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Posts Tagged ‘Wut’
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21.03.2012, 21:32
Geschützt: Hetzjagd
12.10.2011, 18:53
Wissen ist Ohnmacht
Ich vertilge gerade ein Buch nach dem anderen, hetze durch die Seiten, springe rein und über-esse mich in der Absicht, soviel außerfachliche Literatur zu konsumieren wie nur möglich. Meine Perspektiven versuche ich offen zu halten, um in einem Moment der Erkenntnis den tiefen Zusammenhang aller Perspektiven zu verstehen und miteinander zu vermählen. Trotz allem stellt sich in mir gerade eine unschöne Müdigkeit ein. Wozu das alles? Was habe ich jemals durch mein Wissen erhalten außer der Gedanken- und Gefühlraserei, die nicht mehr von mir ablässt? Und was hat mir das Wissen gebracht außer dem Gefühl der geißelnden Notwendigkeit, jetzt sofort (!) etwas gegen all die Ungerechtigkeiten tun zu müssen, aber gegen das monströse System der Kosmokraten nichts in der Hand zu haben? Und dann ist da noch etwas anderes, etwas Stilleres. Wissen verleitet manchmal dazu, zu schweigen. Und Schweigen macht einsam. Vor allem, wenn man Zeugin bei Alltagsgesprächen ist. Man weiß um die Komplexität eines Ereignisses, weiß um ein paar ihrer Ursache-Wirkungsmechanismen und empfindet eine Art Kraftlosigkeit allein beim Gedanken, diese Zusammenhänge erklären zu müssen. Wenn nichtwissenwollende Verbalscheißer Sätze ablassen wie “Wozu um Amy Winehouse trauern, ihr Tod ist selbstverschuldet, dann trauere ich lieber um all die afrikanischen Kinder” (die müssen übrigens immer herhalten bei solchen Gutmenschenauftritten, denn für mehr reicht das globale Wissen nicht), dann frage ich mich, ob es bei so einem simplen Geist – und dann noch im Stammtischkollektiv – überhaupt noch Sinn macht, zu erklären, welcher Leidensdruck hinter selbstzerstörerischen Persönlichkeiten liegt und welche Faktoren zu so etwas führen. Wie kann man Menschen mit solchen Erkrankungen die Menschlichkeit absprechen, indem man ihnen vorwirft, gar nicht glücklich und gesund sein zu wollen wie alle anderen Menschen auch? Aus diesem Grunde verwende ich niemals das Wort Freitod. Niemand stirbt freiwillig, auch nicht der Suizidale. Das war nur ein kleines Beispiel von vielen. Und an wolkigen Tagen führt Wissen eben zu Ohnmachtsgefühlen und Einsamkeit. Ich gehe trotzdem weiter lesen … 11.09.2011, 23:36
Der Lauf der Dinge
Der Lauf der Dinge ist nicht zu stoppen. Auf der Welt erscheinen, sich dort allen Hürden stellen und dann mal selig, mal gequält vom Leben schreiten. Trauer, Niedergang, Naturkatastrophen – alles muss hingenommen werden, weil man sich sagt, dass es die “unergründlichen Wege des Herren” sind. Alles muss getragen werden – ob man will oder nicht -, weil die Realität selbst den visionären Wissenschaftler ernüchtert, der in seinen Ambitionen, ein neues Heilmittel gegen XYZ entdecken zu wollen, auf der molekularen, finanziellen und ethischen Ebene scheitert – oder es eben an der Nichtprojizierbarkeit von der tot-experimentierten Laborrate zum Menschen tut. Wir halten uns fest, klammern uns, hoffen, reden uns ein, dass es eine höhere Instanz gibt, die weiß, was sie tut. Gerade wir Orientalen neigen dazu. Wir beten sie an und huldigen ihr, selbst wenn wir wissen, dass diese Instanz gegen viele Millionen ethische Grundsätze verstoßen hat. Vom Kleinsten angefangen (unterlassene Hilfeleistung) bishin zum Massenmord (Naturkatastrophen). Die von ihm sadistisch gezeichneten Biografien geschehen dann innerhalb dieses Verbrechensintervalls. Anstatt zu revoltieren, bücken wir uns immer ein Stückchen mehr in die Tiefe – in der Hoffnung, weiterhin in der Gunst dieses Gottes zu stehen. “Möge er uns nicht dafür in die Hölle schmeißen, dass wir nun einmal so sind, wie er uns geschaffen hat!”, sagen wir und merken die Skurrilität dieses (un)logischen Gefüges nicht. Die einen beten fünf Mal am Tag, weil ihr Gott die potenzierte Eitelkeit einer Diva besitzt – und die anderen lassen ihre Sünden von einem dick mit Klunkern und Fett behangenen