Letzte Nacht träumte ich einen Traum, den ich mit Euch teilen will. Ich kam an einen Ort an, den ich nicht anders als paradiesisch nennen kann. Mitten in einer Szenerie eines türkis-blauen Meer-Sees mit einem starken Wasserfall und einer Atemluft, bei der ich das Gefühl hatte, ich könne aufgrund ihrer Reinheit abheben. Umrahmt vom Grün der Büsche und der exotischen Bäume, großen, schönen Blüten, Früchte und sorglosen Tiere, fühlte ich eine Ergriffenheit, die ich kaum beschreiben kann. Ich stand machtlos gegenüber dieser Schönheit da, betrachtete dieses Kunstwerk, das sich ständig durch die Geburt neuer Flora und Fauna selber erschuf und dachte nur daran, wo denn meine Kamera sei, ich müsse all das doch irgendwie festhalten, konservieren wie ein lebloses Gebilde. Als ich sie suchte und nicht fand, tastete ich mich zu meiner Tasche und suchte nach meinem Handy. Ich holte es hastig raus und sah, ich habe keinen Empfang. Angst stieg in mir auf, mein Herz setzte kurz aus. Das Wissen, dass ich hier ganz alleine war und niemand mich mit dem Auto finden und abholen würde, weil es nicht einmal einen Straßennamen oder Ortsnamen gab, machte mich hektisch. Also suchte ich nach meinem Navigationssystem. Die GPS Koordinaten müssten doch drauf sein und es würde mich schon irgendwie zurück in die Geborgenheit bringen: Zurück in die Stadt. Doch ich fand es nicht. In meiner anderen Tasche kramte ich hastig mein Notebook raus und hoffte auf Internetempfang. Eine SOS Email könnte ich ja schicken, Peyman per Facebook benachrichtigen und ihm sagen, in was für einer lebensbedrohlichen Lage ich doch war, ihm aufgeregt erzählen, dass ich mitten in einem Paradies stehe, ohne nichts, ohne Verbindung, ohne den Weg nach Hause und was noch schlimmer war: Mit mir allein! Achwas, ich würde diese Eilmeldung gleich in meinen Status schreiben, damit alle Bescheid wüssten. Damit die Wahrscheinlichkeit steigen würde, dass sich gleich die ersten Leute auf den Weg machen würden in diese gottverlassene Gegend ohne nichts als Bäumen, Blumen, Seen und Ruhe.
Mein Herz raste. Alles, was im ersten Augenblick majestätisch schön war, war nun grässlich bedrohlich. Das Wasser im Meeres-See wurde plötzlich zum reißenden Meer. Fremdartige, tentakelgleiche Tiere würden gleich mit ihren tausend Krallen rausspinksen und mich anvisieren. Unfassbar gefährliche Tiefseekreaturen, hässliche Aale, windige Haie, die meine Angst rochen – all diese Kreaturen würden mich einfangen und fressen wollen, so wie wir Menschen es immer taten. Hinter mir spaltete sich lautlos die Erde und Treppen taten sich auf, die leider nur noch unten führten, nicht nach oben. Also raste ich sie runter, in der Hoffnung, irgendwann doch bald auf eine Autobahn zu treffen, auf Züge, Bahnen, Lärm und zu große Menschenmassen – alles soviel weniger bedrohlich als diese Idylle von Natur. Natur. Oder Natur-Gewalt. Weiterlesen… »
Der Boden ist steinig. Wie immer. Glatt gebügeltes, glatt geprügeltes Grau unter meinen Füßen erfüllt seinen Sinn. Wie immer. Ein weißer, breiter Streifen durchzieht den ganzen Raum und sagt mir, dass ich diese Grenze nicht übertreten darf, sonst würde mich die S-Bahn erfassen. Ich gehorche ihm, wie immer.
An einem ganz normalen, kalten und nieselregenden Tag fliehe ich in den Schutz der U-Bahnstation. Dort bleibt mein Blick an einem Mann haften, der auf einer Bank sitzt. Drei Plätze neben ihm sind frei. Die Station ist prappevoll. Und obwohl sich die Menschen platz- und ruhesuchend trotz ihrer Wildfremdheit aneinander pressen, bleibt er allein. Ich gehe hin und her, schaue auf die digitale Bahntafel und horche der vertrauten Stimme und ihr mechanisches Echo, die mir sagt, welche Bahn gleich kommt. Meine jedenfalls nicht.
