Hypnotisiert von diesem Stück. Hypnotisiert von diesem Video. Hypnotisiert von diesem Text.
Danke, Anderswolf.
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07.01.2012, 13:28
Woodkid – Iron
Hypnotisiert von diesem Stück. Hypnotisiert von diesem Video. Hypnotisiert von diesem Text. 27.12.2011, 03:09
Die Zukunft feiern
Zu Weihnachten und zum neuen Jahr möchte ich euch ein paar Worte hinterlassen, aber es sind nicht meine eigenen, denn ich finde keine. Es sind dafür jene von Little Bee, einem nigerianischen Mädchen aus dem Roman von Chris Cleave – und ich finde, sie haben mit Weihnachten zu tun, ja. Und damit, dass wir Weihnachten so feiern, wie wir es feiern, prunkvoll, warm, heimelig und schön glitzernd. Und sie haben mit dem neuen Jahr zu tun und was es für uns bedeutet. Nämlich unsere Zukunft. Wir feiern unsere Zukunft, den ersten Tag von einer Zukunft, die besser sein wird als unsere Gegenwart. Deshalb möchte ich euch sagen, was Little Bee über die Freiheit und die Zukunft zu erzählen hat. Auf geht’s. Ich tippe nun ab: “[...] Ein Hund muss ein Hund sein und ein Wolf ein Wolf – so lautet ein Sprichwort bei mir zu Hause. Eigentlich sagen wir das gar nicht bei mir zu Hause. Warum sollten wir ein Sprichwort über Wölfe haben? Bei uns gibt es zweihundert Sprichwörter über Affen und dreihundert über Cassava. Wir sagen Kluges über die Dinge, die wir kennen. Aber mir ist aufgefallen, dass ich in eurem Land alles sagen kann, solange ich hinzufüge: So lautet ein Sprichwort bei mir zu Hause. Dann nicken die Leute und schauen ernst drein. Es ist ein guter Trick. Für Sarah ist Freiheit eine lange Zukunft, in der sie das Leben ihrer Wahl leben kann. Ein Hund muss ein Hund sein und ein Wolf ein Wolf und eine Biene eine Biene. Für ein Mädchen wie mich bedeutet Freiheit, einen Tag nach dem anderen lebend zu überstehen. Die Zukunft ist noch eine andere Sache, die ich den Mädchen bei mir zu Hause erklären müsste. Die Zukunft ist der wichtigste Exportartikel meines Landes. Sie verschwindet so schnell über unsere Seehäfen, dass die meisten meiner Leute sie nicht kennen und gar nicht wissen, wie sie aussieht. In meinem Land besteht die Zukunft aus Goldnuggets, die in den Felsen versteckt sind, oder sie liegt in dunklen Reservoirs tief unter der Erde. Unsere Zukunft verbirgt sich vor dem Licht, aber eure Leute kommen zu uns mit dem Talent, sie ausfindig zu machen. Auf diese Weise wird unsere Zukunft Stück für Stück zu eurer Zukunft. Ich bewundere eure Zauberkunst, weil sie so subtil und vielfältig ist. In jeder Generation ist der Förderprozess anders. Es stimmt, dass wir naiv sind. In meinem Dorf waren wir beispielsweise überrascht, dass man die Zukunft in 42-Gallonen-Fässer pumpen und in eine Raffinerie abtransportieren kann. Weiterlesen… » 19.12.2011, 16:34
Von Frau zu Frau
Ich erlebe immer wieder, wie junge Frauen zu Vollstreckerinnen männlicher Angst werden. Männlicher Regeln, männlicher Wertvorstellungen, männlicher Macht. Wie ich es hasse, wenn Frauen schadenfroh irgendwo sagen: “Ja, das da, das ist eine Schlampe. Sie hatte schon drei oder vier oder fünf Typen im Bett gehabt.” Ich meine, was haben sie davon? Es auch noch laut rauszuposaunen, damit auch jeder Mann ihren Wert sieht? Bemerkt, dass sie – die, die das hier sagt – anders ist als all die “Schlampen”? Ich hasse es, diese Frauen dabei zu erwischen, wie sie die kranke, angstvolle Saat patriarchalicher Gedanken weiter leben und verbreiten, sie mit resistent gegen soziale Evolution machen. Ich hasse es, dass sie – anstatt sich für genau jene abgegrenzten und vielleicht auch so schon selbstverachtenden Frauen einzusetzen – auch noch im selben O-Ton von einigen Männern mitsingen und mitstampfen. Ich schäme mich dafür, und wie. Und das ist überall in der Welt zu finden. Überall werden wir Frauen zu Verräterinnen unserer Natur und Schönheit, unserer Verbindung zueinander, unserer Intuition und unseres Einfühlungsvermögen. Hier sind es die Mütter, die ihren Töchtern die Kopftücher überzwängen (nicht bei allen ist das so, aber es gibt mehr als genug davon), weil das so ist, weil das schon immer so war, und weil man(n) sagt, das sei rein, das sei ein Zeichen für Anstand. In afrikanischen Stämmen sind es die Großmütter, die ihren Töchtern die Klitoris und die inneren Schamlippen wegschneiden und ihre Vagina zunähen, die dann in der Hochzeitsnacht auf eine Art geöffnet wird, die wir uns nicht vorstellen können. Hier, in unserer “liberalen” Gesellschaft sind es die Mädchen und jungen Frauen, die aus Freude darüber, selbst nicht in ihrer völlig natürlichen Lust erwischt worden zu sein, den Fokus auf andere Frauen lenken und draufhauen, um sich an den “Bitches” selbst vor anderen Jungs und Männern aufwerten zu können. “Schaut her, meine Hardware ist astrein”, scheinen sie damit sagen zu wollen. “Oh wow”, denke ich nur. “Glückwunsch, dass du dich nach den selben Kriterien aufwertest, wie Männer es tun, wenn sie uns als Ersatz für Ehre, Sexpüppchen, whatever sehen.” Mich widert das an. Wir sollten einander schützen vor solchen Regeln, nicht auch noch gegenseitig der Scheiße ausliefern. 13.12.2011, 23:54
Die letzten Stunden.
