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28.10.2011, 20:54
In sich gekehrt

Heute scheine ich vor allem die Einsamkeit eingefangen zu haben. Außer bei Mutter und Sohn erscheinen mir alle gedankenversunken, von ihrer Umgebung isoliert und müde vom Versuch, eine Verbindung zu den anderen und ihrer Welt einzugehen.


25.10.2011, 11:51
Vollendung

In der Stille
deiner Arme
beginnt mein
Traum

Vergiss
wer du bist
und ich vergess’
was ich haben
will

Lass!
Lass uns
eins
nur sein:
Eins

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23.10.2011, 10:13
Die Welt hinter der Welt

Es ist zwecklos, meinen Traum auch nur annähernd beschreiben zu wollen, es wird mir nicht gelingen, es wird ihn verändern, es wird ihn banalisieren. Und doch will ich es versuchen, er ist zu kostbar, um ihn nur für mich zu behalten. Ich bin direkt aus dem Bett wie in Trance hierhin gekommen, um zu teilen, was ich sah. Bevor ich das Gefühl für Realität wieder erlange.

Leoparde saßen da. Ein wissendes Paar. Waren sie Geschwister oder Liebende? Sie waren beides. Ihrem Fell konnte ich als Beobachterin ganz nah kommen. Roch an ihrer Macht und empfing als Antwort nur ihre Sanftmut. Sie schienen zu wissen, wer sie sind. Und sie schienen zu wissen, dass sie alles sind. Sie waren satt, denn jagen wollten sie nicht. Sie waren intelligent, denn die Natur verändern, das wollten sie nicht. Die Tiere, die sie gejagt hatten, fühlten ihr Leben nicht umsonst in ihren säursprühenden Mägen zu Ende gehen. Das kleine Reh, das sie ab und an entwischen ließen, war die von uns verstandene Wohltat, das Spenden, um der Erde für ihre Vielfalt zu danken. Und der Mutter ihr Kleines zu lassen.

Sie schauten in die Ferne. Die weibliche Suchende, der männliche Wollende. Und doch, ihre Seelen waren gezähmt. Trotz ihrer Zähne und den umrahmten Augen, waren sie nicht so, wie wir sie sonst sahen, wenn wir sie aus den Augen eines Menschen betrachteten. Sie waren sanft, gezähmt und Zähmende. Ich ging ganz nah zu ihnen, ließ mein Gesicht in ihr weiches Fell reintauchen, roch an ihnen, weinte vor Liebe. Ein Leben aus Wärme und Sonnengold war ihr Fell. Die schwarzen Flecken, das waren kleine Streichler, sie umlauerten diese spirituellen Jäger und küssten sie, liebten sie, wollten sie für sich selbst und doch der Welt ihre Schönheit nicht verwehren. Jeder sollte wissen, wie gut die Mutter Erde zu allen war. Wie gut es war, zu sein, wer man war. Zu tun, was man tat, zu wollen, was man wollte, zu finden, was man suchte. Die Suchende legte ihr Gesicht in den Hals des Wollenden. Sie roch an ihm, wie ich an ihnen. Sie beobachteten in einem Gefühl vollkommener Freiheit die feuerrote Sonne beim untergehen und verharrten in der Stellung, bis sie wieder aufging. Sie nahmen mich wahr, reagierten aber nicht. So, als sei es immer so gewesen, dass ich – eine Fremde – mich an ihnen labte wie jemand, der Nahrung und Erkenntnis suchte.

