Posts Tagged ‘Schicksalhafte Begegnungen’
06.05.2008, 14:51
Meine Halskette und Du

Einmal verhedderte sich meine Halskette an Deinem Pulli, obwohl ich eigentlich nie Halsketten trug, tat ich es an dem Tag, um Dich auf meinen Hals und mein Dekolleté aufmerksam zu machen – so wie auf alles andere, was Du nicht haben durftest. Doch ich hing komplett an Dir fest und kam nicht von der Stelle, dabei hatte ich die Nacht zuvor bis in jede peinliche Einzelheit meinen distanzierten und erhabenen Auftritt Dir gegenüber geplant. Jede Reaktion und jeder Annäherungsversuch, der von Dir kommen könnte, habe ich vor meinem inneren Auge in einer Generalprobe durchgespielt und einen perfekte Defensive dazu entwickelt. Und nach all den peinlich peniblen Gedankenspielen kam das hier dabei raus: Ich hing fest.

Ich tat so, als würde ich mich unberührt darauf konzentrieren, das Problem zu lösen. Du solltest nach diesem Abend an mir hängen, nun hing ich im wörtlichen Sinne an Dir – und Du schienst Dich darüber zu amüsieren. Ich ignorierte Deinen intensiven Blick in mein verlegenes Gesicht völlig, ja völlig – aber nicht genug, verdammt – denn ich errötete. Dein verdammter Geruch, der war das Schuld. Man konnte die Augen schließen oder wegschauen, aber man konnte sich nicht die Nase zuhalten. Das verdammte Teil wollte sich nicht lösen lassen. Ich begann, daran zu zerren und fluchte undamenhaft, dabei wollte ich doch unnahbar wirken, ich Trottel.

Dein Lächeln konnte ich förmlich riechen, so wie ich das Aufgehen einer Blüte in einem dunklen Raum hätte riechen können. Das Verschmitzte, das darin lag, war so unverschämt, dass ich wütend wurde. Ich sah diesem Mund genau an, was Du dachtest: “Wie niedlich. Wie unbeholfen – und alles nur, um so zu tun, als ließe ich sie kalt.” – Das ärgerte mich so sehr, dass ich die Kette ungeduldig aus Deinem Pulli rauszerrte und ausversehen ein Kneuelchen mein Eigen nennen konnte.

“Oh nein…”, fluchte ich. “Ich kauf’ Dir natürlich einen Neuen”, nuschelte ich, schaute Dich aber weiterhin nicht an und fuchtelte an der Kette, als wolle ich sie von der peinlichen Situation befreien und nicht etwa mich. “Wie komme ich da jetzt wieder raus?”, fragte ich mich.

Du kamst näher und wolltest mir helfen. Deine Hand streifte meine Brust. Ich wollte aufschrecken. Anstatt zu denken, dass ich Deine Hand an meiner Brust niemals aushalten würde, nicht hier und jetzt, fragte ich mich fast panisch, ob Du bei dem versehentlichen Darüberstreifen wohl mein Herzpochen gespürt hattest. Ich war der Meinung, dass das erst meinen Plan total zunichte gemacht hätte. Dann wäre der Plan mit der Distanz wirklich komplett dahin gewesen. Ich ließ auf der Stelle meine Kette los, sprang fast zur Seite und sagte: “Oh oke, danke, übernimm’ Du das mal ruhig… Solange… solange hole ich uns etwas zu trinken. Du lächteltest nur weiter verschmitzt. Verdammt, warum warst Du so selbstsicher?

Die Stelle auf meiner Brust, die Du (ausversehen!) gestreift hattest, war noch immer ganz warm, so als ruhte sie noch immer darauf. Ich kämpfte bitterlich mit meiner lebhaften Fantasie (die mir übrigens nicht zum ersten Mal zum Verhängnis wurde), dass Deine Hand immer noch darauf liegt, aber es klappte nicht. Die Stelle war so warm, dass Deine Hand fast greifbar schien. Ich musste dieses Gefühl loswerden, sonst würde ich mich nicht mehr einkriegen können. “Was mache ich jetzt?” – Ich ließ die Gläser stehen und stürmte “unauffällig” ins Badezimmer, zog mein Oberteil aus und besprenkelte die Stelle, auf der Deine Hand noch immer zu ruhen schien, mit kaltem Wasser. Währenddessen schaute ich in den Spiegel und fragte mich, was zum Teufel ich hier überhaupt am veranstalten war! “Meine Güte, Du bist kein Teeny mehr. Teeny? Teenies würden sich niemals so verhalten wie Du… Du bist echt…”

