14.11.2011, 21:55
Was nicht stimmt.
“Hast du gesehen? Es geht ihm schon wieder gut. Das Leben geht weiter, sagt er. Und das ist der Lauf der Dinge, und man muss das akzeptieren, sagt er auch! Und dass das okay so ist. O-k-a-y.”
“Ja, ich weiß, ich weiß. Ich hab’ auch mit ihm gesprochen.”
“Was stimmt mit uns nicht? Was nur?”
“Vieles.”
“Ja, was?”
“Wir haben anders geliebt. Mit unserem Leben. Und wenn wir mehr gehabt hätten, dann auch damit. Das stimmt mit uns nicht. Würdest du das rückgängig machen, wenn du könntest?”
“Nein, niemals.”
“Siehst du? Auch das stimmt mit uns nicht. In Kauf nehmen, was uns zerstört, weil wir nichts Halbes ertragen.”
Die andere nickt. Sie essen weiter.
31.07.2011, 12:24
Zwischenraum
Der Zwischenraum ist schwer zu ertragen. Schwere Wolken tanzen über uns wie ein Damoklesschwert an einem reißenden Faden der Wut und der Rachelust. Und dennoch sehen wir die Sonne über und unter uns fegefeuergleiche Strahlen werfen, ignorieren die Wolken und feiern ein falsches Fest des Lebens. Die Luft ist bunt und voll trügerischer Wärme. Menschen lachen, doch nippen zu lange an ihrem berauschenden Getränk, weil die falsche Sonne nicht ausreicht, um sie zu erhellen. Warum tun sie das? Weil sie wissen, dass das Schwert irgendwann, schon bald, schon nah oder auch fern, so oder so – egal, was auch immer sie tun – niederfallen wird, mit der Spitze in unsere Brust, in unser Herz, in unser Augenlicht, mitten durch die Herzschlagader. Warum dann einen unabwendbaren Weg auch noch beachten, wenn man ihn durch all das Heitere, Hedonistische und Ergreifende und Einverleibende pflastern und segnen kann? Wenn du die Wahl hast zwischen einem kargen Pfad voll blutiger Steine der Fußwege deiner Vorgänger, würdest du diesen wählen oder doch eher jenen über den falschen Garten mit den übergroßen Blumen der ungeübten Rauschsinne und des ewigen Vergessens?
“Greif’ das Leben”, sagte mir jemand Geliebtes aus der anderen Welt, als ich vor einem himmelweißen Schlagzeug stand, das glänzend und funkelnd durch die Fensterscheibe seine Schönheitsstrahlen warf. Ich dachte nur, niemals würde ich es schaffen, darauf zu spielen, mich darauf zu verausgaben. “Greif’ das Leben!”, sagte er erneut. Und das Leben zu greifen bedeutet nicht, sich während des Lebens noch vom Tod zermartern zu lassen. Ich will raus aus diesem Zwischenraum. Ein echtes Fortsein von der Erinnerung über das Damoklesschwert über mir durch die trügerische Buntheit der Welt – sinnlich und ohne Verstand. Denn egal, wie ich lebe, es wird niederfallen mit der Spitze in meine Brust, in mein Herz, in mein Augenlicht, mitten durch die Herzschlagader. Doch wenigstens ist die Zeit bis dahin eine, die so schön ist, dass ich ihren Verlust betrauern kann. So schön, dass ich weiß, ich muss loslassen, um zu sterben, denn da ist etwas, was ich loslassen kann – nämlich das Leben. Also hole ich mir das himmelweiße Schlagzeug.
03.08.2010, 22:09
Ergraute Wälder
Die Wälder sind vom Schicksal ergraut
Und die Häupter der Bäume
zum harten Boden geneigt
Ihre alten, gebrechlichen Äste knacken laut
Und hoffen auf jenen, der sich zu ihnen gesellt
Und nicht wie all die andern’ klanglos wegschaut
Die Lebenswege weichen einem endlosen Ende
Und leise Schritte verstummen in einem aschigen Winde
Die Sehnsucht seufzt
und krallt sich am letzten Herzschlag fest
Und während die Luft voller Widerwille
das letzte Mal die Lunge verlässt
Lassen ängstliche Hände ab von allem,
was sie schon immer hielten so fest
Die Lider legen sich tiefschattiert ins Gesicht
Und das Beben des Lebens verneigt sich vor dem Tod
Wie ein sich Ergebender nach einem großen Gefecht
Und während der dunkle Himmel
seinen Lebenssaft auf Wälder und Täler verliert
Verliert ein Mensch von vielen
sein ganzes Leben
und seinen ganzen Sinn
05.06.2008, 12:48
Geschützt: Juni…
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09.11.2007, 13:07
Wie sie fallen…
~ Esperanza Fernandez – Gelem Gelem ~
Draußen ist es so schrecklich traurig. Normalerweise genieße ich die herbstliche Melancholie, das fallende Rot und Gelb, das karge, aber strotzende Grün. Doch dieses Jahr ist es anders. Jeder Fall auf den rot-gelben Boden tut mir unendlich weh. Ich sehe die Blätter nicht nur mit einem milden Lächeln fallen und sie im kommenden Frühling wieder auferstehen, nein. Diesmal ist es anders. Ich sehe sie einzeln sterben. Jeden Einzelnen sterben. Sie sterben – und die neuen Blätter werden niewieder die Selben sein.
Noch sind ihre Körper feucht, ihr Leben pulsiert noch, obwohl sie unten auf dem Laubberg nicht mehr um ihr Leben kämpfen. Wenn ich sie anfasse, sind sie glatt und riechen wohlduftend. Sie sind weich und schmiegen sich in meine Handform in der Hoffnung, aus meinem Blut noch einwenig Leben zu erhaschen. Nein… Das stelle ich mir nur vor, weil ich ein Mensch bin und mit dem Tod im Kampf stehe. Ich ihn einfach nicht als Teil des Kreislaufes akzeptieren kann. Das sterbende Herbstblatt in meiner Hand jedoch ist anders. Während es in meiner Hand zuneige geht und seine letzten Sekunden an meiner fürsorglichen Wärme genießt, weiß es, dass es schon sehr bald trocken in meiner Hand zerbröseln wird und seinen Körper der Natur freigibt, damit sie sich von ihr ernährt. Nur ich stehe da und frage mich, warum es nicht mehr da ist. Und wie es sein kann, dass soviel vergeht – von Mensch zu Tier, von Blume zu Laub, von Augenblick zur Ewigkeit.
Selbst ein Laublatt ist weiser als ich es je sein werde. Denn diese Fragen stellt es sich nicht..
Mögest Du in Frieden ruhen. Eines Tages werde auch ich bei Dir sein und hoffentlich meinen inneren Frieden kurz vor den offenen Toren spüren. So wie Du. Und dann hoffe ich, dass auch ich meine Wange an eine liebende Hand laben kann und lächelnd meinen Abschied in die Luft küssen darf…
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04.10.2007, 20:06
Finally…
Eigentlich möchte ich zu diesem Bild nichts sagen. Nur, dass es für Andere vielleicht eher bedrückend ist, für mich aber eine schöne Situation darstellt.
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Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
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