Der Neid einer Frau ist hässlich. Er macht ihre weichen Gesichtszüge hart und grün-grau. Ihre Augen werden klein, die weichen Lippen verziehen sich zu einem dünnen Strich im Gesicht, der anfangs ihre Entschlossenheit und später ihre Verbitterung verrät. Ihre Bewegungen werden steif und kontrolliert, ihr Hals schwillt an, weil sie so oft ihr eigenes Gift runterschlucken muss, um ihrer Galle nicht freien Lauf zu lassen – ihre herrischen Emotionen könnten ihren Plan zunichte machen. Der Neid einer Frau kann Leben zerstören – nicht zuletzt das Eigene – aber es kann Leben zerstören.
Cut.
Ich würde sagen, ich bin eine junge Frau. Weder habe ich etwas, worauf man neidisch sein könnte, noch kann ich etwas Außergewöhnliches, noch bin ich etwas Außergewöhnliches, noch bin ich außergewöhnlich schön, noch sonstetwas – als dass die Frauen um mich herum irgendeinen Grund hätten, mir mit einem bösen Blick hinterherzutrachten. Interessanterweise sind es nie Frauen, die etwas reifer sind als ich, die mich mit diesem seltsamen Verhalten verfolgen, sondern Gleichaltrige. Reifere Frauen haben sehr mütterliche Gefühle zu mir (auch wieder ein Phänomen, über das ich später schreiben werde). Aber gerade in meinen “Freundschaften” scheine ich einige Erfahrungen mit “Neid” gemacht zu haben, bevor mir überhaupt bewusst wurde, dass es sich dabei tatsächlich um Neid handelt. Neid wäre einfach das Letzte, worauf ich kommen würde – denn: Worauf sollte man bei mir schon neidisch sein? Auf meine ständigen Gemütsschwankungen? Meine Gewichtsschwankungen? (Lalala), auf mein ganz toll ausgeprägtes Selbstbewusstsein? Auf meine Orientierungslosigkeit – ob nun räumlich und lebensweg-technisch? (Oder liegt es tatsächlich daran, dass ich besser Fußball spielen kann als einige Männchen?) Das Letzte, was ich selbst in meiner Anwesenheit bekommen würde, sind Gefühle des Minderwertes, die ich mit irgendwelchen subtilen Aktionen zu kompensieren suchen würde. Ich bin soetwas von Banane und nicht nachahmungswürdig, dass ich mir das auch gerne auf die Stirn kleben würde: “Achtung! So nicht! Verrück(t)-ungsgefahr!”
Aber was geschieht? Ich frage mich seit Jahren, warum ich Freundinnen, auf die ich mich wirklich verlassen kann, die wirklich keine negativen Gefühle wegen irgendwelcher Dinge entgegenbringen, nur an einer halben Hand abzählen kann, aber mit männlichen Wesen wundervolle Freundschaften eingehen kann (die zugegebenermaßen irgendwann in einem üblen Gefühlschaos landen, aber das ist wieder eine andere Geschichte). Aufgrund dieser lange Zeit nur unbewusst wahrgenommenen Gefühle habe ich verschiedene Mechanismen entwickelt, damit meine Freundinnen mich “mögen”. Ich begann, mich “klein” zu halten. Ich entwickelte eine Art des Sich-Selbst-Relativierens, sobald ich etwas vollbrachte, das gut war und folglich irgendwelche negativen Gefühle mir gegenüber hätten entwickelt werden können, die wertvolle (!) Mädchenfreundschaften hätten gefährden können, vertuschte ich meine “Kreationen” oder irgendwelche Errungenschaften am Tag. Ich merkte sehr lange nichts von meinem Ausweichverhalten (das übrigens nicht wirklich etwas brachte), bis mich eine Freundin darauf ansprach. Sie gab mir einen deftigen Tritt und sagte “Warum kannst Du mit Komplimenten in der Öffentlichkeit nicht umgehen? Warum weist Du sie zurück oder machst Deine eigenen Fähigkeiten ständig zunichte? Zeig’ Dich endlich. Nicht nur virtuell.” (Danke, Sahari…)
Ich habe lange darüber nachgedacht, bis ich erkannte, dass ich das tu’, um meine Freundschaften auf die Art am Besten halten zu können. Meine beste Freundin Dini, die mich schon seit 22 Jahren durch’s Leben begleitet, hat nie auch nur Ansätze von Konkurrenzkämpfen mir gegenüber gezeigt – im Gegenteil: Sie verhielt sich sogar mütterlich und fördernd mir gegenüber. Die anderen Freundschaften habe ich durch die Dominanz ihrer Anwesenheit immer an meiner Seite nicht wahrgenommen. Aber als unsere schulischen Wege sich trennten und wir nach dem Abitur nicht mehr den ganzen Tag wie siamesische Zwillinge zusammen waren, war ich empfänglich für die subtilen Sticheleien. Es hört sich fast so an, als sei ich nur von solchen Furien umgeben – aber so ist es gar nicht. Es sind vielleicht nur drei bis fünf Frauen, die so agieren, aber da mir diese Frauen eben einst viel bedeutet haben oder es noch tun, fallen sie besonders auf. Und gerade jetzt, da ich schon lange nicht mehr bereit bin, mich klein zu machen (aber auch nicht, mich aufzublähen), werden die kleinen Sticheleien und Intrigen noch sichtbarer. Je mehr ich mich zeige, desto “radikaler” deren Kompensationsmechanismen.
Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich meine “Theorien” über das Verhalten dieser Ladies “teste”, indem ich ihr Verhalten “reproduziere”. Dazu bedarf es nur irgendeiner kleinen Aktion wie: “Guck’ mal, das habe ich heute gemalt.” oder “Wie findest Du meine neue Wimperntusche? Sie macht die Wimpern etwas länger, findest Du nicht?” – und prompt kommen Reaktionen, die alles entblößen. Ich gucke jedesmal ungläubig dabei, weil ich jedesmal hoffe, dass ich doch falsch liege. Aber nur einige Augenblicke danach kommen Reaktionen wie:
o “Also, lange Wimpern lenken von den Falten ab.” (Ganz raffiniert: Frau gibt mir in Sachen “lange Wimpern” recht, schlägt aber gleich in einem Satz zu, indem sie auf “Falten” aufmerksam macht)
o Keine Reaktion auf das, was ich gemalt habe (Also Ignoranz)
o “Sehr schön. Du malst Dich gerne selbst in Deinen Bildern, nicht wahr? Natürlich direkt so, wie Du Dich gerne hättest.” (Wieder künstliches Lob mit einem Totschläger wie “Du bist selbstfixiert und so schön wie die Bilder noch lange nicht!)
o Diese Reaktion ist besonders süß. Völlig unabhängig von dem, was ich gerade gesagt habe, kommt eine Selbstdarstellung in Bereichen, in denen ich offen meine Schwächen zeige (z.B. mein miserables Englisch): “Oh ja, also, da war so ein Kunde und ich habe mit ihm perfekt auf Englisch gesprochen. Hab’ mich selbst gewundert, wie gut ich das kann, dabei rede ich doch kaum Englisch! So wie Du.” (*lach*)
o Eine “Freundin” von mir z.B. fühlt sich nur dann wohl in meiner Nähe, wenn es mir schlechter geht als ihr und sie sich als Retterin sehen. Als Mutter Theresa auf dem Podest, die anderen durch ihre reine erhabene Anwesenheit und Handauflegen helfen kann
Das hier sind noch die süßen, kleinen, amüsanten Beispiele. Es gab Situationen, da konnte ich nur den Kopf darüber schütteln, wie weit man bereit war, zu gehen, um die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Ich verstehe dieses Verhalten nicht – und ich bin geneigt, zu behaupten, dass sie in dieser beißenden Feindseligkeit nur bei Frauen vorhanden ist. Wie gut, dass diese Art von “Freundschaften” oder “Bekanntschaften” nur eine sehr überschaubare Minderheit darstellen, die ich gut umgehen kann. Sie zäunen mich auch nicht mehr ein, denn ich tu’ inzwischen den Teufel, um mich zu verstecken, nur damit keine subtilen Sticheleien oder netten Gedanken und Lästereien mich treffen. Es ist so, wie es ist – und da ich mich leider nicht mit Frauen prügeln kann, um eine Sache aus dem Weg zu räumen und danach etwas trinken zu gehen, gehe ich ihnen vorerst gänzlich aus dem Weg, nachdem ich sie einmal fest umarmt habe und ihnen mit einem Lächeln klargemacht habe, dass ich auf sie warten werde. Warten, bis sie wieder im Reinen sind mit sich.
Cut.
Warum schreibe ich über grün-graue Frauen, wenn ich die ganze Zeit an diesen einen, roten Tanz denken muss? Ich glaube, darüber schreibe ich später. Boah, war das eine Nacht… alles war Feuer…