Manchmal zeigte sie ihm eine ganze Woche lang nicht einmal einen Hauch von Zuneigung. Keine Spur von einer inneren Überzeugung, dass sie ihre Gründe dafür hat, dass sie mit ihm zusammen war und nicht etwa mit dem übelriechenden Tankwart, der eine Kippe nach der anderen rauchte und die Kunden mit einem leicht sadistischen Lächeln Unbehagen bereitete. Das war jedoch auch immer die Zeit, in der sie körperlich viel Lust auf ihn empfand. Frei ließ sie sich, gab sich hin, warf ihren Kopf stöhnend in den Nacken und trieb ihn zu Höchstleistungen der Lust an, bis sie beide erschöpft in ihre Laken fielen. Jeder für sich.
Diese Vereinigung war kalt und so frei von tief-emotionaler Intensität, dass sie sogar ihm, der Lust hoch bewertete, zuwider war. So heiß es in der Luft auch war nach ihren Nächten, es war kalt in dem Vakuum zwischen ihnen. Er hätte in ihrer Leidenschaft durch jeden anderen ersetzt werden können, und sie hätte es nicht einmal bemerkt. War sie in dieser Phase der Distanz, so schlief sie nicht mit ihm, sondern schlief mit etwas, das sie befriedigte, nicht mehr und nicht weniger. Es gab keine Mittelwege, keine Symbiose zwischen einem „gemeinsam und animalisch“. Es war nur animalisch und einsam.
Manchmal, da war sie so. Diese Phasen dauerten jedoch nicht lange. Sie waren auch sonst nie so intensiv und greifbar wie dieses Mal. Sie zog sich Wochen lang hin, und er stand daneben, wie hinter einer Scheibe, und erreichte sie nicht. Also beobachtete er sie. Wie sie sich im Haus bewegte, wie sie ihn begrüßte, das Essen zubereitete und es ihm auf den Tisch legte. Alles war barscher, aber unmerklich barsch. Rascher, aber unmerklich rasch. Ihre Hand zog sie von seiner Berührung vielleicht nur einen unmerklichen Moment früher weg als sonst, doch die Kraft dahinter, die spürte er – und sie war wie eine Ohrfeige. Es war kein Loslassen, es war ein Wegziehen. Es war kein Schweigen, sondern ein Ersticken seiner Fragen. Das war kein Blickkontakt beim Besprechen des Alltages, sondern eine eingehaltene Konvention. Manchmal, so hatte er das Gefühl, sah sie sogar durch ihn hindurch, so als sei ihr Wohnzimmer schon ohne ihn geplant.
Nachts schlief er nicht mehr gut, denn sie tat es in der hintersten Ecke des Bettes – eingerollt und den Rücken zu ihm gedreht. Ihre weichen, weißen Brüste waren nicht mehr für ihn gedacht, er konnte sich nicht auf ihren Bauch legen und durch die Welle ihrer Atmung einschlafen. Auch seine Schultern hatten ihren Sinn verloren. Kein zartes Wesen um ihn herum in Sicht, das manchmal ihren Schutz bei ihnen suchte. Er lag wach und befürchtete das Schlimmste. Dass sie jemand anderen gefunden hatte, jemand anderen, der ihr den Nacken streichelte und ihre dunklen Locken zähmte, wenn sie aufgebracht war. Jemand, der ihr einfach mehr war als er ihr das jemals sein konnte. Jemand, den sie dieses Vakuum nicht spüren ließ, bei dem sie seine Hand nicht einmal losließ, geschweige denn wegzog. Doch warum, fragte er sich, schlief sie noch mit mir? Frauen taten das normalerweise nicht, wenn sie emotional von einem entfernt waren. Was also war los? Weiterlesen… »

Suche



