsam vom lärmenden Kriegs- und Todesschrei der Anderen.
Schaut in den Spiegel – und Ihr seht das Abbild Eurer Feinde in Eurem eigenen Gesicht.