Ich atmete tief durch, beruhigte mich und kam wieder ins Wohnzimmer, um uns etwas zu trinken zu machen. Ich nahm die Gläser, kam auf Dich zu, ganz nah, schaute hoch zu Dir und überreichte Dir Dein Glas. Du rochst so unglaublich, ich wollte weder Deinen Hals sehen, noch Dein Kinn, noch Deine Hände, schon gar nicht Deine Brust und die Augen waren lebensgefährlich, aber um mit Dir kommunizieren zu können, musste ich wenigstens auf Deinen lächelnden Mund schauen, damit ich noch wusste, was Du gerade dachtest (wie kann ein Mund nur so ausdrucksstark sein?). Du erzähltest irgendetwas, aber ich hörte nicht auf den Inhalt, sondern schaute einfach auf Deinen Mund. Deine Stimme war im Vordergrund, der Inhalt aber kaum noch verständlich in meinem Zustand. Ich schaute ausversehen auf Deinen Hals, erkannte die Gefahrenzone und blickte erneut hoch zu Deinem Mund, um den Blick von diesem Hals abzuwenden. Als mein Blick statt Deinen Mund Deine Augen traf, musst Du Deinen Sieg erkannt haben, denn Du lächeltest plötzlich besonders breit. Als ich mit großen, verwunderten Augen an Deinen haften blieb und irgendetwas stotterte, schienst Du, endlich alles in die Hand nehmen zu wollen. Du nahmst die Gläser und legtest sie weg, ohne Deinen Blick von mir abzuwenden. Dein unverschämtes Lächeln sah so aus, als hättest Du gestern wie ich penibelst geplant – und in Deinen Plänen meine ganzen kindischen Anstalten mit einbezogen. Deshalb warst Du so selbstsicher, nicht wahr? Bevor ich weiter denken konnte, waren meine Augen schon geschlossen und mein Mund an Deinen gekettet…

Hoch lebe meine Unbeholfenheit. Mein Plan war zwar nicht aufgegangen, aber dafür vollständig mein ängstliches Herz…

Romy & Alain

25.01.2008, 19:52
~ Dein Wahn und Ich ~

(Click: Marcel Khalife – Popular Cafe)

…und wie wir Hand in Hand
durch die Wüste ritten
und unsere Lebensträume
als Proviant sparsam in Rationen
schnitten

Und Deine dunklen Augen
wie schwarze Pfeile gen Oase schossen
Während wir unsere Herzen in
der nächtlichen Rast
mit unseren kühlenden Küssen
begossen

Wie meine weißes Gewand
Dich vor der Sonne schützte
und Deine Hand mich durch
die harten Felsen
durch die Kargheit unserer
Gegenwart stützte

Wie der heiße Wüstensand
mir die Brandwunden in die
Füße sengte
So sengte Dein Blick
mir das Herz
in abertausende
Dich immer mehr liebende
Stücke

Und wie in den alten Geschichten
der Liebenden
fühlte ich,
wie sich mein Verstand
in Deiner Nähe
immer mehr in die Ferne rückte

Und genauso,
wie Majnoon seinem Wahne folgte
so folgte ich auch Deinem Wahne

Unsere Oase nanntest Du
voller Hingabe ‘Heimat’
Auch, wenn Du nicht wusstest,
wo sie war
und wie sie hieß
doch unsere Träume,
sagtest Du,
verliehen ihr
ein deutliches Gesicht
so deutlich wie das Meine
in Deinem Seelenlicht

Unser Zukunft nanntest Du ‘Zu Hause’
Auch, wenn Du nicht wusstest,
wer dort weilte
und dort in der Nacht zu seinen
Hoffnungen weinte,
doch unsere Sehnsucht,
sagtest Du,
flüsterten unserem Zu Hause
als Vorbote unserer Ankunft
ein Liebesgedicht
so lieblich wie einst
Deines an mich

Und genauso,
wie Majnoon seinem Wahne folgte
so folgte ich auch Deinem Wahne

Und so wie aller Jasminblüten
tanzender Düfte
durch das Paradies und seine Tiefen eilten
So eilte ich herz-zer-rasend auch durch Dich

Und genauso,
wie Majnoon seinem Wahne folgte
so folgte ich auch Deinem Wahne

Und genauso,
wie Leyli Majnoons Tode folgte
So folgte ich auch Deinem

…und das Gesicht,
das Du einst unsere
Heimat nanntest,
streichelte uns
in seinem Licht

So wie in Deinem Wahne
aus einem großen Garten,
lachenden Gästen,
unserer Kinder-
und Kindeskinder-Lachen -
und Dich und Mich…

Ich habe soviel Musik, dass ich das Meiste im Grunde noch gar nicht gehört habe. Das hier habe ich vorhin entdeckt. Ich glaube, diese Lady hat mir den Text geklaut – oder mindestens meine Gedanken – und einfach ein Lied drauf komponiert… Unglaublich. Und wenn Du heute nach Hause kommst, hören wir das zusammen, was sie ihrem Mann gesungen hat, was eigentlich von mir für Dich gedacht war. Einwenig chaotisch, ich weiß, Schatz. Aber das kennst Du ja von mir.