Also erstmal, wer auch immer das hier in die Hand bekommt, lies mal besser nicht, wenn du Angst vor Blut und Gewalt und so’n Gedöns hast. Das ist nicht für kleine Mädchen gedacht, okay? Bitte sag’ nicht, ich hab’ dich nicht gewarnt. So, ich erzähle jetzt mal. So fing das alles an. Ich weiß nicht, wie ich das alles aufschreiben soll. Ich bin kein guter Schreiber, aber ich versuch’ das mal hier wiederzugeben, weil ich das hier einfach nicht in meinen Kopf kriege und ich einfach nicht verlieren will, was ich jetzt weiß und was ich herausgefunden habe über alles. Oder was ich denke, herausgefunden zu haben. Es war ein übler Tag. Wie gesagt, ich hatte einen scheiß Tag. Egal warum jetzt. Auf der Arbeit lief es nicht sehr gut, weil nur, weil ich nicht rede, mich die meisten für ‘nen Depp halten, was ich nicht bin, die kennen mich nicht, ich bin vielleicht ein bisschen auf den Mund gefallen, aber nicht, weil ich dumm bin, sondern weil ich früh gemerkt habe: Wenn man nicht redet, wollen die Leute auch sowenig wie möglich von einem. Ich habe gemerkt, Reden, das ist nur was für Heuchler, die sagen wollen “Ich bin wer”. Und sie reden und reden, über sich, eigentlich ist alles, was sie sagen, nur etwas über sich, selbst wenn sie etwas über andere sagen, sagen sie es, damit man sieht, wie gut und wie intelligent sie über andere reden. Ich gehörte nicht dazu, ich wollte meine Ruhe. Einfach nur Ruhe. Meine Arbeit tun, nach Hause gehen, mich von meiner Freundin nerven lassen, vielleicht, wenn ich Glück habe, eine Art Zuneigung bekommen, mittelmäßigen Sex und dann schlafen gehen. Das ist alles, mehr wollte ich nicht vom Leben. Aber kaum ist man zufrieden mit dem, was man hat, kommt irgendein Tag und irgendwas passiert und alles ändert sich. So sehr, dass du die Dinge plötzlich anders siehst, plötzlich über Dinge nachdenkst, die du vor Jahren schon abgeschlossen hast in ein dickes Fass, wo “unlösbar” steht. Und gut ist. Wer will sich schon den Kopf zerbrechen, sollen das doch diese Philosophier. 22.11.2011, 11:38
Geschützt: So fing es an, und so wird es immer bleiben.
20.11.2011, 17:31
Little Bees Augen
Manchmal, da ist das eben so. Da fragt dich niemand Warum und Weshalb, und überhaupt. Da fragt niemand niemanden, und alle schweigen sich an, indem sie lachen und über das Wetter reden. Ich weiß nichts, und ich will auch nichts wissen. In meinem Kopf hämmert es. Vielleicht hätte ich das Buch nicht lesen dürfen. Und dann auch noch zweifach. Abwechselnd alle Kapitel einmal auf Deutsch, dann auf Englisch – oder umgekehrt. Kapitel um Kapitel. Und ich weiß nicht, was ich tun soll. Ähnlich wie bei “Die durchs Feuer gehen” habe ich mich fast übergeben, nein, bei Ersteren habe ich mich wirklich übergeben. Nicht so übergeben, wie bman sich bei “Feuchtgebieten” und den gewollt ekelhaften Scheiß übergeben würde, sondern übergeben, weil man über etwas liest, das es nicht geben darf. Einfach nicht geben darf, weil es das nicht geben darf. Das muss als Grund reichen. Punkt. Weil es das nicht geben darf, und weil es das gibt. Da versucht er, mein Mann, mir zu sagen, dass diese Geschichte so nicht abgelaufen sei, dass es eine Erfundene sei, auch, wenn es Schlimmere gebe oder auch ähnliche, aber dass diese Person, nein, die nicht. Die gibt es nicht. Und ich denke nur “Geh’, lass mich in Ruhe.” Ich weiß Bescheid, will ich ihm entgegen schmettern. Ich weiß Bescheid, dass das alles jetzt, jetzt, jetzt, j-e-t-z-t in diesen Sekunden mehrfach, hundertfach, tausendfach geschieht, und mehr als tausendfach. Denn jeden Tag, wenn einer dieser Menschen aufwacht, wird es sie verfolgen. Es wird sie verfolgen, bis es sie umbringt. Ich weiß Bescheid, will ich ihm sagen. Und ich will, dass er geht. Und er bleibt. Und ich bin erleichtert, dass er bleibt. Weiterlesen… »
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