Und trotzdem meldete sich mein Verstand. Was ich vorher wusste, wusste ich wieder nicht. Plötzlich doch nicht sicher, ob sie mich sahen oder nicht, pirschte ich auf allen Vieren vorsichtig vor ihre Füße und sah zu ihnen hinauf. Ihre Brust und ihre Hälse waren wie die einer Pharaonin, die stolz regierte. Ihr nach oben geneigtes Gesicht, zeichnete sie zu natürlichen Herrschern aus, doch sie empfanden keine Arroganz und nicht den Wunsch, zu degradieren, um zu herrschen. Denn sie waren, wer sie waren, und nichts mussten sie beweisen. Und niemandem mussten sie Rechenschaft ablegen. Und doch, da schien ein Bedauern in ihnen zu sein. Ein Bedauern darüber, dass sie stärker waren und ihrer Stärke von Menschen mit Furcht begegnet wurde. Ich kniete vor ihnen nieder und ließ meinen Kopf sinken. Ich wollte ihn tief in die Erde vor ihre Füße drücken, ihnen sagen, ich wolle von ihnen gefressen werden. Ich flüsterte ein Gebet, und das Ende dieses Gebetes war “Möge ich euch schmecken …” Doch sie bemerkten mich nicht, und wenn, so wollten sie mein Opfer nicht annehmen. Und ich wiederholte mein Gebet, und das Ende dieses Gebetes war wieder “Möge ich euch schmecken. Denn ich will ein Teil von euch sein. Ein Teil von euch. Gewährt es mir. Bitte …” Weiterlesen… »

10.10.2011, 07:59
Atemstillstand

Halt’ den Atem an
Leg’ die Wege still
Ein Traum vergeht
Denn du, du schreist
Dabei war’s Zeit
Zu ihm zu gehn’.

Halt’ die Sterne an
Leg’ ihr Licht
in dir nun
frei
Die Zeit vergeht
Weil du nur rennst
Dabei war’s gut
als du
in kleinen Schritten
große Hürden
fingst.
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07.10.2011, 12:11
Endstation

Das erste große Zwischenziel war erreicht. Die junge Frau schaute vom Ganzkörperspiegel ungläubig auf die Waage und dann wieder in den Spiegel. Sollte das wirklich wahr sein? Hatte sie tatsächlich die Dreistelligkeit überwunden? Sie ging wieder runter und wieder rauf, wieder runter und wieder rauf – so, wie sie es in ihren Fitnesskursen tun musste, bei denen sie sich körperlichen Qualen stellte, um sich besser zu fühlen. Versprach man ihr zumindest. Die Waage zeigte jedesmal genau 99,8 Kilogramm an. Eine Zahl, die sie nicht fassen konnte. “Ich bin zweistellig. Zweistellig!”, rief ihr Kopf und steckte fast ihre Stimmbänder an. Ab jetzt würde alles besser werden.

Sie traf sich mit ihrem Freund, der ihr glückliches Strahlen nicht deuten, aber sehr wohl wie eine kostbare Rarität genießen konnte. Er liebte ihr weißes Porzellangesicht und ihren Blondschopf. Vorsichtig nahm er sie in den Arm und bemerkte, dass sie ihn nicht zuckend von sich und ihrem Körper wies. Das tat sie nie durch einen deutlichen Wegschubser, sondern durch eine widerstandsvolle Verspannung, die sie zu einem unangenehm unweichen Umarmungsobjekt machte – und das trotz ihrer Pfunde. Diesmal blieb sie jedoch weich und ließ sich sinken. Was sechshundert Gramm bewirken konnten, würde niemals in den Kopf eines Mannes gehen. Viel mehr würde es am Logik-Verstand-Zoll scheitern und kopfschüttelnd zurück gewiesen werden. Also erzählte sie es ihm gar nicht erst. Sie peilte in lebendigen Gedankenbildern schon ihr Endziel an, während ihr Freund “ein Abendessen in unserem Lieblingsrestaurant” vorschlug, das sie schon lange nicht mehr besucht hatten. Ihre Miene verdunkelte sich wie als hätte es einen Zusammenstoß zweier Wolken gegeben, die sich vorgenommen hatten, das Mondgesicht der Sonne zu verdecken. Essen war keine gute Idee, war es nie – nie bei ihr. Ihr entglitt dabei oft die Kontrolle. Was, wenn sie morgen wieder zweihundert Gramm mehr wog und ihre Zweistelligkeit verlor? Andererseits waren die WC’s in ihrem Lieblingsrestaurant immer tip-top-sauber. Dort ließe sich die Durchfahrt durch die Magen-Darmpassage zum Lageraum der “Energiereserven” gut verhindern und die Resorption jeglicher Nährwerte abfangen. Also nahm sie die Einladung mit einem vorfreudigen Lächeln an und ließ sich weiter und weicher als zuvor in seine Umarmung sinken. Weiterlesen… »