Posts Tagged ‘Unileben’
22.11.2008, 22:32
Zahlen

Ich weiß, für Euch Normalos ist das nichts. Aber ich, als Mathe-Hysterikerin, quäle mich mit so einem Zeug richtig ab. Ich muss mich korrigieren: Ich quälte mich ab. Ich fange tatsächlich an, eine Art Bezug zu den zerquetschten Insekten auf weißem Papier (=Formeln und Gesetze) zu finden, der mir Sorgen bereitet. Ich habe gestern gemerkt, dass das Lösen von Aufgaben mich beruhigt. (Vor allem jetzt, da ich gemerkt habe, dass Excel auch “rosa” kann) Wie bitte kann das jetzt sein?

(Auszug aus meinen Statistikaufgaben, die ich am Montag auch noch vortragen muss):

Statistik

04.11.2008, 00:07
Männer und Pzycho[s]

Eine Notiz am Rande: Erdbeermarmelade als Dip für meine nackte Karotte schmeckt lecker! Unglaublich, dass ich es überhaupt gewagt habe, diese Kombination auszuprobieren. So wie als Kind, als ich diese Brotbeilage “Salami mit Nutella drauf” unbedingt probieren wollte und wirklich bis zur Pubertät daran hängengeblieben bin und auch nur deshalb aufgehört habe, weil ich irgendwann anfing, Scham darüber zu empfinden, etwas lecker zu finden, das andere ekelhaft fanden. Dass es viel widerlicher war, sich stinkende Nikotinstäbchen in die Lunge zu pfeiffen oder nach Dünger stinkendem Zeug zu rauchen und dabei wirres Zeug zu reden, ist mir nicht in den Sinn gekommen. Ich war halt jung, unsicher und hatte sowieso schon genug unter meinen Auswüchsen an waffenscheinwürdigen Kurven zu leiden, mit denen ich einfach (noch) nichts anzufangen wusste, weil ich mich nur für Fußball und delinquente Aktionen interessierte, die darin bestanden, mit meinen Kumpels Einbrüche in Schulen und Schwimmbädern zu planen, ohne dabei etwas mitgehen zu lassen. Nicht einmal die Klassenkasse. (Ja, es ging nur darum, die Aktion “erfolgreich” abzuschließen und dabei in Adrenalin zu ersaufen. Einmal habe ich es bereut, das war damals mit dem pferdegleichen Wachhund – aber das würde hier den Rahmen sprengen). Was ich eigentlich sagen wollte: Karotten / Möhren mit Erdbeermarmeladen-Dip sind eines Geheimtips würdig, nur achtet darauf, dass die Karotten eher süßlich sind – also mit Bitteren geht das ja mal gar nicht.

Jetzt zu meinem heutigen Tag: Als Psychologie-Student/In muss man 30 Versuchspersonenstunden ableisten. Das bedeutet soviel wie, dass man 30 Mal kostenlos als Laborrate für irgendwelche Experimente und Studien herzuhalten hat, um Teilnahmescheine zu sammeln, die man angeblich braucht, weil es ja interessant ist für Studenten, als Teilnehmer (eigentlich VPn = Versuchsperson) die “Methodenlehre” mal von Nahem zu beobachten und sich in die “Lage einer Versuchsperson hineinzuversetzen” – blabla. Kurz gesagt: Die Institute wollen Geld sparen und benutzen uns Studenten dazu, indem sie uns die Teilnahme an Experimente einfach als studienrelevante Pflicht auferlegen. Sie vergüten die Teilnahme meistens mit 3 bis 8 EURO und verschweigen uns, dass das normalerweise mehr gekostet hätte, hätten wir nicht dafür herhaltn müssen. Weiterlesen… »

22.10.2007, 15:45
Meine Ayse…

Eine meiner wenigen Freundinnen, die sich schon ab dem ersten Augenblick auf ewig in mein Herz gebrannt haben, ist Ayse. Egal, wie lange wir uns nicht sprechen oder sehen, wenn irgendetwas in mir schmerzt, ist sie oft die Erste, die schreibt: “Ich weiß nicht warum, aber ich musste gerade so an Dich denken. Und es tat weh, Azizam. Alles ok?” – Manchmal denke ich: Nichts kann sich je zwischen uns ändern, weil, wie sie sagt, unsere Herzen wirklich im selben Takt schlagen.

