Der Zwischenraum ist schwer zu ertragen. Schwere Wolken tanzen über uns wie ein Damoklesschwert an einem reißenden Faden der Wut und der Rachelust. Und dennoch sehen wir die Sonne über und unter uns fegefeuergleiche Strahlen werfen, ignorieren die Wolken und feiern ein falsches Fest des Lebens. Die Luft ist bunt und voll trügerischer Wärme. Menschen lachen, doch nippen zu lange an ihrem berauschenden Getränk, weil die falsche Sonne nicht ausreicht, um sie zu erhellen. Warum tun sie das? Weil sie wissen, dass das Schwert irgendwann, schon bald, schon nah oder auch fern, so oder so – egal, was auch immer sie tun – niederfallen wird, mit der Spitze in unsere Brust, in unser Herz, in unser Augenlicht, mitten durch die Herzschlagader. Warum dann einen unabwendbaren Weg auch noch beachten, wenn man ihn durch all das Heitere, Hedonistische und Ergreifende und Einverleibende pflastern und segnen kann? Wenn du die Wahl hast zwischen einem kargen Pfad voll blutiger Steine der Fußwege deiner Vorgänger, würdest du diesen wählen oder doch eher jenen über den falschen Garten mit den übergroßen Blumen der ungeübten Rauschsinne und des ewigen Vergessens?
“Greif’ das Leben”, sagte mir jemand Geliebtes aus der anderen Welt, als ich vor einem himmelweißen Schlagzeug stand, das glänzend und funkelnd durch die Fensterscheibe seine Schönheitsstrahlen warf. Ich dachte nur, niemals würde ich es schaffen, darauf zu spielen, mich darauf zu verausgaben. “Greif’ das Leben!”, sagte er erneut. Und das Leben zu greifen bedeutet nicht, sich während des Lebens noch vom Tod zermartern zu lassen. Ich will raus aus diesem Zwischenraum. Ein echtes Fortsein von der Erinnerung über das Damoklesschwert über mir durch die trügerische Buntheit der Welt – sinnlich und ohne Verstand. Denn egal, wie ich lebe, es wird niederfallen mit der Spitze in meine Brust, in mein Herz, in mein Augenlicht, mitten durch die Herzschlagader. Doch wenigstens ist die Zeit bis dahin eine, die so schön ist, dass ich ihren Verlust betrauern kann. So schön, dass ich weiß, ich muss loslassen, um zu sterben, denn da ist etwas, was ich loslassen kann – nämlich das Leben. Also hole ich mir das himmelweiße Schlagzeug.