Geistlichen wegreden – nach Bezahlung versteht sich – und der schon zehn Minuten später seine Macht an einem kleinen Jungen demonstrieren kann und vereinzelt auch wird. In welcher Form, will ich nicht näher beschreiben. Dann gehen sie sich darüber streiten, wer von ihnen näher an Gottes Brust – nein, das wäre ja noch mütterlich – an Gottes Zepter (Phallus) hängt und meinen, die wahre Antwort auf diese Frage wäre Kriege, Tote, Gesteinigte und Kreuzzüge wert. Während die Wissenschaftler schon die kleinsten Bewegungen des Lebens erforschen, debattiert der Klerus noch über Adam und Eva und der Entstehung des Lebens innerhalb von sieben Tagen. Homosexuelle hängen an Seilen in meiner Heimat und schwenken mit ihren leichenblassen Körpern hin und her. Denn “Gott” sprach einst, Homosexuelle seien unzüchtig und minderwertig. Frauen, die der Rache ihrer Ehemänner ausgesetzt werden, weil ihre Ehre in irgendeiner Weise verletzt worden ist, werden in einigen Ländern gesteinigt. Geistliche, die sich intensiver als jeder andere normale 0815-Religiöse mit ihrer Religion beschäftigt haben, erkennen die fundamentalen Gedankenkonstrukte ihrer Religion und verstehen die Worte Gottes, wenn er sagt, dass sein Buch “einfach, klar und deutlich” geschrieben worden ist und keinen Raum für Interpretation lässt. Deshalb heißen all die Wörter wie “schlagen”, “hacken”, “töten” und “verfolgen” auch nicht “streicheln” oder “trennen” statt “schlagen” – und auch nicht “Kratzer hinzufügen” oder “Kläpschen geben”, sondern schlicht und einfach “Hand abhacken” (bei Diebstahl). Auch, wenn Menschen, die sich für ihre Religion rechtfertigen wollen, es gerne anders sehen. Und die anderen? Sie schließen sich in große, kalte Gotteshäuser aus Stein ein, behaupten, im Zölibat leben zu müssen, um Gott zu dienen. Sie lassen die Frucht ihrer Lenden vergammeln und sich krank in ihre eigenen Körper ergießen. Was dabei rauskommt ist, dass sie versuchen diesen unnatürlichen Zustand anders zu kompensieren – immer an den Schwachen und Schutzbedürftigen. Wie, das möchte ich hier nicht näher beschreiben. Weiterlesen… » 04.09.2011, 15:36
Hämmern bis zur Erkenntnis
Ihr seht, meine Texte in diesem Blog sind manchmal von einer ausweglosen Ernsthaftigkeit und einem Vorwurf gegen die Regeln dieses Lebens belastet, dass mir manchmal beim Lesen selber die Luft weg bleibt. Dennoch bin ich mir dessen bewusst, dass es richtig ist, nach all dem “It’s all fun”, “Let’s party!” und unserer Komsumgeilheit (ich gehöre definitiv dazu) Dinge anzusprechen, die man sehr gerne verdrängt. Ich bin mir dessen beuwsst, dass ich sie nicht nur anspreche, sondern in einer sehr harten Sprache benenne, so dass viele sich angegriffen fühlen, die sich eigentlich gar nicht angegriffen fühlen brauchen. Fast so, als würde ich der Menschheit – jedem einzelnen von uns – reine Dummheit und Ignoranz bescheinigen. Und ehrlichgesagt: Vielleicht tue ich das auch. Wir müssen bedenken, dass wir als Masse viel dümmer sind, als wir es als Individuen oder kleine Gruppen sind. Wie sollen ein paar Helldenker denn die trottende Richtung der trägen doch zähen Masse Richtung Konsum, Politikverdrossenheit, Geschichtsignoranz und Oberflächlichkeit lenken? Höchstens, indem sie selbst aufschreien und das erste Wort, das es in die Menge wirft ein “Du bist scheiße, Menschheit! Fick dich!” ist. Mit einem intellektuell einleitenden, diplomatischen, wenig beleidigenden Satz wird man kein Gehör finden, im Gegenteil: Haben wir nicht alle genug von all den versnobten Klardenker-Theoretikern und abstrakten Philosophen, die irgendetwas daherreden, in überkomplizierten Konstruktionen von Wort und Satz, die aber von der schlammigen Praxis des Kämpfens und Überlebens (oder des Konsumierens und Wegsaufens) nicht die geringste Ahnung haben? Manche reden von subtilen Denkwegen, abstrahieren die Realität in einer Form, in der nur noch Zahlen und Formeln übrig bleiben und schreiben nur noch für sich selbst, um den intellektuellen Kampf gegen die Kollegen zu gewinnen. “Yes indeed, das hier war ein Erfolg. Mein