Posts Tagged ‘Tod’
12.05.2012, 10:53
Warten

»Was wollt ihr die
Erde röten?
Womit wollt ihr
sie nähren?
Mit Zukunft?
Wie, wenn ihr den Tod
uns bringt?«

Schleichende Soldaten
Vielgeritten das Recht
der anderen
auf’s Wachsen

Bleiben sie
dieses eine Mal nur
Zuhause

Trinken Wein
und warten

Und dann: Frieden.

19.04.2012, 01:25
Geschützt: Entmachtung

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11.04.2012, 17:35
Zu weit gegangen

Wir waren verloren
Doch sahen sie’s nicht
Wir hatten gekämpft
Doch das Ende fanden
wir nicht

Das Leben das zeigte
All seine Schönheit uns
Obwohl wir ihm dankten
Verabschiedete es uns

Die Stimmen der Chöre
Vergingen im Staub
Die Geschichte war fahl
Die Wahrheit ging aus

Wenn die Lichter versinken
Das Laub auf uns fällt
Wenn Nachtgebete weinen
und keine frohe Botschaft mehr
unsere Häuser erhellt

Weiß ich doch eins:
Wir sind den einen Schritt
Zu zweit gegangen

Und sind am Ende aller Wege
noch den einen Schritt
Zu weit gegangen

14.11.2011, 21:55
Was nicht stimmt.

“Hast du gesehen? Es geht ihm schon wieder gut. Das Leben geht weiter, sagt er. Und das ist der Lauf der Dinge, und man muss das akzeptieren, sagt er auch! Und dass das okay so ist. O-k-a-y.”
“Ja, ich weiß, ich weiß. Ich hab’ auch mit ihm gesprochen.”
“Was stimmt mit uns nicht? Was nur?”

“Vieles.”
“Ja, was?”

“Wir haben anders geliebt. Mit unserem Leben. Und wenn wir mehr gehabt hätten, dann auch damit. Das stimmt mit uns nicht. Würdest du das rückgängig machen, wenn du könntest?”

“Nein, niemals.”
“Siehst du? Auch das stimmt mit uns nicht. In Kauf nehmen, was uns zerstört, weil wir nichts Halbes ertragen.”
Die andere nickt. Sie essen weiter.

31.07.2011, 12:24
Zwischenraum

Der Zwischenraum ist schwer zu ertragen. Schwere Wolken tanzen über uns wie ein Damoklesschwert an einem reißenden Faden der Wut und der Rachelust. Und dennoch sehen wir die Sonne über und unter uns fegefeuergleiche Strahlen werfen, ignorieren die Wolken und feiern ein falsches Fest des Lebens. Die Luft ist bunt und voll trügerischer Wärme. Menschen lachen, doch nippen zu lange an ihrem berauschenden Getränk, weil die falsche Sonne nicht ausreicht, um sie zu erhellen. Warum tun sie das? Weil sie wissen, dass das Schwert irgendwann, schon bald, schon nah oder auch fern, so oder so – egal, was auch immer sie tun – niederfallen wird, mit der Spitze in unsere Brust, in unser Herz, in unser Augenlicht, mitten durch die Herzschlagader. Warum dann einen unabwendbaren Weg auch noch beachten, wenn man ihn durch all das Heitere, Hedonistische und Ergreifende und Einverleibende pflastern und segnen kann? Wenn du die Wahl hast zwischen einem kargen Pfad voll blutiger Steine der Fußwege deiner Vorgänger, würdest du diesen wählen oder doch eher jenen über den falschen Garten mit den übergroßen Blumen der ungeübten Rauschsinne und des ewigen Vergessens?

“Greif’ das Leben”, sagte mir jemand Geliebtes aus der anderen Welt, als ich vor einem himmelweißen Schlagzeug stand, das glänzend und funkelnd durch die Fensterscheibe seine Schönheitsstrahlen warf. Ich dachte nur, niemals würde ich es schaffen, darauf zu spielen, mich darauf zu verausgaben. “Greif’ das Leben!”, sagte er erneut. Und das Leben zu greifen bedeutet nicht, sich während des Lebens noch vom Tod zermartern zu lassen. Ich will raus aus diesem Zwischenraum. Ein echtes Fortsein von der Erinnerung über das Damoklesschwert über mir durch die trügerische Buntheit der Welt – sinnlich und ohne Verstand. Denn egal, wie ich lebe, es wird niederfallen mit der Spitze in meine Brust, in mein Herz, in mein Augenlicht, mitten durch die Herzschlagader. Doch wenigstens ist die Zeit bis dahin eine, die so schön ist, dass ich ihren Verlust betrauern kann. So schön, dass ich weiß, ich muss loslassen, um zu sterben, denn da ist etwas, was ich loslassen kann – nämlich das Leben. Also hole ich mir das himmelweiße Schlagzeug.