Posts Tagged ‘Seelenverwandtschaft’
13.11.2011, 01:30
Aiolos und seine Freunde

“Und wenn wir einfach abhauen? Wir müssen nicht zurückschauen. Zurückschauen ist wie die leckerste Süßspeise im Gaumen schmeckend und seufzend zu kauen und dann auszuspucken.” Das war der Schlussteil ihres Appels an ihre Freunde. Sie will nicht mehr zurück in ihr altes Leben und hofft, in den Gesichtern ihrer Gefährten, die durch ein seltsames Schicksal zusammen gefunden haben, den selben, militanten Fluchtreflex zu entdecken, den sie nicht mehr zurück halten kann – und der sie nicht mehr los lässt.

“Aber was ist mit …”, wirft Aiolos ein und stockt, weil ihm dann doch nichts einfällt. Gäbe es in dieser Gruppe einen Anführer, wäre er es gewesen. Seine wachen Augen sahen alles. “Das geht nicht, Seda. Wir sind gebunden. Alle.” Sie schüttelt den Kopf. Woran genau waren sie gebunden?, denkt sie und vergisst diesmal das Sprechen nicht. “Woran? Woran Aiolos!”, setzt sie ihn unter Druck und schaut in die Runde rein. “Im Ernst. Denkt alle nach. Bitte. Denkt jetzt nach. Heute ist die Nacht der Nächte. Wir können alle unsere sinnlosen Leben beenden und neu beginnen. Gemeinsam. Ohne Gruppensuizid – den wir eh niemals umsetzen würden, wenn Plan A nicht klappt. Doch wie soll Plan A klappen, wenn wir ihn meiden? Unsere Geschichte kann nur ein Happy End haben, wenn wir uns aus diesem Kriegsgebiet unseres Lebens hinaushauen. Zusammen. Wir. Gemeinsam. Wir“, wiederholt sie verzweifelt, denn sie findet kein innigeres Wort, das ihre Verbundenheit beschreiben kann. “Ist das etwa unsere Freundschaft? Soll alles hier enden? Soll das hier alles sein? Wir wollten die Welt verändern. Wir wollten Grenzen durchbrechen, wir wollten der Liebe einen neuen Namen geben, wir wollten tausend Schleier im Flug gen Himmel zerreißen, und wir wollten uns in altes Pergament werfen und in den Gedichten der Alten unsere Träume wieder finden und mit ihnen tanzen. Wir wollten unsere Seelen wieder finden und müde in ihre Arme fallen. Hast du nicht gesagt, Aiolos, hast du nicht gesagt, solange die Träume eines Menschen schöner sind als sein Leben, hat er etwas falsch gemacht? Lasst uns hier weg. Lasst unser Leben schöner sein als unsere Träume, weil wir uns unsere Träume endlich nehmen. Wir nehmen sie uns, so wie sich das Leben nimmt, was es will, so nehmen wir uns, was uns zusteht. Wir wollten soviel tun. Wir wollten alles. Und nicht weniger. Wir wollten die Welt verändern, wir wollten dieses Haus am Meer …” Der Drang ihrer Lunge, Luft zu schnappen, unterbricht sie. Weiterlesen… »

25.10.2011, 11:51
Vollendung

In der Stille
deiner Arme
beginnt mein
Traum

Vergiss
wer du bist
und ich vergess’
was ich haben
will

Lass!
Lass uns
eins
nur sein:
Eins

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29.09.2011, 17:27
Von Blumen und Herzen

Ich habe meine Klausur überlebt, das war’s dann auch schon. Wir wurden über zwei Stunden mit Fragen konfrontiert, die weit über den Vorlesungsstoff hinaus gingen. Man könnte fast meinen, der Professor hätte es in seiner Leidenschaft für seine Teildisziplin der klinischen Psychologie und Psychopathologie darauf angesetzt, durch ein geheimes Selektionsverfahren herauszufinden, welches seiner Küken eigentlich die echte Leidenschaft dazu besaß, aus völlig reduzierten Informationen schon in der Profiliga diagnostische Schlussfolgerungen zu ziehen. Na, dann sei’s drum. Ich habe alle Fragen beantwortet, nur wie ich sie beantwortet habe, weiß ich nicht. Ich kann ja noch nicht einmal in meinen Unterlagen nachschauen, denn einiges war gar nicht Vorlesungsstoff. (So, ich setze mal kurz meine Antiverzweiflungs-Lächeltherapie ein, die wirkt immer. Danke Ally McBeal!)

