Posts Tagged ‘Ruhe’
27.10.2008, 17:54
Lately…

Die Tage vergehen, die Sehsucht steigt – aber mit ihr – Gott sei Dank – auch die Gewissheit, dass am Ende alles gut wird. Denn alle Wege führen letztendlich zu… Und ich fange wieder an, dies mit jedem Atemzug zu glauben. Zu glauben und mehr.

Ich sitze hier mitten in meinen Vorlesungsunterlagen (bitte, wer kriegt das alles in seinen Kopf rein?) und überlege, wie ich die 4 WeightWatchers Punkte, die ich noch über habe, verwerte, obwohl ich keinen Hunger habe. Ein warmes Brötchen mit Honig wäre nicht schlecht, oder? Ich lasse den Ofen warm laufen.

Ach, wen interessiert das? Ich bin verliebt – verliebt in meinen Mann – und ich frage mich, ob es kitschig ist, wenn ich ihm das, da wir nun verheiratet sind, da wir nun schon so lange zusammen sind, überhaupt noch auf so pubertäre Weise zeigen sollte… Ach, was denke ich da überhaupt? Ich tu’s sowieso. Als ob ich je meinem Herzen irgendetwas dirigieren könnte. Es tut eh, was es will.

Ich schaue mir die Fotos an, die die anderen an dem Tag geschossen haben. Wie schön wir aussahen. Nicht, dass ich meinen würde, ich sei eine besonders schöne Braut gewesen – nein, es gibt weitaus pompösere und graziliere Frauen – doch wir waren so glücklich. So glücklich, dass ich, wenn ich mir die Bilder ansehe, fast denken könnte, dass die Menschen auf den Fotos dort in ihrer gedruckten Art der Existenz weiterfeiern. Und wir gehören dazu.

Mein Herz hüpft mal vor Glück und seufzt mal vor Traurigkeit. Die, die bei mir sind, wissen, wen ich vermisse… Wen so sehr vermisse.

Doch, da ich nun wieder weiß, dass alles am Ende gut wird und alle Wege dorthin führen – dorthin… finde ich Ruhe. Und Steve Wonder streichelt meine Seele dabei mit “Lately”.

24.03.2008, 10:17
Mein Frühling…

Heute wachte ich auf und wollte dem Frühling vom Fenster aus zuwinken, als sich mir die unten zu bewundernde Aussicht darbot. Hier, wo ich bin, schneit es eigentlich nie. Wirklich nie, nicht einmal im tiefsten Winter – aber genau zum Frühlingsbeginn – der Jahreszeit, die Iranern sehr viel bedeutet, in der sie zwei Wochen nur mit Feierlichkeiten und Familientreffs beschäftigt sind, weil bei uns das neue Jahr genau zum Frühlingsanfang stattfindet – bekomme ich Schnee geschenkt. Und wenn ich sage “Ich”, dann meine ich das auch so – ich bin nämlich sicher, dass die Anderen überhaupt nicht von dieser “Unpassenheit” zum Frühling begeistert sind.

Schaut mal, wie schön sich das Leben (die Knospen) unter der Kälte zusammenzieht und die Welt nicht mehr versteht…

09.11.2007, 13:07
Wie sie fallen…

~ Esperanza Fernandez – Gelem Gelem ~

Draußen ist es so schrecklich traurig. Normalerweise genieße ich die herbstliche Melancholie, das fallende Rot und Gelb, das karge, aber strotzende Grün. Doch dieses Jahr ist es anders. Jeder Fall auf den rot-gelben Boden tut mir unendlich weh. Ich sehe die Blätter nicht nur mit einem milden Lächeln fallen und sie im kommenden Frühling wieder auferstehen, nein. Diesmal ist es anders. Ich sehe sie einzeln sterben. Jeden Einzelnen sterben. Sie sterben – und die neuen Blätter werden niewieder die Selben sein.

Noch sind ihre Körper feucht, ihr Leben pulsiert noch, obwohl sie unten auf dem Laubberg nicht mehr um ihr Leben kämpfen. Wenn ich sie anfasse, sind sie glatt und riechen wohlduftend. Sie sind weich und schmiegen sich in meine Handform in der Hoffnung, aus meinem Blut noch einwenig Leben zu erhaschen. Nein… Das stelle ich mir nur vor, weil ich ein Mensch bin und mit dem Tod im Kampf stehe. Ich ihn einfach nicht als Teil des Kreislaufes akzeptieren kann. Das sterbende Herbstblatt in meiner Hand jedoch ist anders. Während es in meiner Hand zuneige geht und seine letzten Sekunden an meiner fürsorglichen Wärme genießt, weiß es, dass es schon sehr bald trocken in meiner Hand zerbröseln wird und seinen Körper der Natur freigibt, damit sie sich von ihr ernährt. Nur ich stehe da und frage mich, warum es nicht mehr da ist. Und wie es sein kann, dass soviel vergeht – von Mensch zu Tier, von Blume zu Laub, von Augenblick zur Ewigkeit.

Selbst ein Laublatt ist weiser als ich es je sein werde. Denn diese Fragen stellt es sich nicht..

Mögest Du in Frieden ruhen. Eines Tages werde auch ich bei Dir sein und hoffentlich meinen inneren Frieden kurz vor den offenen Toren spüren. So wie Du. Und dann hoffe ich, dass auch ich meine Wange an eine liebende Hand laben kann und lächelnd meinen Abschied in die Luft küssen darf…