Posts Tagged ‘Trauer’
25.01.2012, 08:12
Die Badende

Ein Meisterwerk von Mietze. Es hat mich direkt ergriffen und nicht mehr losgelassen.

28.12.2011, 03:02
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Dreihundertundachtzig Tage sind wir hier. Du siehst die Veränderungen in und an uns. Und du denkst noch immer, wir seien gewappnet gegen die Spuren der Zeit? Vielleicht solltest du aufwachen, oder vielleicht auch nicht, ich weiß es nicht. Dir scheint es in deiner Unbekümmertheit offensichtlich besser zu gehen, ewig besser zu gehen als mir. Wie ich das hasse. Dreihundertundachtzig Tage, und ich denke mir, wir sollten getrennte Wege gehen, weil wir sie schon immer gegangen sind, nur nicht offiziell, und ich will es endlich greifbar echt haben, damit ich raus kann, atmen und wieder auf eine Zukunft hoffen kann. Es langweilt mich, hier zu sitzen, deinen Geschichten zu lauschen, dabei interessiert zu tun und aufmerksam und eine Art sanftmütige Mütterlichkeit auszustrahlen. Was interessieren mich gezüchtete Kampfhähne? Das ist öde. Und hätte ich noch einen Funken Menschlichkeit in mir, würde ich sogar empört darüber sein. Dreihundertachtundachtzig Tage, und hundertneunzig davon habe ich alles versucht, um mich dir zu verwehren. Deine halbgare Lust widert mich an, deine programmatisch ablaufenden Handlungen, um mich rumzukriegen, lassen mich denken, ich habe es mit einem Einzeller zu tun, der in kleinschrittigen Instinkthandlungen agiert, alles tut, nur nicht denkt – geschweige denn es fantasievoll tut. Was bist du nur. Ein Parasit, der sich in ein menschliches Skelett eingenistet und die Steuerung des Großhirns übernommen hat, ja, so kommst du mir vor. Ich schlafe nicht mit Parasiten. Geh’ ins Rotlicht, lass mich das meinetwegen zahlen, ich würde es tun. Ich werde dich verlassen, die Anzahl der Tage nicht mehr überschreiten. Drehundertundachtzig. Unerträglich. Weiterlesen… »

27.12.2011, 03:09
Die Zukunft feiern

Zu Weihnachten und zum neuen Jahr möchte ich euch ein paar Worte hinterlassen, aber es sind nicht meine eigenen, denn ich finde keine. Es sind dafür jene von Little Bee, einem nigerianischen Mädchen aus dem Roman von Chris Cleave – und ich finde, sie haben mit Weihnachten zu tun, ja. Und damit, dass wir Weihnachten so feiern, wie wir es feiern, prunkvoll, warm, heimelig und schön glitzernd. Und sie haben mit dem neuen Jahr zu tun und was es für uns bedeutet. Nämlich unsere Zukunft. Wir feiern unsere Zukunft, den ersten Tag von einer Zukunft, die besser sein wird als unsere Gegenwart. Deshalb möchte ich euch sagen, was Little Bee über die Freiheit und die Zukunft zu erzählen hat. Auf geht’s. Ich tippe nun ab:

“[...] Ein Hund muss ein Hund sein und ein Wolf ein Wolf – so lautet ein Sprichwort bei mir zu Hause. Eigentlich sagen wir das gar nicht bei mir zu Hause. Warum sollten wir ein Sprichwort über Wölfe haben? Bei uns gibt es zweihundert Sprichwörter über Affen und dreihundert über Cassava. Wir sagen Kluges über die Dinge, die wir kennen. Aber mir ist aufgefallen, dass ich in eurem Land alles sagen kann, solange ich hinzufüge: So lautet ein Sprichwort bei mir zu Hause. Dann nicken die Leute und schauen ernst drein. Es ist ein guter Trick. Für Sarah ist Freiheit eine lange Zukunft, in der sie das Leben ihrer Wahl leben kann. Ein Hund muss ein Hund sein und ein Wolf ein Wolf und eine Biene eine Biene. Für ein Mädchen wie mich bedeutet Freiheit, einen Tag nach dem anderen lebend zu überstehen.

Die Zukunft ist noch eine andere Sache, die ich den Mädchen bei mir zu Hause erklären müsste. Die Zukunft ist der wichtigste Exportartikel meines Landes. Sie verschwindet so schnell über unsere Seehäfen, dass die meisten meiner Leute sie nicht kennen und gar nicht wissen, wie sie aussieht. In meinem Land besteht die Zukunft aus Goldnuggets, die in den Felsen versteckt sind, oder sie liegt in dunklen Reservoirs tief unter der Erde. Unsere Zukunft verbirgt sich vor dem Licht, aber eure Leute kommen zu uns mit dem Talent, sie ausfindig zu machen. Auf diese Weise wird unsere Zukunft Stück für Stück zu eurer Zukunft. Ich bewundere eure Zauberkunst, weil sie so subtil und vielfältig ist. In jeder Generation ist der Förderprozess anders. Es stimmt, dass wir naiv sind. In meinem Dorf waren wir beispielsweise überrascht, dass man die Zukunft in 42-Gallonen-Fässer pumpen und in eine Raffinerie abtransportieren kann. Weiterlesen… »

06.12.2011, 11:20
Geschützt: Das Leben in uns

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20.11.2011, 17:31
Little Bees Augen

Manchmal, da ist das eben so. Da fragt dich niemand Warum und Weshalb, und überhaupt. Da fragt niemand niemanden, und alle schweigen sich an, indem sie lachen und über das Wetter reden. Ich weiß nichts, und ich will auch nichts wissen. In meinem Kopf hämmert es. Vielleicht hätte ich das Buch nicht lesen dürfen. Und dann auch noch zweifach. Abwechselnd alle Kapitel einmal auf Deutsch, dann auf Englisch – oder umgekehrt. Kapitel um Kapitel. Und ich weiß nicht, was ich tun soll. Ähnlich wie bei “Die durchs Feuer gehen” habe ich mich fast übergeben, nein, bei Ersteren habe ich mich wirklich übergeben. Nicht so übergeben, wie bman sich bei “Feuchtgebieten” und den gewollt ekelhaften Scheiß übergeben würde, sondern übergeben, weil man über etwas liest, das es nicht geben darf. Einfach nicht geben darf, weil es das nicht geben darf. Das muss als Grund reichen. Punkt. Weil es das nicht geben darf, und weil es das gibt. Da versucht er, mein Mann, mir zu sagen, dass diese Geschichte so nicht abgelaufen sei, dass es eine Erfundene sei, auch, wenn es Schlimmere gebe oder auch ähnliche, aber dass diese Person, nein, die nicht. Die gibt es nicht. Und ich denke nur “Geh’, lass mich in Ruhe.” Ich weiß Bescheid, will ich ihm entgegen schmettern. Ich weiß Bescheid, dass das alles jetzt, jetzt, jetzt, j-e-t-z-t in diesen Sekunden mehrfach, hundertfach, tausendfach geschieht, und mehr als tausendfach. Denn jeden Tag, wenn einer dieser Menschen aufwacht, wird es sie verfolgen. Es wird sie verfolgen, bis es sie umbringt. Ich weiß Bescheid, will ich ihm sagen. Und ich will, dass er geht. Und er bleibt. Und ich bin erleichtert, dass er bleibt. Weiterlesen… »