Unsere Erscheinung ist wirklich witzig. Ayse ist nur 1.60m groß und sehr, sehr zierlich. Ich hingegen 1.71m und bin bekurvter. Dennoch hat man uns immer “Die Zwillinge” genannt. “Ohje, die Zwillinge kommen. ACHTUNG!”…

Warum Achtung? Ja, gute Frage. Ayse und Ich – das war immer so eine Katastrophenkombination. Ich erinnere mich, wie wir in der Uni immer mitten in der Studentenmenge saßen und uns Dinge über unsere großen Lieben erzählten. Ihre große Liebe als Türkin war ein Perser, meine große Liebe als Perserin war ein Türke – und wir waren beide ständig in Trennungsschmerz verflossen durch die Zwei und konnten über unseren Schmerz lachen und weinen im selben Atemzug. Manchmal gingen unsere Lachattacken soweit, dass wir uns wälzend auf den Boden kugelten. Mitten im Philosophikum.

Wir essen beide furchtbar gerne. So gerne, dass wir eigentlich nur noch aßen, wenn wir in der Uni waren. Was haben wir nicht alles für Vorlesungen geschwänzt, nur weil wir das und jenes in allen möglichen Restaurants oder auch nur in der Mensa essen wollten. Um die Woche mit ihr ohne Schaden zu überstehen, musste ich an den Wochenenden immer fasten, um mein Gewicht halten zu können. Nur sie nahm nie zu, obwohl sie wollte. Sie wollte eigentlich ständig zunehmen und ich ständig abnehmen.

Alles, was wir taten, entpuppte sich als kleine Katastrophe im Alltag, weil wir, wenn wir zusammen waren, immer unglaublich hektisch waren. Ich ließ immer etwas fallen, weil ich immer etwas im Mund hatte, etwas anderes Essbares noch in der einen Hand, in der Anderen meine Ordner und eine Ayse, die irgendetwas stressiges redete und mir nebenbei ihren Schokoriegel durch die andere Seite meiner Mundöffnung reinschieben wollte. “ISS ISS, SHERRY! PATLARSIN INSHALLAH!” (“Mögest Du platzen” auf türkisch) Und ich zu Ihr: “Iss selbst, ISS! Beterekki enshallah!” (“Mögest Du platzen” auf persisch)

Unsere Gespräche waren immer so tief und emotional. Egal, was wir fühlten, wir fühlten so intensiv, dass… – und da wir alles in unserer Art, zu sehen, beim Anderen reflektierten, schwappten wir ständig über. Schwappten wir ständig über, weil die Art, wie wir die Welt, die Menschen und die Dinge sahen und empfanden, einfach überschwappen mussten, wenn sie endlich Verständnis im Anderen sahen. Und jeder sah uns dabei zu. Fasziniert von soviel Energie und Emotionalität. Man liebte uns zwei einfach. Manchmal als kleine, süße Schwestern, manchmal als begehrenswerte, aber nicht mehr zu rettende Mädchen…

Warum ich über Ayse schreibe? Ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass allein ihre Frage “Schatz, wie geht es Dir?” mein Herz leichter und glücklicher macht. Einfachso. Eine Freundschaft ohne Neid, ohne Konkurrenzkampf, ohne Lügen. Vorallem das ist mir wichtig: Ohne Lügen.

Wir machen wieder Istanbul-Pläne. Damals schon träumten wir, wie wir durch den Orient reisen und alles durch unsere Augen trinken und niederschreiben… Letztens meinte sie: “Schatz, es ist an der Zeit, dass wir unseren alten Traum erfüllen. Und zwar bald… Das muss ein Traum sein. Du und Ich in Istanbul. Durch unsere Augen sehen und dann die Musik abends… Wir müssen unseren Traum erfüllen. Es ist langsam an der Zeit, mein Schatz.”

Sie hat so Recht…