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Es gibt zwei Sorten von DSDS-Konsumenten: Jene, die DSDS verurteilen und so tun, als würden sie über den Dingen stehen und jene, die DSDS je nach Kandidatenformat mit Leidenschaft verfolgen. Doch eines haben beide Gruppen gemeinsam: Sie schauen diese Show mit Argusaugen. Ob Kritiker oder Liebhaber: Sie zappen nicht weg. Sie schalten nicht ab. Sie verfolgen die Show.

Deutschland „liebt“ (und hasst) DSDS. Und das hat weniger mit Dieter Bohlen oder seinem „musikalischen Genie“ zu tun, als vielmehr mit der Tatsache, dass man live bei der musikalischen – und was uns vor allem interessiert – der Persönlichkeitsentwicklung der Kandidaten dabei sein kann. DSDS ist erfolgreich, weil die Zuschauer das Gefühl bekommen, am Entstehen einer neuen Lebensgeschichte maßgeblich mitbeteiligt zu sein. Der Zuschauer hört und schaut (hin), der Zuschauer will, der Zuschauer entscheidet, der Zuschauer siegt – und mit ihm sein Superstar. Dass Dieter Bohlen durch stark tendenziöse Kritik, die Bevorzugung gewisser Kandidaten (bzw. optimaler Geldquellen) und die enorme Einschränkung der Song-Zuteilungen, die die Kandidaten angeblich selber aussuchen können, versucht, das Publikum massiv zu lenken, braucht hier nicht erwähnt zu werden, denn Deutschland hat diesmal gegen die Bohlen-Crew und für Mehrzad Marashi entschieden! Allen Widerständen, Beleidigungen und Kampfansagen von Menowin („Ich lass mir den Sieg nicht mehr nehmen!“) und seinen Fans zum Trotz.

Die Entscheidung

Jeder kennt den Moment der Entscheidung, den Marco Schreyl in alter Manier wie einen Kaugummi so sehr in die Länge gezogen hat, dass er uns Herzinfarkte in Kurzintervallen bescherte. Der Abend verlief für Mehrzad so schlecht, dass viele von uns – wie er selbst – den Sieg und seine Zukunftsträume den Bach runtergehen sahen. Nicht nur, dass die manchmal katastrophalen Texthänger und schiefen Töne seines Kontrahänten weg-gelobt wurden (und das in den Olymp der Götter und Titanen), nein: Mehrzads In-Ear Kopfhörer gaben zufällig (?) den Geist auf. Als er den wichtigsten Song des Abends („Don’t believe“) so präsentieren wollte, als würde er um sein Leben singen, hörte er nur Zuschauerlärm. Weder seine eigene Stimme noch die Musik, auf die er singen musste, war für ihn hörbar. Also improvisierte er. Er schloss die Augen, konzentrierte sich, sprach vielleicht noch ein Gebet und ging durch die lodernde Hölle. Und doch – oder gerade deshalb – kam es für ihn anders als erwartet. Bei der Verkündung des Siegers hob Menowin noch kurz sein siegessicheres Fäustchen an und ließ es abrupt wieder fallen. Mehrzads ungläubiges und um sich blickendes Gesicht zeigte ganz Deutschland, dass er nach irgendwelchen Indizien suchte, die ihm bestätigten, dass der Name, den er gerade gehört hatte, tatsächlich sein eigener war. Und seine ihn überschwemmende Familie und Freunde gaben ihm genau die Bestätigung, die er suchte. Er kam, sang und siegte. Weiterlesen… »

Das hier ist Schönheit. :rose:

“Von Dir reden bedeutet, zu atmen
Von mir abzulassen bedeutet, Dich zu erreichen”