Click: ~ Save Me From Myself ~

It’s not so easy loving me
It gets so complicated
All the things you’ve gotta be
Everything’s changin
But you’re the truth
I’m amazed by all your patience
Everything I put you through

When I’m about to fall
Somehow you’re always waitin
With your open arms to catch me
You’re gonna save me from myself
From myself, yes
You’re gonna save me from myself

My love is tainted by your touch
Cuz some guys have shown me aces
But you’ve got that royal flush
I know it’s crazy everyday
Well tomorrow may be shaky
But you never turn away

Don’t ask me why I’m cryin
Cuz when I start to crumble
You know how to keep me smilin
You always save me from myself
From myself, myself
You’re gonna save me from myself

I know it’s hard, it’s hard
But you’ve broken all my walls
You’ve been my strength, so strong

And don’t ask me why I love you
It’s obvious your tenderness
Is what I need to make me
A better woman to myself
To myself, myself
You’re gonna save me from myself

:rose:

23.12.2007, 20:51
Bei Dir war es anders…

Ich habe Dich entdeckt. Dich und Deine verschlossene, skeptische Seele. Dich und Deine Vorsicht, Deine Bedachtheit in Allem, was Du tust. Dich und Deine stets gerunzelte Stirn, die immer irgendwo versunken lag – wo, das wollte ich wissen. Wo, das will ich heute noch wissen. Ich habe Dich gefunden, bevor Du mich überhaupt wahrgenommen hast. Und ich beschloss, Dein zu sein, bevor Du mich überhaupt ernstgenommen hast. Unsere Dialoge glichen denen eines kleinen Mädchens, das an Deinem Hemd rumzerrte und Dir mit großen Augen Fragen stellte. Deine Antworten glichen denen eines gutmütigen, großen Freundes, der milde lächelnd seine Gedanken zu erklären suchte. Ich habe mich schon an Deiner Seite gesehen, als Du Dich gerade erst fragtest, woher ich kam und was ich denn wollen könnte, und ich habe Dich verzaubert, bevor Du wagtest, an Magie zu glauben. Als Du plötzlich zielstrebig und bestimmt auf mich zukamst und meine Hand in Deine Richtung zogst, um mir wortlos meinen Platz im Leben zu zeigen, gehörtest Du schon längst mir. Als ich schüchtern “Ja” sagte, hattest Du noch gar nicht gefragt, was Dir schüchtern auf den Lippen lag.

Bei Dir war es anders, mein Baby. Nie war ich es, die auf einen Mann zugegangen ist, die ihn entdeckt und an sich gezogen hat. Doch bei Dir war es anders. Ich sah Dich und wusste, Du bist mein.

03.05.2007, 00:55
Mein fragiler Redefluss

Heute (nein gestern) um 14:04 Uhr habe ich tatsächlich geredet. Geredet, so gut es ging. Es kam mir nicht sinnlos vor, das Wort zu starten, weil jemand da saß und nichts mehr wollte, als mir zuzuhören, als zu wissen, wann es losgeht, wann sie endlich helfen kann, wann wir das Leben wieder in die richtige Bahn bringen können, wann ich wieder zu glauben beginne. Ich spürte, wie dieser Jemand sich ganz winzig klein machte, um ausschließlich als mein Spiegel dienen zu können und mich zum reden zu bewegen. Es war keine lange Rede, die mich dazu brachte, mich zu öffnen, es waren keine Vorwürfe, die mir ein schlechtes Gewissen machten, weil ich soviele vernachlässigte – es war der pure Wunsch, etwas für mich tun zu wollen. Ich habe diesen Wunsch gespürt, diesen kurzen Moment der Selbstlosigkeit ungläubig angesehen und stotternd begonnen und fließend aufgehört. Ich spürte einfach keine Gefahr. Absolut keine Gefahr. Dieser Jemand wollte verstehen und verstand. Alles war so fragil, ein falsches Wort hätte meinen Redefluss zum Versiegen gebracht und mich das Vertrauen bereuen lassen – aber es geschah nichts dergleichen. Nichts.

Am Ende lächelte ich gequält – aber ich lächelte. Ich danke diesem Jemand.