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Posts Tagged ‘Wärme’
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03.10.2011, 19:21
Man@Work
20.01.2007, 06:26
“Sie haben Leila fort-genommen” (Leila ro bordan)
Dieses Video (Leila ro bordan) (und vorallem dieses Lied) haben mich wieder daran erinnert, wo meine Heimat eigentlich ist. Nicht im heutigen Iran, nicht hier in Deutschland – nirgends: Nur in der Vergangenheit, meiner iranischen schwarz-weiß Nostalgia-Welt und bei meiner Familie. Ich bin in der falschen Zeit zur Welt gekommen, das habe ich schon sehr früh als Kind gespürt, als ich mit all diesen alten Liedern und Filmen großgeworden bin – da draußen im neuen, kalten Exil. Als ich heute in diesen kahlen Räumen war, fragte ich mich, wie warm und lindernder alles gewesen wäre, wären es keine “professionellen”, “kühl-köpfigen”, “gewissenhaft-arbeitenden” Leute gewesen, die die Menschen dort mechanisch “pflegten”. Ich schloss die Augen und sah eine naive, liebe Krankenschwester, schwarze Haare, dunkle Augen, einwenig schüchtern und so sehr darauf bedacht, es allen anderen gut gehen zu lassen, dass sie sich fast selbst verstecken wollte. Eine naive, liebe Krankenschwester, die zwar nicht das Privileg der “westlichen Aufklärung” in vollem Maße “genoss” – aber die mit ihrer liebenswürdigen Art unter den Lippen zu Gott betete, dass all die Kranken bald gesund würden. Anstatt des “guten Arztes”, der den Patienten emotionslos die Nadel in die Ader schob, sah ich einen ernsten, konzentrierten, jungen Arzt mit dunklen, geschwungenen Augenbrauen und Augen, der dem Patienten noch das Kissen richtete und mit ihm von Mensch zu Mensch sprach, bevor er den Raum verließ – und nicht etwa von Arzt zum “krankem Objekt”. Ich lebe schon solange hier in Deutschland. Von Iran habe ich genau 2-3 Jahre meines Lebens mitbekommen – und dennoch haben sie mich weitaus mehr geprägt, als diese vielen Jahre hier. Egal, wie ich es drehe und wende, ich bin Iranerin und ich erkälte mich in dieser ich-bezogenen, kühlen Umgangsart der Mentalität hier. Sie macht mich inzwischen krank. Vielleicht liegt es daran, dass ich älter werde und weinerlicher, aber gerade in den letzten Tagen ertrage ich diese Mentalität nicht. Sie lässt einen einsam zurück. So einsam wie all die tot aufgefundenen, älteren Mütter/Väter, Großmütter/Großväter in ihren altmodischen Wohnungen, die von ihren “Kindern” immer seltener besucht werden. Immer seltener angerufen werden. Mich macht diese Mentalität einfach krank – und der Umstand, dass ich hier Bildung und Freiheit genossen habe, ändert nichts daran. Ich, wo ich doch sonst die Resistenteste von Allen war und die “Umgangsformen” hier verteidigte, die Freiheit hier hochpries, die “Demokratie” hier lobte, ertrage diese Mentalität nicht mehr. Mich macht sie einfach krank – und ich kann es nicht oft genug wiederholen. Ich spürte es besonders, als ich heute einen Iraner traf, der mich schnurstracks fragte, warum ich so traurig aussehe und ob er mir irgendwie helfen könne. Als er mir jede erdenkliche Hilfe zu Teil kommen lassen wollte, als ich dann endlich den Mund aufmachte und redete. Keine persönlichen Anstandsgrenzen waren vorhanden, kein trockenes Schulterzucken, das mich darauf verwies, dass es ihn nichts angehe, was mich belastete. Mich macht diese kalte Mentalität einfach krank. Nicht einmal Köln blieb von ihr verschont. Nicht einmal Karneval wird gegen dieses Stockige etwas tun können. Und all die Süd- und Ausländer hier helfen auch nicht weiter, denn sie sind (zum Teil durch die “Erkältung” hier) in ihrer Identitätskrise so fundamentalistisch-”traditionell” geworden, dass sie schon gar nicht mehr sie selbst sind. Ich will hier weg. Diese Mentalität macht mich einfach nur krank… (Ich entschuldige mich bei jedem “deutschen Mitbürger”, dem ich mit diesem Beitrag zu nahegetreten bin. Bitte bedenkt, dass wir Exilanten schizophrene Wesen sind mit völlig auseinanderklaffenden Bedürfnissen, die weder in ihrem Ursprungsland, noch in dem Land, in das sie geflüchtet sind, gehört werden.)
Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
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