Nach der Klausur bin ich – fertig mit den Nerven, aber dennoch nicht davon abzubringen – in das Einkaufszentrum meiner Stadt gefahren und bin verwahrlost in diversen Mayersche Buchläden hängen geblieben. Ich fragte irgendwann – einfachso – nach Psychologie Lehrbüchern (warum, weiß ich echt nicht). Der nette Mann an der Information verwies mich in die Esoterik-Ecke. Ich dachte, ich spinne. In den meisten Buchhandlungen (z.B. in der großen Mayersche nur paar Meter weiter) sind die Psychologiebücher neben den Medizinbüchern oder Biologiebüchern. Auch der letzte Heini hat inzwischen verstanden, dass die Psychologie sich von den Geisteswissenschaften quasi abgewandt hat und in die empirischen/ja, fast naturwissenschaftlichen Wissenschaften (komisches Wort: naturwissenschaftlichen Wissenschaften!) hineingerutscht ist, wenn auch noch nicht ganz – so störungsfrei können wir leider noch keine Prognosen erstellen. Trotzdem, in die Esoterik-Ecke gehören wir nun wirklich nicht. Ich habe den Mann freundlich darauf aufmerksam gemacht, woraufhin er nur unwissend die Schultern hoch- und ab gehoben und gesenkt hat. Ich habe leider das Augenrollen nicht abgewartet, sondern ihn direkt daran teilhaben lassen, woraufhin er dann meinte: “Tut mir Leid, ich kann da nichts für.” “Das habe ich auch nicht behauptet, das weiß ich doch. Aber vielleicht wäre es ganz gut, wenn Sie dem Verantwortlichen einfach Bescheid geben. Ich möchte nicht versnobt klingen, aber ich finde, eine so berühmte Buchhandlung darf sich nicht diskreditieren und Psychologie neben Esoterik und Lebensratgebern hinstellen. Und Räucherstäbchen.” (Hatte ich gar nicht erwähnt, da waren Räucherstäbchen) “Das wirft kein gutes Licht auf Sie. Geschweige denn auf das Fach Psychologie.” Ich musste selber schmunzeln. Wie sehr ich doch schon Psychologin war, dass ich mich so in meiner Ehre gekränkt fühlte. Der Typ hat trotzdem nichts kapiert, und ich dachte nur: Okay, als Bücherkenner muss man wohl kein Wissenskenner sein. Scheiß drauf. Weiterlesen… »

16.09.2011, 03:24
Deine ruhenden Hände

Manchmal frage ich mich, warum du die Melodien liebst, die du liebst, und warum sie immer so still und in sich vereint sind – so wie du es bist. Und ich frage mich, warum du so sehr damit wartest, einige deiner Träume zu erfüllen – sie stattdessen beim Hören deiner Lieder mit geschlossenen Augen auskostest, um sie auf einen anderen Morgen zu vertrösten. Manchmal denke ich, ich sei der Grund, dass du zu nichts kommst, was dein eigenes Herz begehrt. Pscht, sag’ jetzt nicht, ich sei alles, was dein Herz begehre. Du drehst dich viel zu sehr um mich. Tag ein, Tag aus. Stets en guard, um abzufangen, was mich zum Einstürzen bringen will – wie als sei ich ein antiques Gebäude aus den Resten einer alten Ruine. Während du mit der einen Hand meinen Feinden und Angstdämonen die Hände abschlägst, hältst du mit der anderen meinen müden Körper mit seinem hinaus fallenden Geist verzweifelt fest. Wovor hast du Angst? Dass er in wild verspielten Perlen in alle Windrichtungen auf den Boden aufprallt und sich fortstehlen könnte? So dem Wahn verfallen bin ich noch nicht, mein Herz. Pscht, glaub’ mir einfach, vertrau’ mir, sag’ jetzt nichts.

Manchmal denke ich, es sei besser, deine müden Hände zur Ruhe zu küssen. Sie zu entmachten, sie von all den Kämpfen los zu lösen und sie mir zu übergeben. Sie auf meine Wangen zu legen und dein Herz vom Schutzmantel meiner Liebe hin- und her zu wiegen. Sollen wir? Wenn du das nächste Mal wieder gegen die schwarzen Dämonen meiner Angst kämpfen willst, wirf dein Schwert einfach fort. Lass mich das erledigen, ich kenne ihre Schwächen gut, du wirst sehen. Schau’ dabei zu, wie deine Frau gar nicht mal so eine schlechte Kriegerin ist. Und pscht, sag’ nicht, du wüsstest das schon, nur wolltest du nicht, dass ich auch noch um mich kämpfen muss neben all den Kämpfen, die ich so schon führ’ um Gott und für die Welt. Für Gott und um die Welt. Gegen Gott und gegen die Welt. Doch glaub’ mir, mein Herz, ich werde niemandem helfen können, wenn ich meine eigenen Dämonen nicht einmal selbst besiegen kann. Lass also ab, schau’ das nächste Mal nur zu, damit wir danach mehr als nur einen Augenblick der Ruhe finden. Nur ich, nur ich kenne das dazu geschliffene Schwert, um diese dunklen Schatten in ihrem eigenen Schwarz zu ersticken und sie schreiende Galle bluten zu lassen. Nur ich. Pscht, sag’ nichts außer “Ja”. Lass deine müden Hände auf meinen Wangen ruhen und dein Herz vom Schutzmantel meiner Liebe in einen traumlosen Schlaf wiegen. Komm’. Jetzt. Komm’… Weiterlesen… »

30.08.2011, 19:57
[ArtPics] Romero Redondo

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