Der Mann hat seinen Kopf in die Brust geneigt. Seine Hände sind trocken und rissig. Seine Klamotten sind alt, aber nicht alt genug, um davon auszugehen, dass er kein Zuhause hat. Er ist müde und abwesend. Aber nicht benebelt genug, um davon auszugehen, dass er Drogen genommen hat. Langsam hebt er seinen Blick, so als habe er einen Störenfried – ja mich – erwischt. Er peilt meinen Blick an, und da ich einen schwachen Tag hatte, schaue ich runter und greife hilfesuchend nach meiner Rettung: meinem Handy. Tipp, tipp, tipp. “Na, was machst Du so? Wie geht es Dir? Bist Du mit Deiner neuen Frisur zufrieden?” Smalltalk zugunsten eines “Schnell-Weg”-Walks.
Ich sehe, wie er den Kopf schüttelt und mich direkt dabei ansieht. Jetzt werde ich wütend, ich fühle mich betroffen, entblößt, zu Unrecht stigmatisiert, dabei weiß ich noch nicht einmal, was dieser jetzt doch obdachlos aussehnde, jetzt doch drogenabhängig wirkende Mann da von mir denkt. Ich suche entschlossen seinen Blick. Er soll wissen, dass auch ich ihn erwischt habe. Dabei verstaue ich mein Handy in meine Jackentasche, damit er auch weiß, dass ich keine Angst habe. Er beißt an. Er stiert in meinen Kopf hinein, so dass ich einen Druck darin verspüre. Ich merke, dass ich schwach werde, entweder mich zurückziehen oder die Flucht nach vorn’ ergreifen muss. Also tu’ ich Zweiteres, wie so oft. Ich kapituliere, indem ich ihn schroff frage, warum er mich denn so ansehe. Weiterlesen… »
06.03.2008, 00:53
Rosa Technik
Ich verstehe das einfach nicht! Man weiß, dass ich Rosa als Farbe sehr liebe. Man weiß auch, dass Rosa als Farbe mir steht (gut kombiniert, niemals durchgehend rosa). Aber warum bitte, warum sehen technische Geräte in Rosa so geil aus, dass ich fast sabbern muss? Und warum sind sie nicht essbar? Das Canon Baby ist so schön, es liegt so toll in der Hand, es schießt gute Fotos, es ist chique – es ist endlich mein!

01.05.2007, 02:16
Unsere Helden
Die Jahreszeiten wechseln immer schneller, die Wissenschaft macht Fortschritte, die Technologie erschafft Unglaubliches – aber die Prinzipien der Welt ändern sich dennoch nicht. Die Relationen wachsen, die Effekte sind radikaler, die Menschen zerstören unbeteiligter mit einem Knopfdruck der Körperzerfetzung, Massenvernichtungswaffen werden durch doppelmoralische Diplomatie mit Krawatte ersetzt, Grenzen werden nicht mehr mit dem Schwert erkämpft, sondern mit dem Lineal gezogen, Völker, die seit Jahrhunderten zusammenleben, fallen übereinander her und zerfetzen sich und lenken von den Raubzügen ab. Präzise, chirurgische Eingriffe in unseren Körpern verusachen andererseits neue Krankheiten, unsichtbare Organismen zerstören unsere Körper, die eigenen Zellen zerfressen Dich – und die Menschheit ist ratlos. Noch immer.
Neue Menschen kommen und erklären Dir die Liebe als biologischen Effekt der Fortpflanzungstriebe; also gehen alle ficken. Ficken drauf los, lassen sich ficken. Ficken. Ficken. Ficken, als würden sie pissen. Pissen. Dort in die Ecke, dann mal hier, dann mal oben, dann mal im Nirgendwo. Und man fragt “Warst Du pissen oder ficken?” – und die Antwort ist “Ups! Das weiß ich gar nicht mehr so genau.” Gesichtlos, skrupellos, blind.
Nach sovielen Jahren Evolution haben wir es nicht geschafft, die Prinzipien dieses Daseins zu verändern. Damals hatte man noch die Hoffnung, mit Liebe die Welt retten zu können. Aber da Liebe heute nur noch Ficken ist, haben wir nicht einmal mehr diese Waffe. Die Liebe hat sich ausgepisst.
Auf unser Wohl.
Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
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