Buch wurde am wenigsten von der Masse verstanden. Vorzüglich.” Doch von uns, von uns Lebenden, von uns Tuenden, von uns Greifenden, von uns Konsumierenden, von uns Leidenden, von uns Feiernden, von uns Gröhlenden, von uns, die sich tagtäglich von den Medien tatsächlich verarschen lassen, haben sie nicht wirklich Ahnung, nicht irgendeine, denn sie fühlen sich über alles erhaben und sehen nicht ein, wie man uns diese Erhabenheit auch beibringen könnte. Es interessiert sie gar nicht, sonst wären ihre Schriften und Ergüsse nicht so unverständlich und narzisstisch-krank. Weg damit. Weiterlesen… » 01.09.2011, 08:24
Dankbarkeit
Ich erinnere mich oft an Sätze wie: “Sei dankbar, dass du ein Zuhause hast, dass du gesund bist, dass du Eltern hast, die dich lieben, dass du Beine, Arme, Augen und Ohren hast. Sei dankbar, dass du nicht in den Slums von Brasilien aufgewachsen bist, andere Kinder sind es, sei froh, dass dein Vater mit euch nach Deutschland gekommen ist, sei froh, viele deiner Landsleute haben heute keine Chance, haben ein schwieriges leben, leiden an Depressionen, Hunger, Arbeitslosigkeit, prostituieren sich auf den Straßen, prostituieren sich in Dubai. Sei dankbar. Danke deinem Gott. Sei bloß dankbar, du hättest auch dieses Schicksal haben können. Dankbarkeit ist wichtig. Wenn du nicht dankbar bist, dann ereilt dich irgendwann einmal das selbe Schicksal. Sei dankbar.” Mir sind diese Sätze immer im Hals stecken geblieben, schon als Kind. Aber damals wusste ich nicht warum. Und heute erst recht. Ich empfinde keine Dankbarkeit und Freude darüber, es gelingt mir nicht. Mir macht das viel mehr Angst. Denn ich frage mich ernsthaft, was an mir anders ist, dass der liebe Gott den Entschluss gefasst hatte, mich von all dem Leid zu verschonen und andere damit zu plagen. Die Antwort kennen wir: gar nichts. Ich soll also dankbar sein, obwohl die Unkontrollierbarkeit, die Ungerechtigkeit, die Willkür oder Unwillkür dieses ganzen, wirren Geschehens ohne Regelhaftigkeit, bis zum Himmel stinkt und ich mir dessen bewusst werden musste: Nein, das hier ist nicht gewollt, das hier ist Zufall. Und es kann dich jederzeit auch treffen. Oder: Stell dir vor, das hier ist sogar gewollt, aber du weißt nicht, warum es so gewollt ist. Und du wirst es nicht abwenden können. Das ist noch schlimmer. Noch viel perverser. Das würde eine Entscheidung von jemandem oder etwas voraussetzen, die rein gar nichts mit Anstand, Gerechtigkeit, Gut und Böse zu tun hat. Wie soll ich also Dankbarkeit verspüren, wenn ich einen abwärtsgerichteten Vergleich zur Höllenexistenz anderer verrichten muss, um mich besser zu fühlen? Ist wirklich das die Moral, mit der wir uns beruhigen sollen? Ist es das, was andere von uns erwarten? Demut vor wem auch immer, die Füße still halten, froh sein, dass man selbst nicht betroffen wurde (diese Runde) im Glauben daran, dass man, solange man nur nicht aufmuckt, auch mit größerer Wahrscheinlichkeit verschont bleibt? “Anderen geht es schlechter, sei dankbar, dass nicht du betroffen bist.” Warum bin ich nicht betroffen? War ich ein besserer Mensch? Habe ich mir das in irgendeiner Weise verdient? Soll ich froh sein, dass statt meiner eine andere Person leiden muss? Ein anderes Kind verhungern muss? Eine andere Frau Opfer eines Sexualverbrechens wird oder ein anderer Mann nicht weiß, wie er seine sechsköpfige Familie ernähren soll und sich und seine Familie dann auslöscht? Wie soll das gehen? Nein, ich bin nicht dankbar für all das. Dann mögen noch soviele so oft sagen, das sei eine ungesunde Einstellung. Ist sie vielleicht, aber sie ist die einzig Gerechte. Die Einzige, bei der mir nicht alles im Halse stecken bleibt. Denn immer, wenn ich dankbar bin dafür, dass ich nicht betroffen bin, verfestige ich meine Freude darüber, dass es statt meiner andere sind. Denn die Wahrscheinlichkeit und ihre Zufallsverteilungen sagt: Irgendwer muss unter all diesen Dingen leiden. Statistisch ist das so. Aber Dank Gott, ich nicht. Weiterlesen… »
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